Neun Jahre nach dem Elferthriller gegen Bayern München beim legendären "Finale dahoam" nimmt Chelsea wieder den Einzug ins Endspiel um den begehrten Henkelpokal in Angriff. Nach dem 1:1 bei Real Madrid im Halbfinal-Hinspiel reicht den Blues am Mittwochabend (21 Uhr/Dazn, Sky) an der heimischen Stamford Bridge bereits ein torloses Remis zum Aufstieg. Bei den Gästen aus Spanien hofft man auf die Trefferkünste von Karim Benzema - den Franzosen zu bändigen dürfte für Chelsea die halbe Miete zum Finaleinzug sein.

71 Tore hat Benzema in der Champions League bisher erzielt. Der 33-jährige Angreifer hielt die Hoffnungen auf den 14. Titelgewinn Reals im höchsten Europacup-Bewerb auch dieses Mal am Leben. Beim Remis in der Vorwoche traf Benzema wunderschön zum Ausgleich. 28 Tore in 41 Pflichtspielen hat der seit bald zwölf Jahren für die Madrilenen spielende Sturmtank in dieser Saison erzielt. Klub-intern am nächsten kommt Benzema ein defensiver Mittelfeldspieler: Casemiro durfte bisher sechsmal über seine Tore jubeln.

Einer, der sein Können in den vergangenen Monaten kaum zeigen konnte, ist ein weiterer Hoffnungsträger von Real: Eden Hazard stand beim 2:0 gegen Osasuna am Wochenende 70 Minuten auf dem Rasen. Der Belgier spielt in London an einer alten Wirkungsstätte. Um eine Ablösesumme von 100 Millionen Euro ging Hazard 2019 nach Madrid - dort konnte der 30-Jährige aufgrund diverser Blessuren bisher aber kaum seine Qualitäten zeigen.

Zinedine Zidane ließ durchblicken, dass er in London auch auf weitere zuletzt angeschlagene Akteure mit Erfahrung auf großen Bühnen setzen wird. Luka Modric und Toni Kroos wurden gegen Osasuna geschont; Sergio Ramos kehrte nach langer Verletzungspause samt Corona-Erkrankung in die Mannschaft zurück und könnte den verletzten Raphael Varane ersetzen. Linksverteidiger Marcelo saß im Flieger, nachdem er Dienstagfrüh seinen Dienst als Wahlhelfer absolviert hatte.

Auf das weiße Ballett wartet nach der Partie gegen Chelsea ein weiteres Spiel, in dem es womöglich schon um einen Titel geht. Bei einem Ausrutscher gegen den FC Sevilla am Sonntag könnte Real im spanischen Liga-Finale wichtige Zähler liegen lassen. "Wir müssen weiter um alles kämpfen. Wir wissen, dass wir gewinnen können", meinte Zidane mit Blick auf Liga und Champions League. "Ich werde nicht so weit gehen, zu sagen, dass wir gewinnen werden. Aber wir werden alles versuchen", sagte er. Real stand zuletzt 2018 im Endspiel, damals gewann die Mannschaft unter Zidane in der Königsklasse zum dritten Mal in Folge.

Chelsea wartet indes seit dem Sensationscoup von München anno 2012 schon entsprechend lange auf ein Dacapo. Die Epigonen von Didier Drogba, Petr Cech, Frank Lampard und Co. haben es unter deutscher Trainerführung nunmehr wieder in der Hand: Coach Thomas Tuchel hat die Blues wieder zu einer kompakten Einheit geformt. In den 23 Partien unter dem seit Jänner in England arbeitenden Tuchel hat das Team nur zehn Gegentreffer kassiert. Chelsea schoss jedoch auch nur 30 Tore. Spektakulär ist es nicht, wie nun gespielt wird - effektiv aber allemal. Ganz so wie 2012, als der krasse Außenseiter am Ende den Pokal in Händen hielt.

"Sind auf Kampf vorbereitet"

Im Angriff sollen es ebenfalls Deutsche richten. Timo Werner zeigt aufsteigende Form, Kai Havertz schoss beim 2:0 gegen Abstiegskandidat Fulham beide Treffer. Ebenfalls stark agiert seit Monaten Mason Mount. Der englische Internationale verletzte sich gegen Fulham am Rücken, soll aber fit werden. Das Selbstvertrauen ist hoch im Lager der Blues. "Wir sind auf einen großen Kampf vorbereitet. Wir werden aber eine großartige Leistung benötigen, weil Real es uns schwer machen wird", sagte Tuchel. Auf sein Rezept gegen Ramos angesprochen, wusste er augenzwinkernd eine simple Lösung. "Wir werden einfach mit keinem Stürmer antreten, dann hat Ramos niemanden, gegen den er kämpfen muss."(apa/may)