Für den Fußball aus dem jeweiligen Land ist es wie Ostern, Weihnachten und Geburtstag an einem Tag - für den Rest der Welt fehlt dem bedeutendsten Klubmatch des Jahres damit der prickelnde Funke, das Salz in der Suppe, das Wesen des länderübergreifenden Bewerbs. Die Rede ist natürlich vom Finale der Champions League, das heuer schon wieder - und insgesamt zum bereits achten Mal - von zwei Klubs aus ein- und derselben Liga bestritten wird. Nach dem souveränen 2:0-Sieg von Chelsea über Rekordchampion Real Madrid folgten die Blues aus London den Himmelblauen aus Manchester ins Endspiel am 29.Mai in Istanbul. Die Premier League jubiliert, der britische Fußball frohlockt, der Rest Europas ist indes weniger erbaut.

Denn ein rein englisches/italienisches/spanisches/deutsches Finale im höchsten Europacupbewerb gibt es erst, seit die Kommerzialisierung in Form der Champions League Platz gegriffen hat. Respektive mit deren ersten Reformen, als nämlich den großen europäischen Ligen sukzessive mehr Startplätze in der Königsklasse eingeräumt wurden. Und so geschah es am 24. Mai 2000 zum ersten Mal, dass sich zwei Klubs aus La Liga - Real und Valencia - in einem rein spanischen Finale gegenüberstanden (Endstand: 3:0). Manchester City vs. Chelsea wird das bereits dritte Insel-Duell im Endspiel der Königsklasse sein (nach 2019 mit Liverpool vs. Tottenham und 2008 mit Manchester United vs. Chelsea), womit die Premier League mit der Primera Division gleichzieht.

Übrigens: In den 44 Finalspielen vor der Premiere anno 2000 - die meisten davon im Meistercup seit 1956 - standen sich immer zwei Teams aus unterschiedlichen Nationen gegenüber, wiewohl ja durchaus zwei Mannschaften aus einer Liga teilnehmen durften (Titelverteidiger und Landesmeister). Ganz anders übrigens die Situation im einstigen Uefa-Cup, dem Vorgängerbewerb der Europa League: Dort durften Länder stets mehrere Klubs stellen - und schon im ersten Finale 1972 stieg der Fußball-Mutterland-Kampf zwischen Wolverhampton und Tottenham (1:2/1:1).

"Wird ein 50:50-Spiel"

Doch zurück zur Gegenwart, in der Chelsea nun also auf den zweiten Titel nach 2012 hoffen darf. "Ich freue mich drauf, das wird ein ganz klassisches 50:50-Spiel", meinte der deutsche Chelsea-Trainer Thomas Tuchel, der damit nach Paris Saint-Germain im Vorjahr neuerlich eine Mannschaft ins Endspiel geführt hat. Schon am Samstag (18.30 Uhr/Sky) kommt es zu einer echten Generalprobe für das Finale, wenn der überlegene Tabellenführer Manchester City die viertplatzierten Londoner empfängt. Mit einem Sieg würden sich die Gastgeber vorzeitig den Meistertitel sichern. Im ersten Saisonduell hatten sich die Skyblues mit 3:1 durchgesetzt, dafür gab es jüngst im FA-Cup-Halbfinaleeinen 1:0-Erfolg der Blues. "Der Sieg im Pokal hat uns sehr viel Selbstvertrauen gegeben für alles, was danach kam, und wird uns viel Selbstvertrauen geben für das Aufeinandertreffen in Istanbul", betonte Tuchel, dessen Team heuer zum 18. Mal zu null spielte.