Euphorie hat die Mannschaft keine entfacht. 316 Minuten ist Österreichs Fußball-Nationalteam vor der EM bereits ohne Torerfolg. Gegen eine tief stehende Slowakei (0:0) fiel der ÖFB-Auswahl am Sonntag lange wenig ein. Die klaren Torchancen in der Schlussphase wurden nicht verwertet. Die Teamspieler sind eine Woche vor dem EM-Start gegen Nordmazedonien dennoch zuversichtlich. Sie wurden vom Großteil der 3.000 zugelassenen Fans in Wien auch mit Applaus zum Turnier verabschiedet.

"Wir müssen in gewissen Bereichen nachlegen. Das werden wir tun, und dann bin ich nach wie vor überzeugt, dass wir das erste Spiel gewinnen werden", sagte Youngster Christoph Baumgartner. Viele Spielanteile in der gegnerischen Hälfte hätten bei der Generalprobe wenig Ertrag gebracht. "Wir müssen da mehr auf den Endzweck kommen." Dass die mangelnde Chancenverwertung zum leidigen Dauerthema werden könnte, befürchtet der 21-Jährige nicht. "Mir ist das scheißegal. Wenn wir im ersten Spiel ein paar reinhauen, wird das Thema schnell vom Tisch sein."

Für mehr als die Hälfte aller ÖFB-Treffer in diesem Jahr sorgte Sasa Kalajdzic. Der Stürmer bekam gegen die Slowaken aber wie schon davor gegen Dänemark (0:4) und in England (0:1) wenig brauchbare Bälle in den Strafraum. "Das Ergebnis ist nicht zufriedenstellend", sagte der Stuttgart-Goalgetter. Im Abschluss sei man mitunter etwas unglücklich, aber auch unkonzentriert gewesen. "Wir haben noch ein bisschen was, an dem wir zu arbeiten haben - aber wir haben noch fast eine Woche bis zum Spiel."

Ernst wird es für die Österreicher am kommenden Sonntag (13. Juni) in Bukarest. Nordmazedonien dürfte eine ähnlich defensive Spielanlage wählen wie die Slowaken. "Wir wollten kontrollieren, überlegen sein, Chancen rausspielen", erklärte David Alaba. Gleichzeitig sei es wichtig gewesen, für die EM Kräfte zu sparen. "Dementsprechend haben wir gewechselt." Er selbst machte bereits zur Pause für Konrad Laimer Platz. Ob Alaba auch bei der EM im zentralen Mittelfeld agieren wird, ist offen.

Arnautovic noch glücklos

Gegen die Slowaken hieß sein Nebenmann Florian Grillitsch. "Defensiv war es ganz gut. Wir sind auf einem guten Level", meinte der Niederösterreicher, der wie der eingewechselte Marko Arnautovic die Stange traf. Der China-Legionär wiederum sorgte bei seinem Kurzeinsatz für frischen Wind, zudem hielt der lädierte Oberschenkelmuskel. "Mein Job ist es, nicht einfach auf dem Platz zu stehen, sondern alles zu geben und Tore zu machen", betonte Arnautovic. "Ich bin da, um der Mannschaft zu helfen." Bei seinen vergebenen Chancen sei ein bisschen Pech dabei gewesen. Man brauche bei der Euro mit Daniel Bachmann nicht nur einen starken Torhüter. "Wir brauchen auch einen, der vorne die Tore schießt und ich hoffe, dass ich da helfen kann." Lob gab es für Bachmann allerorten: "Er hat die eine oder andere Sache für uns ausgebügelt. Es freut mich für ihn, dass er das so souverän gemacht hat", meinte etwa auch Laimer. Bachmann selbst blieb bescheiden - auch wenn die Beförderung zu Österreichs Nummer eins für die EM am Vorabend Freude ausgelöst hatte. "Ich bin froh, dass ich der Mannschaft helfen konnte. Es war ein guter letzter Test, um Kleinigkeiten aufzuzeigen", sagte der Watford-Legionär. Die Leistung sei gut gewesen, kein Gegentor zu erhalten für einen Torhüter immer zufriedenstellend. "Ich habe meinen Teil dazu beigetragen."

Den freien Montag verbringt Bachmann bei seinen Eltern, seine Frau und Kinder kann er wegen der Einreisebestimmungen aus Großbritannien im Gegensatz zu vielen Kollegen nicht sehen. "Die Vorfreude auf die Euro überwiegt natürlich." Laimer stand sie ins Gesicht geschrieben: "Wir werden am Dienstag alle mit einem breiten Grinser einrücken." Dann bricht das ÖFB-Team gemeinsam ins EM-Basislager nach Seefeld auf.

Davor durften die Kicker am Montag noch ein letztes Mal vor dem Turnier zu ihren Familien. "Es tut jedem gut, ein bisschen Kraft zu tanken und noch frischer zurückzukommen", meinte Laimer. "Jetzt machen wir den Kopf ein bisschen frei, dann starten wir voll in die nächste Woche rein. Ich freue mich da einfach unmenschlich drauf. Wir können eine sehr geile Euro spielen, wenn wir unsere Qualitäten auf den Platz bringen."

Foda: "Stimmung steigt"

Teamchef Franco Foda sieht die Schwächen seiner Elf (noch) als nicht so dramatisch an: "Ich gehe davon aus, dass die Stimmung Tag für Tag steigen wird." Man werde für das Duell mit Nordmazedonien "auf den Punkt bereit sein, davon bin ich überzeugt".

Wichtig werde sein, sich gegen Nordmazedonien keine defensiven Unzulänglichkeiten wie gegen die Slowaken zu erlauben. "Da wird uns Ähnliches erwarten, auch eine Mannschaft, die tief steht. Deswegen müssen wir im Spiel nach vorne klarer sein und die Restverteidigung muss sicher stehen", erklärte Foda.