Die Slowakei ist mit einem Überraschungssieg in die Fußball-Europameisterschaft gestartet - und hat damit vorerst auch noch die Tabellenführung in Gruppe E übernommen. Weil Ex-Europameister Spanien sich gegen Schweden mit einem 0:0 begnügen musste, liegt die Elf von Stefan Tarkovic nun voran. Sie bezwang am Montag in St. Petersburg die favorisierten Polen mit 2:1 (1:0).

Die Slowaken gingen in der ersten Hälfte durch ein Eigentor von Goalie Wojciech Szczesny in Führung. Nach zwischenzeitlichem Ausgleich durch Karol Linetty (46.) und Platzverweis für Grzegorz Krychowiak (Gelb-Rot/62.) sorgte Inter-Star Milan Skriniar in der 69. Minute für das Siegestor.

Der Negativlauf der Polen bei Auftaktspielen bei großen Turnieren hält damit weiter an. Beim nunmehr siebenten Versuch seit 2002 gelang zum sechsten Mal kein Sieg. Die Slowaken verteidigten zu Beginn erwartungsgemäß tief, Polen hatte mehr Ballbesitz. Trotzdem waren es die Slowaken, die offensiv für mehr Gefahr sorgten. In der 14. Minute ging ein flacher Schuss von Ondrej Duda ins Außennetz.

Vier Minuten später brachte eine sehenswerte Einzelaktion die Slowakei in Führung. Robert Mak dribbelte sich über die linke Seite in den Strafraum, indem er den Ball durch die Beine von Bartosz Bereszynski spielte, nachdem er zuvor einen weiteren polnischen Gegenspieler verladen hatte. Der anschließende Torschuss ging zunächst an die Stange und von dort über die Schulter von Szczesny ins Netz. Obwohl Mak erheblichen Anteil am Treffer hatte, wurde er offiziell als Eigentor gewertet. Es ist somit das erste Eigentor eines Goalies in der EM-Geschichte.

Später ließen die Polen defensiv weiterhin gute Chancen zu. Juraj Kucka schoss in der 27. Minute von der Strafraumgrenze nur knapp drüber. Zwei Abschlüsse der Weiß-Roten durch Krychowiak (34.) und Piotr Zielinski (35.) gingen über bzw. neben das Tor. Auf der Gegenseite verfehlte Routinier Marek Hamsik kurz darauf ebenso das Ziel (36.).

Gelb-Rot bei Polen

Nach der Pause kamen die Polen wie ausgewechselt aus der Kabine und legten sogleich einen optimalen Start hin. Denn quasi mit der ersten Aktion kombinierten sich Mateusz Klich und Maciej Rybus ins Zentrum, wo Linetty den Ausgleichstreffer erzielte (46.). Wenig später schoss Zielinsky vorbei (49.) und Linetty scheiterte am slowakischen Schlussmann Martin Dubravka (51.).

In der 62. Minute wurde Krychowiak ein unmotiviertes Foul an Jakub Hromada zum Verhängnis. Nachdem er schon in der ersten Hälfte die Gelbe Karte für ein taktisches Foul gesehen hatte, musste er nach Gelb-Rot den Platz verlassen und sorgte damit für den ersten Ausschluss bei diesem Turnier.

Gut 30 Minuten agierten die Polen folglich in Unterzahl. Ein Schuss des Slowaken Lukas Haraslin wurde in der 68. Minute abgefälscht und brachte zwar zunächst nur einen Corner ein, dieser sollte aber entscheidenden Einfluss haben. Denn Inter-Mailand-Star Skriniar kam nach dem Eckball ohne Bedrängnis zu Schuss und verwertete diese Gelegenheit zum 2:1 (69.).

Gegen Ende nahmen die Polen noch einmal Risiko. In der Nachspielzeit fanden sie zwei Riesenchancen auf den Ausgleich vor. Jan Bednarek schoss zunächst knapp am Tor vorbei (91.). In der 94. Minute hielt Tormann Dubravka den Sieg fest.

 

Spaniens Stotterstart

Die Spanier blieben erstmals seit langem zweimal in Folge in einem EM-Spiel ohne Tor. Zuletzt war das in der letzten Partie der Endrunde 1996 (gegen England) und im Auftaktspiel 2000 (gegen Norwegen) der Fall. Ein Mitgrund könnte die durch einen positiven Coronafall von Sergio Busquets beeinträchtigte Vorbereitung gewesen sein. Als Reaktion daraufhin wurde das Team rund um Jordi Alba erst am Freitag gegen das Coronavirus geimpft. Nur drei Tage später blieb dann eine Glanzleistung aus.

Am Samstag wartet neuerlich in Sevilla Polen als Gegner, die Schweden matchen sich schon am Freitag in St. Petersburg mit der Slowakei.

Die Spanier übernahmen mit dem 18-jährigen Barcelona-Riesentalent Pedri im Mittelfeld von Beginn an die Initiative, einen Traumstart verhinderte Schweden-Tormann Robin Olsen mit einer Glanzparade bei einem Olmo-Kopfball (16.). In der 29. Minute schoss Koke drüber, in der 38. Minute setzte Alvaro Morata den Ball nach einem Danielson-Fehler aus elf Metern neben das Tor. Sonst waren die in einem 4-3-3-System angetretenen Spanier trotz 79 Prozent Ballbesitz in der ersten Hälfte und einem Passverhältnis von 467:97 zu langsam im Spiel nach vorne.

 

Matchball per Kopf nicht genützt

Die tiefstehenden Schweden konnten so nur selten vor große Probleme gestellt werden. Und beinahe hätten die Nordländer den Spielverlauf völlig auf den Kopf gestellt. Bei einem Schuss von Alexander Isak war Spaniens Tormann Unai Simon, der den Vorzug gegenüber David de Gea erhalten hatte, schon geschlagen, Marcos Llorente lenkte den Ball aber mit viel Glück für seinen Goalie an die Stange ab (41.). Kurz vor dem Pausenpfiff wurde dann noch auf der anderen Seite Olmo ein zweites Mal gefährlich, wieder war Olsen auf dem Posten.

Nach Wiederbeginn änderte sich wenig an der Charakteristik des Spiels, Chancen blieben Mangelware. Bei einer davon mangelte es Morata bei einem Schuss vom Sechzehner neuerlich an der Effizienz (50.). Elf Minuten später narrte auf der Gegenseite Isak die gesamte spanische Abwehr, seine Hereingabe brachte Marcus Berg nicht im Tor unter (61.). Je länger die Partie dauerte, desto mehr nahm der Druck der Iberer zu, ein Olmo-Schuss wurde gerade noch geblockt (73.). Den Matchball hatte Joker Gerard Moreno auf dem Kopf, wieder war Olsen sensationell zur Stelle (90.).

Die Schweden mauerten das 0:0 über die Zeit und trotzten Spanien damit wie im EM-Qualifikations-Heimspiel 2019 ein Remis ab. Nach drei erfolglosen Anläufen zuvor blieben sie zwar auch diesmal ohne Tor, nahmen aber immerhin Zählbares mit. (apa/red)

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel wurde nach dem Spanien-Schweden-Spiel aktualisiert.