Der Name Phillipp Mwene wird wohl nur echten Kennern des österreichischen Fußballs sofort ein Begriff sein. Zumal der 27-jährige Defensivmann von Mainz 05 zuletzt 2016 das Trikot mit dem Bundesadler getragen hat - in der U21-Auswahl. Danach herrschte mit dem ÖFB Funkstille - bis zum 19. Mai 2021. Denn da überraschte Teamchef Franco Foda mit der Nominierung des Deutschland-Legionärs in seinen vorläufigen EM-Kader wohl alle - Mwene inklusive. Denn für gestandene Abwehrspieler, die der gebürtige Mainzer Foda in seiner Amtszeit bereits eingesetzt hat - wie Maximilian Wöber, Gernot Trauner und Reinhold Ranftl - findet die Euro 2020 nur im Fernsehen statt. Im Gegensatz zu Mwene sind die drei Genannten auf Fodas Abrufliste. Allerdings: Dass der frühere Austria-Nachwuchsspieler Mwene tatsächlich ins Teamcamp einrücken und dann in den Flieger nach Bukarest respektive Amsterdam steigen wird, gilt als ziemlich unwahrscheinlich. Denn schon kommende Woche will Foda seinen Kader auf jene 26 Mann, die die Uefa erlaubt, reduzieren - und im Streichungs-Quartett ist Mwene wohl fix nominiert. Endgültiger Nennschluss für die paneuropäischen Spiele (11. Juni bis 11. Juli) ist der 1. Juni.

"Wir wollen ruhig und fokussiert trainieren. Da ist es mir wichtig, dass alle, die da sind, hundertprozentig wissen, dass sie bei der EM dabei sind", sagte Foda am Mittwoch in Bad Tatzmannsdorf, wo am 27. Mai auch die EM-Vorbereitung beginnt. Hintergrund für dieses Vorgehen ist wohl auch die aktuelle Ungewissheit mit Verletzungen in seiner Einsergarnitur. Denn der Deutsche will bis Anfang nächster Woche wissen, ob Marko Arnautovic, Julian Baumgartlinger und Christoph Baumgartner voll einsatzbereit sind. Diesbezüglich zeigte sich der Teamchef optimistisch: "Alle drei befinden sich auf dem Weg der Besserung. Ich gehe davon aus, dass alle Spieler topfit sein werden." Baumgartner laboriert an einer Sprunggelenksverletzung, Baumgartlinger stieg nach seiner im Jänner erlittenen Kreuzbandverletzung erst kürzlich ins Mannschaftstraining ein, und Arnautovic macht derzeit noch eine Muskelblessur im Oberschenkel zu schaffen. Foda betonte, er wolle nur hundertprozentig fitte Kicker mitnehmen. Allerdings: Foda machte auch deutlich, dass es für gewisse Spieler eine Art Sonderstellung gibt - so etwa für Kapitän Baumgartlinger. "Er ist ein absolut verdienter Spieler, wichtig für die Mannschaft und das nähere Umfeld."

Bei den Torhütern setzt der frühere Sturm-Graz-Meistermacher wie zuletzt zum Auftakt der WM-Qualifikation im März auf Alexander Schlager, Pavao Pervan, Heinz Lindner und Daniel Bachmann. Wer bei der Endrunde als Stammgoalie fungieren wird, ist nach wie vor offen. "Bei den Torleuten haben wir noch Zeit. Wir werden kurz vor der EM die Nummer eins bekanntgeben."

"Schneller nach vor spielen"

Sturm-Keeper Jörg Siebenhandl und Salzburgs Cican Stankovic sind keine Kandidaten, beide stehen nur auf der Abrufliste - ebenso wie die zuletzt einberufenen Rapid-Akteure Yusuf Demir und Ercan Kara. Selbiges gilt auch für Kölns Florian Kainz oder Belgien-Legionär Raphael Holzhauser. Mittelfeldmann Peter Zulj (Göztepe Izmir) findet sich nicht einmal dort. Die Mwene-Nominierung begründete Foda mit dessen starken Auftritten im Frühjahr - "er kann auf beiden Seiten spielen, hat sich extrem entwickelt. Ein sehr dynamischer Spieler."

Ähnliches gilt auch für Husein Balic, der im vergangenen November beim Sieg in Luxemburg debütierte. "Er bringt Speed und Tempo mit", sagte Foda über den LASK-Profi. Im Camp soll jedenfalls an den Defiziten des verpatzten WM-Qualifikations-Auftakts gearbeitet werden: "Wir müssen wieder schneller nach vorne spielen, dynamischer und zielstrebiger Richtung gegnerisches Tor kommen", so Foda.


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