Schock für Österreichs Nationalmannschaft vor dem Gruppe-C-Schlagerspiel gegen die Niederlande in Amsterdam. Wegen seines emotionalen Ausrasters beim 3:1-Treffer gegen Nordmazedonien wurde Topstürmer von Marko Arnautovic für ein Spiel gesperrt - und muss daher am Donnerstag (21 Uhr) in der Johan-Cruyff-Arena zusehen. Die Uefa-Disziplinarkommission wertet den Ausbruch des 32-Jährigen als Beleidigung des Gegners, was für den China-Legionär die Mindeststrafe von einem Spiel Sperre nach sich zog.

Die (derben und nicht druckreifen) Worte und Gesten des China-Legionärs hatten sich vor allem gegen seinen Gegenspieler Ezgjan Alioski gerichtet. Obwohl sich Arnautovic nicht nur bei diesem nach dem Match, sondern auch in aller Öffentlichkeit entschuldigt hatte, forderte Nordmazedoniens Verband in einer Anzeige die "härteste Strafe". Europas Fußball-Union setzte daraufhin am Dienstag einen Ethik- und Disziplinar-Inspektor ein, der nun sein Urteil fällte.

Auch wenn manche Medien im Vorfeld gar über eine Zehn-Spiele-Sperre orakelten, die bei eindeutig rassistischen Beleidigungen ausgesprochen werden kann, so ist dieses Urteil keineswegs mild. Denn in anderen aufsehenerregenden Fällen gingen die Gremien wesentlich sanfter mit diversen Sündern vor.

  • Als im Herbst 2019 der türkische Präsident Recep Tayyip Erdodan in Syrien einmarschierte, um dort Krieg gegen die Kurden zu führen, salutierten die Kicker der türkischen Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation ihrem Herrscher. Die europaweite Empörung war gewaltig - doch die Uefa zeigte extreme Milde: 13 Spieler erhielten bloß Verweise, der türkische Verband eine Geldstrafe in Höhe von 50.000 Euro. "Ein Fall für die Portokasse", kritisierte die "Welt". Warum es keine Spielersperren gab? Leicht erklärt - denn die Strafen hätten dann bei der Euro 2020 abgesessen werden müssen, hieß es. Also genau das, was nun bei Arnautovic ganz leicht möglich ist.
  • Auch eine andere politische Provokation während eines Spiels blieb de facto folgenlos - der berühmt-berüchtigte Adler-Jubel von Schweizer Kickern im Spiel gegen Serbien bei der Fußball-WM 2018. Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka und Stephan Lichtsteiner hatten beim Torjubel den doppelköpfigen Adler, der die Flagge Albaniens ziert, geformt. Shaqiri und Xhaka haben kosovarische Wurzeln, Serbien erkennt das Kosovo nach wie vor nicht als eigenständiges Land an, was den viel diskutierten Jubelgesten eine politische Dimension gab. Die Wogen gingen international hoch, doch die Sportrichter zeigten sich nachsichtig - keine Sperre im laufenden Wettbewerb, 10.000 Franken Strafe für Shaqiri und Xhaka, 5000 für Lichtsteiner.
  • Und dann wäre da noch der Fall des Star-Schiedsrichters Björn Kuipers: Der Referee soll laut übereinstimmenden Spieler-Aussagen jüngst im Champions-League-Halbfinale zwischen PSG und Manchester City mehrfach (wie Arnautovic) das F*-Wort im Dialog mit den Akteuren verwendet haben. Klarer Fall von Sperre und Kehren im eigenen Haus also? Mitnichten. Weder äußerte sich die Uefa zu der peinlichen Causa, noch ist irgendeine Untersuchung dazu bekannt (obwohl die Dialoge der Referees ja aufgezeichnet werden). Vielmehr wurde Kuipers ins EM-Aufgebot berufen, wo er am Donnerstag den Gruppe-B-Schlager zwischen Dänemark und Belgien pfeifen darf.

Arnie-Spende für Integration

Arnautovic demonstrierte am Mittwoch noch einmal Reue und kündigte in einer ÖFB-Aussendung an, 25.000 Euro für ein Integrationsprojekt zu spenden. "Gerade weil mir durch meine eigene Geschichte Integration so ein Anliegen ist", meinte der Floridsdorfer, dessen Vater Serbe ist. "Ich möchte vor allem Kindern und Jugendlichen ein gutes Vorbild sein." Teamchef Franco Foda hält an seiner Offensivkraft jedenfalls fest und wird ihn wohl im abschließenden Gruppenspiel gegen die Ukrainer am Montag von Beginn an bringen. "Ich habe Marko als herzensguten Menschen kennengelernt. Er hat sein Fehlverhalten eingestanden und sich öffentlich entschuldigt." Trotz dieser Unruhe erhofft sich der Deutsche gegen die Oranje einen Punkt(e)gewinn, der das Ticket fürs Achtelfinale brächte: "Wir wollen entschlossen auftreten, eine gewisse Kompaktheit an den Tag legen und im Spiel nach vorne mutig auftreten", so Foda.