Vielleicht ist es ja auch ganz gut so, wenn im Vorhinein nicht alles weicher gezeichnet wird, als es ist - bis zum ersten EM-Einsatz am 13. Juni gegen Nordmazedonien bleibt immerhin noch genügend Zeit, die Dinge in Ordnung zu bringen. Damit man womöglich Situationen wie bei der Euro 2016 verhindert, als nach der bitteren 0:2-Auftaktniederlage gegen Ungarn die schöngemalte Fassade der Euphorie jäh einstürzte und hernach beim gemeinsamen Essen das Geschirr nur so herumgeflogen sein soll. Von Grüppchenbildung, Feindseligkeiten und Brüchen im Mannschaftsgefüge war plötzlich die Rede in der ÖFB-Auswahl, die zuvor noch als verschworene Einheit, ja als neues Wunderteam, in dem jeder für den anderen einsteht, tituliert worden war.

Wie es aktuell wirklich um die Elf von Franco Foda bestellt ist, wird sich schwerlich zweifelsfrei feststellen lassen, zumal sich die 26 rot-weiß-roten EM-Akteure erst am Donnerstag nach und nach im EM-Teamcamp zu Bad Tatzmannsdorf eingefunden haben und man sich zuletzt Ende März gesehen hatte. Einer, der 2016 mit dabei war und gute Kontakte zur Mannschaft unterhält, ist Marc Janko - womit sein Wort durchaus Gewicht hat. Der 37-jährige Ex-Goalgetter lässt im Interview mit den "NÖN" insofern aufhorchen, als er in recht drastischen Worten atmosphärische Störungen im Nationalteam anspricht. "Ich höre, dass die Stimmung nicht gut sein soll. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das ein enorm wichtiger Punkt bei so einem Turnier ist. Das hat das Potenzial, jederzeit zu explodieren. Ich habe so meine Zweifel, ob das gut geht."

Kein "Spektakel-Fußball"

Dass auch in Fußball-Österreich die Stimmung nicht so toll ist, macht Janko zum einen an der Pandemie fest, zum anderen aber auch am Foda’schen Spielsystem: Demnach hätten die "Leute das Gefühl, dass die Mannschaft mehr zeigen könnte, als sie auf den Rasen bringt". Nachsatz: "Die Leute wollen diesen Spektakel-Fußball, und wir hätten die Spieler dazu. Foda lässt dieses hohe Pressen aber nicht spielen. Er hat einen anderen Zugang. Foda ist ja kein Blinder. Das ist sein Weg, und der ist so zu respektieren. Er hat die Verantwortung und muss dann auch dafür geradestehen."

Aber auch ein aktiver Spieler, der im letzten Moment aus dem Kader aussortierte Stürmer Adrian Grbic, sorgte für Misstöne just zum Startschuss der EM-Vorbereitung. "Ich war überrascht, ganz klar, dass ich rausgestrichen wurde. Momentan ist es noch immer schwer zu begreifen", sagte der 24-jährige Frankreich-Legionär im APA-Gespräch. Dabei galt Gribic im vergangenen Herbst noch als Team-Aufsteiger, wo er sich mit vier Toren in neun Länderspielen auch gut in Szene setzen konnte. Und daher hält er mit seiner Enttäuschung Richtung Foda nicht hinterm Berg: "Ich verstehe, dass man vor allem für eine EM Spieler braucht, die im Rhythmus sind, aber wie ich vorher im Nationalteam dabei war, habe ich auch im Verein nicht so viel gespielt, bin dann zum Team gekommen und habe meine Leistungen gebracht."

Immerhin gab es für Foda am Donnerstag eine uneingeschränkt positive Nachricht: Dank einer Sondergenehmigung der Bundesregierung kann der Flug nach England zum Vorbereitungsmatch am 2. Juni in Middlesbrough planmäßig stattfinden; auch eine Quarantäne ist - trotz Einstufung Großbritanniens als Virusvariantengebiet - nicht nötig. Am 6.Juni erfolgt noch der Abschlusstest in Wien gegen die Slowakei.