Deutschland, England und Italien haben es vorgemacht; am Mittwoch ist Österreich gefolgt: In diesen Ligen sind die Meisterschaftsentscheidungen bereits zugunsten des FC Bayern - wem sonst -, Manchester City, Inter Mailand und eben Salzburg gefallen. In einem fußballerischen Topland aber verheißt das Saisonfinale noch Spannung - und derzeit deutet alles darauf hin, dass dort eine Mannschaft den Titel holt, die sich seit geraumer Zeit hinter der Phalanx aus Real Madrid und dem FC Barcelona anstellen musste. Atletico Madrid ist dem Coup in Spanien zuletzt nahegerückt; nur zwei Spiele trennen die Madrilenen vom elften Meistertitel der Klubgeschichte, es wäre der erste seit 2014. Auch in Frankreich deutet sich eine Überraschung an: Lille liegt vor dem Spiel gegen St. Etienne am Sonntag (21 Uhr) drei Punkte vor Paris Saint-Germain, das es zeitgleich mit Stade Reims zu tun bekommt.

Für Atletico gilt es am Sonntag (18.30 Uhr), im Heimspiel gegen Osasuna die vorletzte Hürde zu nehmen. Bei einem Sieg würden die "Matratzenmacher" den Zwei-Punkte-Vorsprung auf Verfolger Real Madrid zumindest wahren, oder bei einem Ausrutscher der ersatzgeschwächten Königlichen bei Athletic Bilbao schon über den Triumph jubeln. Mit vier Punkten Rückstand nur noch Außenseiterchancen hat der Dritte FC Barcelona, der nach zwei Remis in Folge Celta Vigo empfängt. Der sechs Zähler zurückliegende Vierte FC Sevilla hat mit dem Gastspiel beim Siebenten Villarreal von den Spitzenteams die vermeintlich schwierigste Aufgabe.

"Es kann viel passieren"

Atletico war diese Saison punktemäßig schon weit voraus, hat mit einer Schwächephase im Februar aber wieder Spannung ins Titelrennen gebracht. Aktuell läuft es wieder nach Wunsch, drei Partien ist der Tabellenführer unbesiegt, nur beim wichtigen 0:0 bei Barcelona schaute kein Sieg heraus. Am Mittwoch erfüllten die Schützlinge von Diego Simeone die Pflichtaufgabe gegen Real Sociedad mit einem 2:1 und etwas Bauchweh in der Schlussphase. "Wenn ich letzte Woche nervös war, kann man sich gut vorstellen, wie es eine Woche später sein wird", sagte Simeone.

Der Argentinier bezeichnete das Duell mit dem Elften Osasuna als "wichtiges" den Ausgang der Saison betreffend. "Es wird ein hartes Match." Obwohl seine Truppe müde sei, müsse man von Spiel zu Spiel blicken und versuchen, das Maximum herauszuholen. Das gelang gegen Osasuna zuletzt stets, eine Serie von fünf Siegen in Folge gilt es diesmal aber, ohne Mittelfeldspieler Thomas Lemar auszubauen. "Wir haben noch zwei Spiele, da kann viel passieren. Wir haben ein Finale am Mittwoch gewonnen und haben am Sonntag das nächste Finale, das wir auch gewinnen wollen", sagte Atletico-Kapitän Koke.

Der Lokalrivale Real hofft darauf, dass die Rojiblancos noch Nerven zeigen. Selbst hielt man dem Druck, nachziehen zu müssen, stand, feierte bei Granada einen klaren 4:1-Erfolg. "Wir müssen Atleti weiter unter Druck setzen, zeigen, dass wir ihnen dicht auf den Fersen sind und sie keinen Raum für Fehler haben", verlautete Tormann Thibaut Courtois. Gegen den Neunten Bilbao hat Real nach dem 1:2 im Supercup-Halbfinale im Jänner noch eine Rechnung offen. Coach Zinedine Zidane ist nach der Vorstellung am Donnerstag guter Dinge. "Es geht nicht nur um die geschossenen Tore, wir haben es auch in der Defensive gut gemacht. Es war eine komplette Leistung und ein großartiger Sieg", resümierte der Franzose.(art/apa)