Spanien oder England - wer sonst? Auch am Mittwochabend in Danzig (21 Uhr/Puls 4, Dazn) wird ein Klub dieser beiden Fußball-Großmächte den Silberpokal der Europa League stemmen dürfen. Nachdem im Nachfolgebewerb des Uefa-Cups seit 2009 in zehn von elf Saisonen Spanier oder Engländer gewinnen konnten (lediglich der FC Porto störte mit dem Sieg 2011 die iberisch-britische Phalanx), stehen einander nun der FC Villarreal und Manchester United gegenüber. Die roten Teufel mögen gegen das gelbe U-Boot zwar auf dem Papier die Favoriten sein, mit dem Trainerfuchs Unai Emery verfügt die Elf aus Castellón allerdings über den Europa-League-Siegspezialisten schlechthin: Der Titel-Hattrick des 49-Jährigen mit dem FC Sevilla (2014/2015/2016) bedeutet einen Rekord.

Ein Triumph im Endspiel an Polens Ostseeküste - vor 9.500 Zuschauern - wäre für den Klub aus der spanischen Kleinstadt nahe Valencia freilich eine Premiere. Die aktuelle Saison in La Liga beendete Villarreal als Siebenter - mit einem Finalsieg wäre auch die Teilnahme an der kommenden Champions League gesichert (die ManUnited als Vizemeister schon eingefahren hat). Noch nie gewann das "Submarino Amarillo", wie das Team in Anlehnung an den Beatles-Hit "Yellow Submarine" und die traditionell gelben Trikots genannt wird, einen großen Titel. Bisher war in der Königsklasse (2006) und der Europa League (dreimal) spätestens im Halbfinale Endstation; auch in Spanien durfte der Verein noch über keine Trophäe jubeln.

Druck vs. Selbstvertrauen

Auf dem Weg in sein fünftes Europa-League-Finale - 2019 verlor er mit Arsenal gegen Chelsea - eliminierte Emery auch Österreichs Meister Salzburg im Sechzehntelfinale (2:0, 2:1). Im Halbfinale wurde dann Ex-Arbeitgeber Arsenal aus dem Bewerb gekickt. Spätestens seit diesem Coup ist das Selbstvertrauen riesengroß: "Wir respektieren United, aber ich denke, wir sind dazu fähig, diesen Pokal zu gewinnen", betonte Emery. "Wir werden mit der Zuversicht spielen, die wir im gesamten Bewerb gezeigt haben." Villarreal habe sich immer als Anwärter auf den Titel gesehen, meinte der Baske selbstsicher.

Der Druck liegt damit ganz aufseiten der roten Teufel beziehungsweise deren Coach Ole Gunnar Solskjaer, der seit Arbeitsbeginn im Dezember 2018 noch auf die erste Trophäe mit United wartet. Die jetzige Situation sei nicht außergewöhnlich, beteuerte der 48-jährige Norweger, denn "du fühlst bei Manchester United immer Druck, zu gewinnen, Trophäen zu gewinnen". Mit insgesamt fünf Erfolgen in der Champions League (1968, 1999, 2008), im Cup der Cupsieger (1991) und in der Europa League (2017) zählt der Traditionsverein zu den erfolgreichsten Europas.

Wobei der Europa-League-Titel dem eigenen Selbstverständnis nach eher der Trostpreis ist, schließlich würde man sich - wie Stadtrivale City - lieber im Endspiel der Champions League sehen. Dort schied die Mannschaft um Paul Pogba, Spielmacher Bruno Fernandes und Torjäger Edinson Cavani jedoch gegen Paris Saint-Germain und RB Leipzig bereits nach der Gruppenphase aus. Nach dem Umstieg in die Europa League gelang über Hürden aus Spanien (Real Sociedad, Granada) und Italien (Milan, Roma) der Einzug ins Finale.

Solskjaer sieht den Europacup-Titel zudem bestenfalls als Etappenziel - auf Basis der heuer hingelegten Leistungssteigerung in der Premier League will er dort bald an die Spitze: "Der nächste Schritt für das Team ist, Trophäen zu gewinnen und dann hoffentlich den Champion in der Premier League herauszufordern."

Dafür braucht es Tore, Tore, Tore. In den bisher vier Champions-League-Partien zwischen Villarreal und ManUnited gab es deren - null. Das ändert sich hoffentlich am Mittwochabend.(may)