Ein Champions-League-Finale dauert 90, vielleicht auch 120 Minuten - und am Ende gewinnen immer die Engländer. In Anlehnung an den berühmten Spruch von Fußball-Ikone Gary Lineker lässt sich diese Weisheit jedenfalls schon vor dem Endspiel der Königsklasse am Samstagabend in Porto (21Uhr/Sky, Dazn) zweifelsfrei feststellen. Denn am Ende jubelt entweder der neue Premier-League-Meister Manchester City oder der diesjährige Premier-League-Vierte Chelsea mit dem Henkelpokal aus Sterling-Silber im Estádio do Dragão. Es ist damit das bereits dritte rein-englische Finalduell in der Geschichte des Meistercups respektive der Champions League, nachdem Chelsea 2008 im Elferschießen Manchester United unterlegen war und vor zwei Jahren Liverpool gegen Tottenham die Trophäe ins Mutterland des Fußballs holte.

Manchester City vs. Chelsea ist aber nicht nur das innerbritische Duell zwischen den Skyblues und den Blues um den europäischen Thron im Klubfußball, sondern auch die Auseinandersetzung der beiden freundschaftlich verbundenen Trainerpersönlichkeiten Josep Guardiola und Thomas Tuchel, die mit ihrer je eigenen Spielphilosophie ans Ziel der Träume kommen wollen. Hier der katalanische Offensivapostel, der die Citizens heuer souverän zum Meistertitel geführt hat und dabei den Fans (im TV) bedingungslosen und rasanten Angriffsfußball geboten hat, der zu 83 Volltreffern geführt hat; dort zwar der im Gegensatz zu Guardiola kaum charismatische, aber im defensivtaktischen Bereich nicht minder geniale Tuchel, der es seit seinem Amtsantritt an der Stamford Bridge im Jänner sage und schreibe 18 Mal geschafft hat, dass hinten die Null steht. Womit allein schon die Auseinandersetzung zwischen Kurzpass-getriebener Offensivkunst mit der auf Umschaltmomente lauernden Defensiv-Organisation ein Leckerbissen für Taktik-Aficionados werden könnte. 2012, beim viel zitierten "Finale dahoam" in München ging dieses Match übrigens zugunsten von Chelsea aus, die sich gegen die klar überlegenen Bayern (unmittelbar vor der Guardiola-Zeit) nach Elferschießen zum ersten und bis dato letzten Mal zum Champion krönen konnte. Für die Citizens wiederum wäre ein Finaltriumph eine Premiere, international steht derzeit "nur" der Gewinn des Cups der Cupsieger anno 1970 in den Vereinsannalen.

Zwei Saisonsiege als Faktor

Allerdings sind die Blues nach dem etwas überraschenden Finaleinzug (nach 2:0-Heimsieg über Rekordsieger Real) in eine kleine Krise gerutscht - so wurde etwa das FA-Cup-Finale gegen Leicester City verloren. Was für Samstagabend aber mehr Gewicht hat: Tuchel gelang es zuletzt gleich zwei Mal, die zuvor als schier unbezwingbar geltende Guardiola-Elf zu schlagen: Nach dem 1:0-Erfolg im FA-Cup-Halbfinale folgte in der Meisterschaft ein 2:1-Auswärtssieg. "Es tut uns natürlich gut, in der letzten Zeit in zwei unterschiedlichen Wettbewerben gegen ManCity gewonnen zu haben. Das gibt uns das nötige Vertrauen", betonte Tuchel, der freilich gut daran tat, die "leichte Außenseiterrolle" seiner Blues zu betonen. Guardiola stellte sich auf ein enges Spiel ein. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir leiden müssen, um das Finale zu gewinnen. Es wird um das Momentum gehen", sagte der 50-jährige Spanier.

Bei all der Gegensätzlichkeit in der Spielanlage gibt es zwischen den beiden Finalisten doch viel Gemeinsames: Während in Manchester Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan aus Abu Dhabi als milliardenschwerer Gönner auftritt, ist es bei den Londonern der Russe Roman Abramowitsch, der die Starkicker (an)tanzen lässt. Ohne diese Geldquellen wären beide Klubs jetzt nicht dort, wo sie eben stehen. Wie die spanische Fachzeitschrift "Marca" vorrechnete, haben Scheich Mansour und Abramowitsch seit der Saison 2003/04, als der wirtschaftlich umtriebige Russe Chelsea erwarb, schon rund vier Milliarden Euro für Spieler ausgegeben. Die Herrscherfamilie aus dem Emirat stieg 2008 bei City ein - seitdem gab es fünf Premier-League-Titel.

So lange die Super-League-Pläne nicht wieder hochkochen, ist dieses hochdiskutable Geschäftsmodell den eigenen Fans scheinbar aber einerlei. Apropos Fans: Die Uefa und die lokalen Behörden haben für 16.500 Zuschauer ihr Okay gegeben, ein Hauch von alter Finalstimmung ist also wieder garantiert. Football-Fans are coming home also.