Recht viel schlimmer kann ein Elferschießen nicht beginnen: Ausgerechnet die Teamspieler Jürgen Kauz und Klaus Rohseano, die also den seltenen Nervenkitzel vom Punkt am ehesten bewältigen könnten, bringen das Leder nicht im Gehäuse von Kazimierz Sidorczuk unter. Während der Pole damit zum großen Cup-Helden von Sturm Graz avanciert, schleichen die LASK-Spieler an jenem 18. Mai 1999 wie geprügelte Hunde aus dem weitläufigen und halbleeren Ernst-Happel-Oval. Wieder nichts - auch im Prater blühten den Athletikern nach dem 2:4 im Penaltyschießen (1:1 nach regulärer Spielzeit) keine Träume. Auf den ersten Titelgewinn seit dem Double 1965 mussten die Schwarz-Weißen immer noch warten.

Dass die Durststrecke noch weitere 22 Jahre und also mindestens bis zum 1. Mai 2021 andauernd würde, konnte damals niemand ahnen. Wiewohl die Titellosigkeit des Linzer Traditionsklubs nach der damaligen Finalniederlage bald noch die geringste Sorge darstellte - die damals schon nach der Rieger-Bank-Pleite massiv zusammengestutzte Elf wurde in den Folgejahren beinahe völlig ausgelöscht: Abstieg, Drittklassigkeit, Existenzängste. Ehe mit der wiedererlangten Erstklassigkeit anno 2017 ein kleines Fußballmärchen im Europacup samt erster Verfolgerrolle von Bundesligaprimus Salzburg einsetzte.

Und genau der Serienmeister und seit 2014 sechsfache Cupsieger aus der Mozartstadt kann diesmal die LASK-Gravur am Uniqa-ÖFB-Pokal noch verhindern. Wiewohl es doch eine Überraschung wäre, würden die Linzer am Samstagabend im Wörtherseestadion (20.30 Uhr/ORF 1) die in Entscheidungsspielen immer extrem fokussierte Bullen-Elf ausstechen, denn nur 2018 gelang die einem Cup-Team - Sturm Graz.

Dennoch gehen die Athletiker hoffnungsfroh ins Pokalduell, das eben den ersten Titel seit 56 Jahren bescheren soll. "Wir können Geschichte schreiben, wir können ein unvergessliches und historisches Ereignis schaffen", betonte Trainer Dominik Thalhammer bei der Online-Pressekonferenz am Donnerstag. "Das spürt man auch im Verein und bei den Fans. Das motiviert uns sehr für Samstag."

Allerdings bräuchte es dazu wohl eine deutliche Steigerung gegenüber den bisherigen Leistungen in der Meistergruppe - insbesondere in der Offensive ist etwas der Wurm drin. Hinzu kommt Verletzungspech - denn beim Heim-0:0 am Mittwoch gegen Sturm, das den LASK auf Rang vier einzementierte, verletzten sich die wichtigen Defensivakteure Marvin Potzmann und Philipp Wiesinger - Letzterer fehlt mit Bandeinriss im Knöchel am Samstag definitiv. Umso mehr zählt für Kapitän Gernot Trauner die mannschaftliche Geschlossenheit: "Salzburg hat eine unglaubliche Qualität. Wir brauchen einen tollen Teamgeist, um so ein Spiel zu gewinnen."

Jaissle Salzburg-Trainer

Beim Gegner dominierten im Vorfeld indes die Trainerwechsel das Geschehen. Der Abgang von Cheftrainer Jesse Marsch zu RB Leipzig per Saisonende wurde nun offiziell - der Nachfolger des US-Amerikaners kommt aus dem eigenen (Lieferinger) Stall: Der 33-jährige Deutsche Matthias Jaissle übernimmt ab Sommer volley.

Ablenkung sollen die Vertragsverhandlungen mit dem deutschen Vizemeister in spe für Marsch keine beschert haben, wiewohl auch das Heim-1:1 gegen den WAC keine perfekte Generalprobe darstellte. "Der Cup ist bei uns immer ein großes Saisonziel. Titel zu holen ist immer eine große Herausforderung", sagte Marsch. Es wäre bereits das achte Double der Klub-Geschichte - alle in den vergangenen zehn Jahren geholt. Davon kann der LASK nicht mal träumen.