Bruno Pezzey wird vielleicht nicht mehr jedem aktiven Kicker in Österreichs Nationalmannschaft etwas sagen. Dabei ist er es gewesen, der der rot-weiß-roten Elf von Teamchef Karl Stotz an jenem 13. Juni 1979, also vor ziemlich genau 42 Jahren, zu einem beachtlichen 4:3-Sieg über England verhalf. Zwei Tore steuerte der damalige Eintracht-Frankfurt-Legionär im Praterstadion vor 30.000 Fans bei; aber es sollte der letzte Triumph des ÖFB über die Inselkicker sein. Das nächste (und bis dato einzige) Wiedersehen im November 2007 verlor man knapp 0:1, und auch beim kommenden Test am Mittwochabend (21 Uhr MESZ/ORF1) im englischen Middlesbrough sieht es nicht allzu rosig aus. Schließlich bekommen es die Kicker mit einem nach wie vor harten Gegner zu tun, der als Mitfavorit auf den EM-Titel gilt.

Zuletzt schaffte es Englands Elf bei der WM 2018 immerhin bis in das Semifinale und dürfte seither noch stärker geworden sein. Das liegt nicht bloß an den Team-Leadern Harry Kane und Harry Maguire, sondern auch an hungrigen Wilden wie Mason Mount (22), Jadon Sancho (21), Phil Foden (21) oder Jude Bellingham (17). Dank der Kreativität der jungen Garde ist England aktuell in der Lage, jeden Gegner zu besiegen. Andererseits muss Coach Gareth Southgate aufpassen, die Wankelmütigkeit seiner Rohdiamanten in den Griff zu bekommen und die richtige Mischung aus einer Ansammlung von talentierten Kickern zu finden. "Ich will, dass unsere Jungen die Freiheiten haben, zu spielen. Aber sie haben bisher nicht wirklich etwas fürs Nationalteam geleistet und müssen sich noch beweisen", meinte der 50-Jährige, der seit 2016 als Nationaltrainer werkt und zuletzt vor drei Jahren mit dem Einzug ins WM-Semifinale für Begeisterung gesorgt hat.

Die Qual der Wahl

Das weiß auch Österreichs Teamchef Franco Foda, der seine Elf in Bad Tatzmannsdorf auf die kommenden Testspiele sowie die EM vorbereitet. Dabei möchte er sich nicht in die Karten schauen lassen - vor allem nicht, was die Einserfrage betrifft. Nachdem Heinz Lindner nicht berücksichtigt wurde, kann der Trainer aus drei Anwärtern - Alexander Schlager, Pavao Pervan und Daniel Bachmann - wählen. In den jüngsten Länderspielen stand Schlager im Kasten, konnte aber keine großartige Eigenwerbung betreiben. "Mir wäre lieber gewesen, der letzte Lehrgang wäre positiv verlaufen, aber das war nicht der Fall. Solche Phasen muss man als Profi durchmachen und trotzdem weiter Gas geben", sagte der Salzburger. Für einen Einsatz gegen England und gegen EM-Gegner Nordmazedonien am 13. Juni spricht aber unter anderem die Turniererfahrung - der 25-Jährige war bereits bei vier Nachwuchs-Endrunden dabei und absolvierte dabei elf Einsätze.

Eine Chance rechnen sich aber auch Pervan und Bachmann aus. Für Letzteren hätte eine Premiere in Middlesbrough gegen England nicht bloß sportlich einen besonderen Reiz, schließlich lebt er seit zehn Jahren auf der Insel. "Gegen England debütieren wäre überragend. Meine Frau ist aus England, meine Kinder sind dort geboren", sagte Bachmann. Doch auch Pervan liebäugelt mit einem Einsatz, schließlich durfte er in sechs Länderspielen im Herbst sein Können zeigen. Im Gegensatz zu Schlager und Bachmann fehlt Pervan allerdings noch die Spielpraxis.

Wer aus dem Trio am Mittwoch zum Zug kommt, wird Foda wohl kurzfristig entscheiden. Die österreichischen Fans werden der Bekanntgabe wohl ebenso entgegensehen wie England-Trainer Southgate oder möglicherweise Österreichs Torhüter-Veteran von 1979, Friedl Koncilia. Nur Pezzey kann der Neuauflage des Spiels nicht mehr folgen, er ist 1994 an einem Herzinfarkt gestorben.(rel/apa)