Juventus Turin hat es nicht geschafft, Paris St. Germain strauchelt gewaltig - aber Österreichs Serienmeister Red Bull Salzburg wird auch heuer dem Titelhamster-Titel gerecht werden. Nach dem Cup-Erfolg am 1. Mai führt auch in der Bundesliga kein Weg mehr an den Salzburgern vorbei, spätestens vergangenen Sonntag wurden die letzten Zweifel widerlegt. Während die Elf von Jesse Marsch auch bei Angstgegner Sturm obsiegte, verlor der einzig verbliebene Verfolger Rapid zuhause gegen den WAC - und damit auch die letzte seriöse Chance auf den Meistertitel. Neun Punkte Vorsprung bei drei ausstehenden Runden bedeutet nach Adam Riese, dass der Red-Bull-Truppe im direkten Duell am Mittwoch (20.30 Uhr) im eigenen Stadion bereits ein Remis reicht, um zum achten Mal in Folge am Ende der Bundesliga-Saison die Sektkorken knallen zu lassen.

Zudem dürfte die Angst der Salzburger vor den Grün-Weißen streng limitiert sein, wurden doch in den vergangenen Jahren alle entscheidenden Partien - Liga wie Pokal - meist deutlich gewonnen. So war es auch vor einem Monat, als die Elf von Didi Kühbauer (wieder einmal) vom Titel träumte, dann aber im Allianz-Stadion mit 0:3 unter die Räder kam (und das war noch schmeichelhaft). Auch die Statistik lügt nicht: Seit sieben Liga-Spielen sind die Salzburger gegen Rapid ungeschlagen - es gab sechs Siege und ein Remis. Um die Meisterfrage zu vertagen, benötigen Ercan Kara und Co. am Mittwoch eine Meisterleistung gegen gewiss voll motivierte Salzburger. So wie am 1. August 2015, als beim 2:1-Erfolg am zweiten Spieltag der bis dato letzte Auswärtserfolg gelang.

"Die Momente genießen"

Dennoch trat der scheidende Jesse Marsch auf die Euphoriebremse: "Ich habe zur Mannschaft gesagt, dass es noch nicht an der Zeit ist, zu jubeln oder eine Feier zu planen. Auch dass uns ein Punkt reichen würde, um Meister zu werden, müssen wir aus den Köpfen bekommen. Mittwoch ist ein echtes Finale." Nachsatz: "Wir werden voll auf Sieg spielen." Denn Feierlaune gibt es nur bei einem entsprechend guten Spiel samt Heimsieg: "Man muss in diesem Geschäft die Momente gegen die besten Gegner genießen und bereit sein für die beste Leistung gegen die besten Gegner. Das ist für mich ein großer Teil des Erfolgs im Fußball und im Profisport", dozierte der US-Amerikaner.

Sein Pendant stellte indes trocken fest: "Mitfeiern werden wir garantiert nicht", so Kühbauer, der die Konstellation aber nüchtern beurteilt und daher weiß, dass "es ja grundsätzlich schon vorbei ist". Denn unabhängig vom Ausgang des Matches stehe der Meister "nicht mit dem Spiel fest". Salzburg habe einfach die größte Qualität in Österreich. "Wir haben auch eine sehr gute Truppe, aber wenn du sie schlagen willst, brauchst du eine außergewöhnliche Leistung. Ich vergleiche es mit Bayern in Deutschland." Dennoch werde sein Team in der Red-Bull-Arena noch einmal alles versuchen. "Die Trauben hängen dort sehr hoch, das ist uns bewusst. Vom Resultat wäre es einmal schön, wenn wir anschreiben könnten." Möglicherweise aber erst in der nächsten Saison.(may)