Der Blick zurück macht nicht unbedingt Mut. Doch zurückblicken wollen David Alaba, Marko Arnautovic und Co. ohnehin nicht. Damals, vor fünf Jahren, unterlag die hochgehandelte Truppe von Marcel Koller Außenseiter Ungarn schon im EM-Auftaktspiel 0:2, es war der Anfang vom Ende einer Europameisterschaft, bei der vieles hinter der einst so schönen Fassade bröckelte. Es waren kleine Momente, die sich zu einem unschönen Puzzle zusammensetzten, etwa der Stangenschuss Alabas nach wenigen Sekunden gegen die Ungarn, der beinahe die Führung bedeutet und vielleicht einen ganz anderen Turnierverlauf gebracht hätte. Doch "beinahe" und "hätte" zählt nun einmal nichts. Was zählt, ist der Fokus auf die Zukunft, sagt Alaba. "Was passiert wäre, wenn der Ball drinnen gewesen wäre, darüber habe ich nicht wirklich nachgedacht."

Günstig wäre es freilich schon, würden die Bälle diesmal tatsächlich im Netz landen. Schon dem Auftaktspiel gegen Nordmazedonien, in das die Österreicher nach den jüngsten beiden Siegen in den direkten Vergleichen durchaus zuversichtlich gehen können (Sonntag, 18 Uhr), kommt große Bedeutung zu, auch wenn Alaba trotz der beiden anderen - wohl stärker einzuschätzenden - Gegnern Ukraine und Niederlande nicht von einem "Alles-oder-Nichts-Spiel" reden will. "Aber natürlich wäre es wichtig für das Selbstvertrauen und den Rhythmus", sagt der künftige Real-Madrid-Spieler. Wichtig sei es, "das ganze Land mitzuziehen". Ähnlich sieht es Marko Arnautovic, der sich nach seinen muskulären Problemen kürzlich wieder voll fit meldete. "Ich bin bereit", sagt der China-Legionär, der seit Ende 2019 nur ein einziges Länderspiel von Beginn an bestritten, bei seinem Kurzeinsatz gegen die Slowakei aber eine tadellose Vorstellung abgeliefert hat. Über 2016 will er ebenso wenig nachdenken wie darüber, dass die ÖFB-Elf nun schon seit 316 Minuten ohne Torerfolg ist. Arnautovic und der zuletzt im Klub treffsichere Sasa Kalajdzic gehören zu den Hoffnungsträgern, dieses Manko schnellstmöglich zu beseitigen. "Versprechen kann man im Fußball nichts. Man kann nur versprechen, 110 Prozent zu geben", betont Arnautovic.

"Sehr gefährliche Mannschaft"

Dass man die Gegner unterschätzen könnte, wie dies seiner Meinung bei der EM 2016 in Frankreich teilweise passiert sei, schließt er aber aus, auch für EM-Debütant Nordmazedonien hat er nur lobende Worte übrig. "Jeder, der dabei ist, hat es sich verdient und kann sehr gut Fußball spielen. Nordmazedonien ist sehr gefährlich", sagt Arnautovic, der davor warnt, die zwei Siege in der Qualifikation überzubewerten. "Dieses Spiel wird anders. Sie haben großes Selbstvertrauen und sind zum ersten Mal dabei. Die ganze Nation steht hinter ihnen." Das erhofft man sich freilich auch für die eigene Mannschaft. Ein Sieg im Auftaktmatch wäre schon einmal ein nicht unwesentlicher Beitrag zu einem diesmal vielleicht hübscheren Puzzle.(art/apa)