Österreich Nationalteam hat es - wie vor fünf Jahren in Frankreich - noch in der eigenen Hand, im letzten Vorrundenspiel den EM-Achtelfinal-Einzug zu fixieren. Dies zu schaffen wäre am Montag (18 Uhr) gegen die Ukraine durchaus historisch: An das letzte Mal, dass eine ÖFB-Auswahl bei einem Endrundenturnier die Vorrunde überstand, können sich zwei ganze Fußballer-Generationen schon nicht mehr erinnern. 1982, also vor fast 40 Jahren, bei der WM in Spanien wurde nach Platz zwei hinter der BRD die Zwischenrunde und am Ende WM-Rang acht erreicht. Über den Nichtangriffspakt beim 0:1 gegen die Deutschen zu Lasten von Algerien, besser bekannt als "Schande von Gijon", sei dabei der Mantel des Schweigens ausgebreitet.

Allerdings will es die Konstruktion des aktuellen EM-Turniermodus, dass auch am Montag beiden Teams wohl ein Remis zum Weiterkommen reichen würde. Der Ukraine (als Gruppenzweiter dank der besseren Tordifferenz) auf jeden Fall, Österreich mit vier Zählern und einem ausgeglichenen Torverhältnis als einer der vier besten Gruppendritten mit hoher Wahrscheinlichkeit auch.

Ein Überblick über die verschiedenen Szenarien.

  • Mit einem Sieg über die Osteuropäer und dann sechs Punkten wäre alles entschieden - die ÖFB-Truppe würde den bereits als Gruppensieger feststehenden Oranje in die K.o.-Phase folgen. Als Gruppenzweiter gäbe es die Belohnung eines Achtelfinales in Wembley gegen Italien (oder eventuell doch noch Wales).
  • Bei einem Unentschieden und Platz drei braucht es den Vergleich mit den anderen Gruppen: Es müsste jedenfalls mit dem Teufel zugehen, würde man mit vier Zählern zu den zwei schlechtesten Pool-Dritten zählen. Bei der EM 2016 reichten schon drei Punkte und ein ausgeglichenes Torverhältnis (Portugal) zum Aufstieg; auch bei allen Weltmeisterschaften, die im 24er-Modus ausgetragen wurden (1986, 1990, 1994), reichten ein Sieg und ein Remis zum Aufstieg.
  • Geht das finale Gruppenspiel in Bukarest jedoch verloren, dann droht der Elf von Franco Foda ein Schicksal wie jener von Pepi Hickersberger bei der WM 1990. Mit nur einem Sieg (2:1 über die USA) und einem Torverhältnis von -1 wurde man Fünfter in der Rangliste der Gruppendritten. Bei einer Pleite gegen die Ukrainer stünde im Torverhältnis auch jedenfalls ein Minus. Lediglich 1986 in Mexiko hätte eine solche Ausbeute für das Achtelfinale ausgereicht.

Geht Österreich als Dritter in die Runde der letzten 16, dann wartet ebenfalls ein Gruppensieger: Entweder jener aus der Hammergruppe F (Frankreich, Portugal, Deutschland) oder E (Spanien, Schweden, . . .).

Mängel bei Klasse und Tempo

Noch ist man aber weit davon entfernt, sich darüber Gedanken zu machen. Schließlich offenbarte die verdiente 0:2-Niederlage in Amsterdam die seit Monaten vorhandenen Schwächen in der ÖFB-Auswahl. Obwohl der Europameister von 1988 nach der frühen Führung per Foulelfmeter (Memphis Depay/11.) zwecks Schonung offensiv einen Gang zurückschaltete, blieben die Österreicher in Strafraumnähe viel zu mutlos. Es mangelt weiterhin an individueller Dribbelstärke, Passschärfe und -genauigkeit sowie generell an kreativen Ideen im Offensivspiel. Hinzu kamen Stellungs- und individuelle Fehler hinten - Kapitän und Abwehrchef David Alaba verursachte nicht nur den Penalty, sondern sah auch beim 0:2 (Denzel Dumfries/67.) schlecht aus. Ob Foda nun auch im Gruppenfinale an dieser Abwehrformation festhält, ist mehr als fraglich.

Zu hart wollte Foda mit seinem Team aber nicht ins Gericht gehen: "Man darf nicht vergessen: Wir haben gegen eine Topmannschaft gespielt, die sehr kompakt ist und außergewöhnliche Stürmer hat." Apropos: Der gesperrte Marko Arnautovic soll gegen die Ukrainer erstmals seit November wieder von Beginn im Sturmzentrum agieren und der bisher bei der EM nicht wirklich sattelfesten Abwehr der Gelb-Blauen zusetzen. "Marko wird wieder zurückkehren. Dann haben wir gegen die Ukraine unser Finalspiel - da werden wir da sein", versprach Foda. Ob sie auch da bleiben werden, wird man am Montagabend aber womöglich noch gar nicht wissen.