Wirtschaftlich mag die Wiener Austria dank der Lizenz in zweiter Instanz (vorerst) gerettet sein - das sportliche Saisonziel ist aber noch lange nicht eingefahren. Und der angepeilte Europacup-Platz (in der neuen Conference League) ist für den aktuellen Zweiten der Qualifikationsgruppe denkbar schwierig zu erreichen, weil er gleich drei Bedingungen erfordert: Erstens muss dieser Platz unbedingt gehalten werden, um zweitens im Qualifikationsgruppen-Play-off der beiden Besten der Hoffnungsrunde mitmischen zu können, um dann drittens im letzten Duell den fünften der Meistergruppe (derzeit der WAC) fordern zu dürfen.

Demzufolge kommt dem Heimmatch am Dienstagabend (20.30 Uhr) gegen Hartberg fast schon entscheidende Bedeutung zu. Drei Zähler liegt der TSV an der Spitze der Qualifikationsgruppe drei Runden vor Saisonende vor der Austria. Hinter den Violetten hat sich aber auch die SV Ried in Stellung gebracht - die Innviertler haben zwei Zähler Rückstand auf die Favoritner und in der letzten Runde ebendiese noch zu Gast.

Die Papierform spricht vor der Partie am Verteilerkreis für die Steirer: Hartberg hat nicht nur das Duell im Play-off um das letzte Europacup-Ticket im Vorjahr für sich entschieden, sondern der Austria auch drei Liga-Niederlagen in dieser Saison zugefügt. Einzig im Cup blieben die Wiener erfolgreich (5:3). Was Hartberg entgegenkommt: Die Steirer können, aber sie müssen nicht unbedingt. Bei einem Sieg wäre der Spitzenplatz in der Trostrunde de facto geschafft (und damit das Heimrecht im ersten Play-off mit nur einem Spiel); bei einem Remis schaut es ebenfalls gut aus, denn auf Hartberg warten dann noch Spiele gegen die Admira und Schlusslicht St. Pölten.

Schopp zur Austria?

"Ich glaube, dass wir die bessere Ausgangsposition haben, das Spiel an sich aber alles zulässt. Was uns erwartet, ist eine Austria, die große Ambitionen hat, Erster in der Qualifikationsgruppe zu werden", meinte Schopp, der als heißer Kandidat auf die Nachfolge von Peter Stöger bei den Violetten gilt. Dass Schopp die Austria just vor dem wichtigen Aufeinandertreffen als interessante Adresse einstufte, wirbelte in Hartberg ein wenig Staub auf. "Jeder in Österreich tätige Trainer, der sagt, die Austria ist für ihn kein Thema, würde lügen", sagte der 47-Jährige im Sky-Interview. Sein Vertrag bei den Hartbergern endet mit Saisonende - die Gespräche laufen. Die Austria will indes in den kommenden zwei Wochen in der Trainerfrage Klarheit schaffen.

Wer bei den Wienern am Dienstag an der Seitenlinie stehen wird, war vorerst unklar. Der zuletzt mit dem Coronavirus infizierte Stöger konnte sich am Montagnachmittag freitesten. Beim Medientermin vor der Partie war Jochen Fallmann dabei. Der schon in Altach hauptverantwortliche Assistenzcoach erwartete nach der Vorstellung beim 1:2 im Ländle "eine Reaktion der Mannschaft": "Wir gehen immer ins Spiel rein, um es zu gewinnen, morgen ist die Ausgangslage noch ein Stück klarer." Fallmann widersprach zudem vehement, dass bei manch Wechselwilligem die Luft schon draußen sei. (Manprit Sarkaria geht zu Sturm, Christoph Monschein soll beim LASK landen.) "Ich muss da eine Lanze für die Spieler brechen. Sie zeigen die ganze Woche den gleichen Fokus und das gleiche Engagement im Training wie in gesamten Jahr." Dass die Unsicherheiten im Hintergrund Spuren hinterlassen, sei jedoch "menschlich", so Fallmann.(may/apa)