St. Petersburg. Wer hätte das gedacht? Dass ausgerechnet der Underdog in der Gruppe E, die Slowakei, nach den EM-Auftakt die Tabellenführung übernehmen würde? Einem 2:1 gegen Polen und einem kreativlosen Remis der Favoriten Spanien und Schweden war es zu verdanken, dass Österreichs östlicher Nachbar mit Zuversicht ins zweite Spiel am Freitag gegen die Schweden gehen konnte. Ein Treffen auf Augenhöhe war die Partie zwischen der Nummer 36 und 8 der Welt nur bedingt. Schweden musste sich ehrlich plagen - wurde aber am Ende noch belohnt. Dem Anpfiff durch Schiedsrichter Daniel Siebert aus Berlin folgte zunächst ein vorsichtiges Abtasten, das in zwei Eckbällen und in einem vielversprechenden Freistoß für Schweden (13.) kulminierte, den aber Mikael Lustig - dicht bedrängt - dann doch nur über die Latte köpfelte.

Aber die Schweden waren gekommen, um zu bleiben. Sie investierten mehr und versuchten die Phalanx der mit oft fünf Akteuren auf der Verteidigungslinie stehenden Slowaken mit Flanken und Standardsituationen zu überflügeln (22., 26., 28.). Aber auch von slowakischer Seite kamen Lebenszeichen, etwa durch Juraj Kucka (31.) oder Marek Hamsik (38., 43.), die früh attackierten und, wie ein Ballbesitz von 60 Prozent und deutlich mehr angekommene Pässe bewiesen, nach und nach die Spielkontrolle übernahmen. Der Führungstreffer blieb in Hälfte eins aber aus.

Umso mehr galt es für das Tre-Kronor-Team, nach Wiederanpfiff die Initiative in diesem torschussarmen Match zurückzugewinnen. Der Wille dafür war gewiss da, allein das 1:0 hatten zwei Slowaken am Fuß: Während Ondrej Dudas Weitschuss über das gegnerische Tor ging (50.), scheiterte Kucka per Kopf an Schwedens Torhüter Robin Olsen, der stark reagierte und die Kugel noch über die Latte lenkte. Für die Schweden bedeutete das, dass noch mehr Risiko und das Spiel nach vorne gesucht werden musste. Und tatsächlich: Ludwig Augustinsson setzte sich im Luftzweikampf im Strafraum durch und köpfte auf den Kasten von Goalie Martin Dubravka, der wie sein Gegenüber Olsen gut reagierte und das Leder über den Querbalken lenkte (60.).

Damit war die schwedische Elf endlich wachgerüttelt, und es kam zu mehr Abschlüssen, beispielsweise durch Alexander Isak (71.). Die Entscheidung leitete aber Dubravka ein, als er den von Isak bedienten Quaison im 16er zu Fall brachte. Den resultierenden Elfmeter verwertete Emil Forsberg - 1:0 für Schweden (77.). Nun war bei den Slowaken, die 20 Minuten lang offensiv nicht mehr zu sehen waren, Feuer am Dach. Einige Male tauchten sie vor Olsens Tor auf, ohne aber durchzudringen, dabei blieben die Schweden mit Kontern gefährlich. Eine Ruhmestat war das 1:0 nicht, aber drei Punkte sind drei Punkte.