Alles ist für alle noch drin. Das stimmt zwar nicht ganz, denn die WSG Tirol kann sich etwa vom aktuellen sechsten Tabellenrang in der Meistergruppe maximal noch auf Rang drei vorarbeiten, und auch für den WAC und den LASK ist der Meisterzug selbst rechnerisch schon abgefahren - dennoch sind für jeden Klub im Saisonfinish bei vier ausstehenden Partien noch zwölf Zähler zu holen. Und damit kann es zu jeder Menge Verschiebungen kommen. Zum einen im Kampf um die Europacup-Startplätze, zum anderen in der Vizemeisterfrage - aber auch Serienmeister Red Bull Salzburg ist bei sechs Punkten Vorsprung auf Rapid noch keinesfalls durch. Ganz im Gegenteil: Verliert der Titelverteidiger am Sonntag im Schlagerspiel bei Sturm Graz, und fahren die Grün-Weißen ihrerseits einen Heimsieg gegen den WAC ein, dann steht am darauffolgenden Mittwoch tatsächlich noch einmal ein Bundesliga-Endspiel in Salzburg an: Würde Rapid dann auch noch in Siezenheim gewinnen, stünden die Hütteldorfer dank des (halben) Bonuspunkts aus dem Grunddurchgang zwei Runden vor Schluss plötzlich an der Tabellenspitze. Die grün-weißen Fans dürfen also noch immer vom Meistertitel träumen.

So weit wollen es die Salzburger freilich gar nicht kommen lassen, wiewohl in Graz so etwas wie der Angstgegner der heurigen Saison wartet: Zwei der drei Bundesliga-Duelle (1:3, 1:2) gegen die Blackies wurden nämlich verloren, dafür behielten die Salzburger im Cup-Halbfinale die Oberhand (4:0) - was am 1. Mai im Pokalfinale bekanntlich zu Titel-Nummer eins anno 2021 führte.

"Höchstes Niveau bieten"

Nach dem Heim-1:1 gegen den WAC will sich die Elf des scheidenden Coaches Jesse Marsch nun keinen Patzer mehr erlauben. "Wir wollen unbedingt wieder Meister werden, jedes einzelne Spiel ist das wichtigste", meinte Marsch am Freitag und beteuerte, Verfolger Rapid oder die Titelentscheidung nicht im Hinterkopf zu haben. "Wir denken in dieser Sache nicht zu weit nach vorn und wollen einen Schritt nach dem anderen machen." Aus den zwei Pleiten gegen Sturm habe man jedenfalls gelernt, "deshalb müssen wir über mindestens 90 Minuten unser höchstes Niveau spielen. Wir brauchen auch keine zusätzliche Motivation, denn wir wissen, wie wichtig diese drei Punkte sind", so der US-Amerikaner.

Der Gegner hat freilich auch nichts zu verschenken, gilt es doch für Sturm, den soeben im Doppel gegen den LASK eroberten dritten Rang - gleichbedeutend mit einem Qualifikationsstartplatz zur Europa League - zu verteidigen. Die Linzer wiederum könnten sich nach dem Tiefschlag in Form des verlorenen Cup-Finales im Saisonfinish etwas Luft nach unten verschaffen, wenn ein Heimsieg über Wattens gelingt; die Europacup-Sensationself der Vorsaison steht derzeit nur auf einem Qualifikationsplatz für die neue und nicht ganz so lukrative Conference League - bei Endrang fünf könnte diese gar nur über das Play-off mit dem Sieger der Qualifikationsgruppe erreicht werden. "Wir befinden uns in der schwierigsten Phase der Saison. Am Ende wird abgerechnet - und am Ende wollen wir einen internationalen Startplatz erreichen", erklärte LASK-Coach Dominik Thalhammer aufmunternd.

Bleibt die Frage, ob Rapid - aktuell auf Vizemeisterkurs mit Startplatz in der Champions-League-Qualifikation - noch an die Meisterschaft glaubt. "Solange es rechnerisch möglich ist, werden wir nicht sagen, der Titelkampf ist erledigt. Aber dazu brauchen wir erst einmal Siege", sagte Coach Didi Kühbauer. Daher gilt es, an die 8:1-Gala am Ostersonntag im Lavanttal anzuschließen: "Mit drei Punkten hätten wir den zweiten Platz komplett abgesichert, damit hätten wir unser Saisonziel erreicht."(may)