Proteste, Übernahmespekulationen und Beschwichtigungen: Auch zwei Wochen nach dem spektakulären Scheitern der Superliga-Pläne haben sich die Wogen vor allem im englischen Fußball noch nicht geglättet. Es müsse sich etwas ändern in der Premier League, die lange Jahre finanziell als Insel aller Kicker-Seligen galt, damit - Ironie am Rande - die Finanzen eben nicht mehr die Hauptrolle spielen würden. Darin sind sich plötzlich alle einig. Nur über das Wie scheiden sich nach wie vor die Geister.

Während Fans von Arsenal und Manchester United (Letztere sogar mit einem teilweise gewaltsamen Eindringen ins Stadion) in den vergangenen Tagen gegen die schon lange ungeliebten Klub-Besitzer - den Multi-Sportteam-Eigner Stan Kroenke auf der einen, die Glazer-Familie auf der anderen Seite - Sturm liefen, blieb es bei Manchester City angesichts des sportlichen Erfolgs verdächtig ruhig. Das entbehrt freilich nicht einer gewissen Doppelbödigkeit. Auf dem Weg Richtung Titel ist den Citizens also auch eine reichliche Alimentierung aus Abu Dhabi recht. In einem anderen Teil Manchesters und in der Hauptstadt indessen wartet man schon lange auf sportlichen Erfolg - was wiederum den Eigentümern angelastet wird.

In Manchester fordern die Fans indessen das Ende der Ära Glazer und mehr Mitsprache. - © apa / afp / Oli Scarff
In Manchester fordern die Fans indessen das Ende der Ära Glazer und mehr Mitsprache. - © apa / afp / Oli Scarff

Nicht zuletzt deshalb wähnt sich nun in London eine Gruppe Übernahmewilliger im Aufwind. An ihrer Spitze steht zwar der schwedische Unternehmer, Gründer des Audio-Streaming-Dienstes Spotify und Milliardär Daniel Ek (geschätztes Vermögen 4,2 Milliarden Dollar); in seiner Gefolgschaft haben sich aber auch die früheren Arsenal-Ikonen Thierry Henry, Dennis Bergkamp und Patrick Vieira formiert. Sie verkörpern die goldene Ära Arsenals, mit ihnen - und unter Trainerlegende Arsène Wenger, der die Pläne ebenfalls zumindest moralisch unterstützt - holten die Gunners 2004 als ungeschlagene Mannschaft den bisher letzten Titel.

Liga will "Charta" einführen

Laut Henry habe Ek bereits Kontakt mit Kroenke aufgenommen. Dass dieser zuletzt noch beteuert hatte, kein Interesse an einem Verkauf seiner Anteile zu haben, beeindruckt die potenziellen Investoren nicht. "Sie müssen jetzt zuhören. Es haben viele Leute geschrieben, dass sie die Eigentümer raushaben wollen", sagt Henry zu Sky. "Wir versuchen, eine Lösung zu bieten, die die Fans einschließt, um dem Klub seine DNA zurückzugeben." Zu Ähnlichem haben sich zuletzt auch die Glazers - nolens, volens - bereit erklärt, nachdem zunächst friedliche Proteste am Sonntag vor dem geplanten und dann abgesagten Spiel gegen Liverpool eskaliert waren. Die Fans hatten neben einem Ende der Glazer-Ära mehr Mitsprache und strukturelle Änderungen in der Führungsetage gefordert.

Gespräche kündigt nun auch die Liga an, die die Klubbesitzer künftig zu einer Charta verpflichten will. Von einer 50+1-Regel nach deutschem Vorbild, die in den vergangenen Wochen andiskutiert wurde und die direkte Einflussnahme beschränkt, ist aber auch in der entsprechenden Aussendung zu dem Thema keine Rede mehr. Stattdessen geht es darum, die Vereine davon abzuhalten, in Zukunft ähnliche Projekte wie eine Superliga zu lancieren. Bei Verstößen würden harte Sanktionen drohen.


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Stellungnahme der Premier League
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"Einige wenige Klubs (in England hätten sechs Vereine den Gründern des neuen Formats angehört, Anm.) dürfen nicht so eine Spaltung verursachen", heißt es. Die Ereignisse der vergangenen Wochen hätten den englischen Fußball in seinen Grundfesten erschüttert, nun wolle man Maßnahmen treffen, um diese zu schützen. Die Eigentümer müssten sich also zu einer "offenen Fußball-Pyramide, einer Weiterentwicklung durch sportliche Verdienste und höchsten Standards sportlicher Integrität" bekennen. Schöne Worte, gewiss. Doch solche werden wohl nicht ausreichen, um lange schwelende Konflikte und teils hausgemachte Probleme zu beseitigen.