Es war am 12. Juni 2004, als ein damals 19-jähriges Bürscherl zum ersten Mal in die Maschen eines Netzes bei einer Europameisterschaft traf; am 30. Juni desselben Jahres, als es dieser Bursche zum zweiten Mal tat, und am 4. Juli, als er den Platz, diesmal ohne Torerfolg, in Tränen aufgelöst verließ. Portugal hatte soeben das EM-Finale in der Heimat gegen Griechenland mit 0:1 verloren, ein gewisser Cristiano Ronaldo war untröstlich.

Vielleicht war es ein bisserl viel, das auf den damals noch deutlich schmächtigeren Schultern des jungen Portugiesen, der damals eine Art Blutauffrischung der damals in die Jahre gekommenen goldenen Generation war, lastete; sicher aber ist, dass Ronaldo aus den Erfahrungen von damals gelernt hat. Ein zweiter Platz reicht eben nicht zur Glückseligkeit, schon damals wollte er stets der Beste sein.

Der junge Cristiano Ronaldo bei der Heim-EM 2004 an der Seite Luis Figos. - © afp / Mladen Antonov
Der junge Cristiano Ronaldo bei der Heim-EM 2004 an der Seite Luis Figos. - © afp / Mladen Antonov

Der Rest ist Fußballgeschichte. Am Dienstag hat Ronaldo dieser ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Mehr als 17 Jahre, viele Tränen und Triumphe nach seinem EM-Debüt hat er eine weitere Bestmarke geknackt. Seine beiden Tore - eines davon per Elfmeter - zum 3:0-Auftaktsieg gegen Ungarn in Gruppe F bescherten den Portugiesen nicht nur einen gelungenen Start in die Mission Titelverteidigung, sie bedeuteten auch die EM-Treffer zehn und elf Ronaldos, womit er sich vom bisherigen Ex-aequo-Rekordhalter Michel Platini löste. Dass der legendäre Franzose dabei nur ein Turnier brauchte - 1984, als Les Bleus die EM gewannen -, mag stimmen. Andererseits spricht es für die Konstanz Ronaldos, dass er nun schon zum fünften Mal bei kontinentalen Titelkämpfen zum Einsatz kam. Auch das ein Rekord.

Teamgeist und Arroganz

Dass sich Portugal dabei lange schwertat - geschenkt. Man hat halt einen Ronaldo. Und auch wenn dieser ebenfalls lange den erhofften Zauber vermissen ließ, ist er zur Stelle, wenn man ihn braucht. Nein, Portugal ist nicht nur Ronaldo. Aber halt auch, und das zu einem großen Teil.

Dennoch stellte der Mann aus Funchal auf Madeira, der bei seiner Ankunft auf dem Festland als Jugendlicher in der Nachwuchsakademie von Sporting Lissabon einst ob seines Dialekts verspottet worden war, am Dienstagabend den Erfolg der Mannschaft in den Mittelpunkt. "Das Wichtigste war, dass wir gewonnen haben. Es war ein schwieriges Spiel, aber wir haben drei Tore erzielt, und ich bin der Mannschaft sehr dankbar, dass sie mir geholfen hat, zwei Tore zu schießen. Mit dem Sieg in ein Turnier zu starten, ist gut für das Selbstvertrauen. Nun wollen wir weiter gewinnen."

Einfach wird das nicht. Am Samstag bekommt es die portugiesische Selecao mit Deutschland zu tun, das nach dem 0:1 gegen Weltmeister Frankreich zum Auftakt alle Kräfte mobilisieren muss, um nicht wie bei der WM 2018 schon nach der Gruppenphase heimfahren zu müssen. Doch starke Gegner hat Ronaldo noch nie gescheut. "Ich sehe mich selbst als besten Fußballer der Welt. Wenn du nicht daran glaubst, dass du der Beste bist, wirst du niemals erreichen, wozu du imstande bist", pflegt er zu sagen.

Es sind Aussagen wie diese, die Ronaldo, abseits des Fußballs auch karitativ unterwegs, in der öffentlichen Wahrnehmung oft arrogant wirken lassen, und das vielleicht nicht zu Unrecht. Ihm ist es egal, "wenn Menschen mich hassen. Das spornt mich an", sagt der Juventus-Stürmer dann. Dass mittlerweile, 17 Jahre nach seinem EM-Debüt, nach etlichen Tränen und Titeln mit Manchester United, Real Madrid und Juventus - darunter fünf Champions-League-Siegen -, nicht mehr alles Gold ist, was einst geglänzt hat, er zuletzt in Italien in die Kritik geraten ist, als Juve den Scudetto verpasste, will er bei der EM nicht als Stolperstein sehen. Geht es nach dem mittlerweile 36-Jährigen, ist noch genug Zeit, weiter Geschichte zu schreiben.