Und schon wieder heißt es für den österreichischen Fußball-Fan, 31 Jahre zurückzublättern: Wurde am Sonntag nach dem EM-Sieg über Nordmazedonien das bis dahin letzte ÖFB-Erfolgsergebnis bei einem Endrundenturnier thematisiert (in Italien 1990), ist es vor dem Duell mit Gruppenfavorit Niederlande der letzte Sieg über Oranje - der auch vor 31 Jahren (3:2) in der WM-Vorbereitung passierte. Seither gab es gegen den Vizeweltmeister von 2010 und WM-Dritten von 2014 aber nichts mehr zu holen - sechs Niederlagen in ebensovielen Spielen.

Womit die Elf von Franco Foda am Donnerstag (21 Uhr) gegen eine veritable Negativserie ankämpft. Zumal auch die Gesamtbilanz gegen die Niederländer mit sechs Siegen und vier Remis bei neun Niederlagen ebenfalls deutlich negativ ausfällt. Und: Im bisher einzigen Duell bei einer EM- oder WM-Endrunde ging das ÖFB-Team um Herbert Prohaska und Hans Krankl gegen die vom Wiener Ernst Happel betreuten Oranje just in Cordoba in der WM-Zwischenrunde mit 1:5 unter - ehe es sieben Tage später ebendort Deutschland mit 3:2 besiegte und mit ins Aus riss. "Hollands von Happel angeordneter Blitzüberfall erwischte die österreichische Abwehr kalt", schrieb die Apa an jenem 14. Juni 1978.

Lang, lang ist’s her.

Von Totaalvoetbal sind die Holländer zwar noch einiges entfernt, aber beim 3:2-Auftakterfolg gegen die Ukraine waren phasenweise Anklänge an die große Zeit der Elftal durchaus erkennbar. So veranstalteten Memphis Depay und Co. gegen die Osteuropäer gleich zu Beginn ein wahres Offensivfeuerwerk, die Statistiker schrieben sieben niederländische Schüsse Richtung gegnerisches Gehäuse in den ersten zehn Minuten an. Womit auch das alte Manko der Oranje beschrieben wäre - die Chancenverwertung. Und natürlich die Defensive: Denn sich eine an sich klare 2:0-Führung binnen fünf Minuten aus der Hand nehmen zu lassen, passt so gar nicht zu den Ansprüchen von Bondscoach Frank de Boer. Zumal dieser, wie Vor-Vor-Gänger Louis van Gaal, nicht auf das orange Heiligtum namens 4-3-3-System setzt, sondern lieber das etwas defensivere 5-3-2-Format bevorzugt. Auch, weil de Boer momentan gar nicht den Spielerfundus wie dereinst hat, um mit totaler Offensivpower zum Erfolg zu kommen. In den Knochen steckt den Fans auch noch die harte Zeit der Turnierabstinenz, die die Holländer sowohl bei der Euro 2016 als auch bei der WM 2018 in die Zuschauerrolle zwang; der Finaleinzug in der Nations League 2019 (Niederlage gegen Portugal) war aber schon ein kräftiges Lebenszeichen, dass hier etwas Neues, Großes entstehen könnte.

Im Konter liegt die Chance

Für die ÖFB-Truppe heißt das jedenfalls, dass am Donnerstag eine gänzlich andere Partie als zum Auftakt gegen Nordmazedonien wartet. Hinzukommt ein Auswärtsmatch in der Amsterdamer Arena vor gut 15.000 Zuschauern. Doch darin sehen die Spieler auch ihre Chancen - Stichwort Konter- und Umschaltspiel: "Ich denke, solche Gegner liegen uns ganz gut, dass wir gut ins Kontern kommen", meinte etwa Martin Hinteregger am Dienstag im ÖFB-Teamcamp in Seefeld. "Dass sie unglaubliche Einzelspieler haben, liegt auf der Hand. Deshalb müssen wir eine geschlossene Mannschaftsleistung abrufen, um ihre starke Offensive zu verteidigen. Vorne haben wir Qualitäten, mit denen wir ihnen sicher wehtun können", erklärte der 28-Jährige.

Ob die ÖFB-Elf wieder mit einer Dreierkette mit David Alaba im Zentrum agieren wird, ist offen. "Die Aufstellung hat viele überrascht, uns auch teilweise, aber es hat in dem Spiel hervorragend funktioniert", so Hinteregger. Mit einem Punktgewinn wären wohl beide Teams fix im Achtelfinale. "Wir können einen Grundstein legen, von Spiel zu Spiel mehr Lockerheit kriegen und vor allem die Österreicher mitnehmen", meinte der Kärntner zuversichtlich.(may)