Bei Italien passt auch der zweite Anzug. Die "Squadra Azzurra" setzte sich mit einer an acht Positionen veränderten Startelf am Sonntag im Stadio Olimpico von Rom gegen Wales mit 1:0 (1:0) durch und gewann die Gruppe A nach dem dritten Sieg mit dem Punktemaximum. Die Waliser stehen aufgrund des besseren Torverhältnisses als die auch bei vier Zählern haltende Schweiz als Gruppenzweiter ebenfalls im Achtelfinale. Matchwinner war Atalanta-Bergamo-Akteur Matteo Pessina (39.).

Die Waliser beendeten die Partie nach einem Ausschluss von Ethan Ampadu (55.) in Unterzahl. Die Italiener stellten mit der 30. Partie ohne Niederlage in Folge den Uralt-Rekord von Vittorio Pozzo als italienischer Teamchef aus den 1930er-Jahren ein. Fortgesetzt wurde auch eine weitere imposante Bilanz. Die jüngsten elf Länderspiele wurden nicht nur gewonnen, sondern auch zu Null, mit einem Torverhältnis von 32:0. Bei der EM hält die Truppe von Coach Roberto Mancini bei 7:0.

Italiens Teamchef ließ nur Goalie Gianluigi Donnarumma, Kapitän Leonardo Bonucci und Jorginho im Vergleich zum 3:0-Sieg gegen die Schweiz im Team. Das und die Tatsache, dass dem Gastgeber bereits ein Remis für den Gruppensieg reichte, sorgte für eine Anfangsphase ohne Highlights auf beiden Seiten. Erst in der 24. Minute kamen die Italiener gefährlich in den Strafraum, wo eine scharfe Belotti-Hereingabe keinen Abnehmer fand. Zwei Minuten später näherte sich Wales das einzige Mal in Hälfte eins einem Torerfolg an, ein Gunter-Kopfball ging daneben.

Mit Fortdauer der ersten 45 Minuten steigerten sich die Italiener und waren dann auch tonangebend. Ampadu klärte für seinen Goalie bei einem Chiesa-Abschluss aus spitzem Winkel (29.) noch. Der Führungstreffer war aber nur kurz aufgeschoben. Ein flacher Freistoß von Comebacker Marco Verratti wurde von Pessina gekonnt ins lange Eck verlängert. Beinahe wäre dem Mittelfeldspieler auf ähnliche Art ein Doppelpack geglückt, diesmal ging der Ball knapp am langen Eck vorbei (42.).

Wales konnte auch nach Wiederbeginn nicht zulegen, Italien hatte daher wenig Mühe, den Sieg über die Zeit zu bringen. Ein höherer Sieg lag mehrmals in der Luft. Bei einem Bernardeschi-Freistoß aus mehr als 20 Metern rettete die Stange (53.). Zwei Minuten später wurde Ampadu nach einem Tritt gegen Bernardeschi zurecht ausgeschlossen. Das spielte den Hausherren noch mehr in die Karten. Wales-Tormann Danny Ward verhinderte im Duell mit Andrea Belotti einen höheren Rückstand (65.).

Beinahe wäre Wales entgegen des Spielverlaufs doch der Ausgleich geglückt, Bale hatte sein Visier bei einem Volleyschuss aus sechs Metern nicht richtig eingestellt (75.). Auf der anderen Seite hielt Ward einen Belotti-Schuss (88.). Italien bekommt es im Achtelfinale am kommenden Samstag, 26. Juni, in London mit dem Zweiten der Gruppe C zu tun, also Österreich oder der Ukraine. Wales misst sich am selben Tag in Amsterdam mit dem Zweiten von Pool B.

Loris Benito and Silvan Widmer vom Schweizer Nationalteam nach dem Match gegen die türkische Nationalmannschaft im Olympia Stadion in Baku, Aserbaidschan. 
- © Apa / Reuters / Valentyn Ogirenko

Loris Benito and Silvan Widmer vom Schweizer Nationalteam nach dem Match gegen die türkische Nationalmannschaft im Olympia Stadion in Baku, Aserbaidschan.

- © Apa / Reuters / Valentyn Ogirenko

Schweiz hofft auf Achtelfinale

Die Schweiz hat ihre Chance auf den Einzug ins Achtelfinale der Fußball-EM aufrecht gehalten. Im "Alles oder nichts"-Spiel gegen die Türkei setzten sich die Eidgenossen am Sonntag mit 3:1 (2:0) durch. Haris Seferovic (6.) mit einem frühen Tor und Xherdan Shaqiri (26., 68.) per Doppelpack trafen in Baku für die in Gruppe A am Ende drittplatzierten Schweizer. Irfan Can Kahveci (62.) gelang für die Türkei nur der zwischenzeitliche Anschlusstreffer.

Die erneut enttäuschenden Türken verabschiedeten sich mit null Punkten und 1:8 Toren aus dem Turnier. Senol Günes steht vor einer ungewissen Zukunft als Teamchef. Bei der Schweiz kann Trainer Vladimir Petkovic wieder hoffen. Seine nun bei vier Zählern haltende Mannschaft verpasste es sogar, ihr Torkonto (nun minus 1) mit Blick auf das Rennen der vier besten Gruppendritten aufzupolieren. Österreich würde am Montag ein Unentschieden gegen die Ukraine reichen, um als Dritter der Gruppe C dann zumindest fix vor der Schweiz zu bleiben.

Beiden in der Heimat schwer kritisierten Mannschaften hatte in Baku vor Anpfiff nur ein Sieg geholfen, um die Chance auf den Sprung in die K.o.-Phase aufrecht zu halten. Die Türkei unternahm einen Blitzstart. Die Günes-Elf attackierte forsch, Yann Sommer im Schweizer Tor musste sich nach einem Schuss von Kaan Ayhan in der 4. Minute lang machen. Die Bemühungen wurden aber jäh unterbrochen. Aus dem ersten Angriff ging die "Nati" in Führung: Seferovic zog aus 17 Metern ab, durch die Beine von Merih Demiral schlug der platzierte Abschluss im Gehäuse ein.

Der türkische Elan war damit verebbt. Die Schweiz, bei der die Haarfarbe von Kapitän Granit Xhaka und Manuel Akanji zuletzt ebenso viel Staub aufwirbelte wie das sportliche Abschneiden, agierte mit Bedacht, ließ den verunsicherten Gegner laufen und schoss rasch das 2:0. Shaqiri fand zentral vor dem Strafraum Platz und traf unter die Latte. Der Offensivmann von Liverpool hatte zwei Minuten später den nächsten Treffer am Fuß. Fast von der Mittellinie zog Shaqiri alleine Richtung Ugurcan Cakir, der türkische Schlussmann rettete sein Team mit einer Fußabwehr.

Ein Aktivposten der Türken war Ex-Rapidler Mert Müldür. Der 22-jährige Linksverteidiger rang Sommer eine Parade ab und hatte zwei Minuten vor der Pause nach einem Sololauf über das halbe Spielfeld noch die beste Möglichkeit der Türken in der ersten Spielhälfte.

Die Vorstellung der Türken war jedoch viel zu fehleranfällig, um die Schweiz in Bedrängnis zu bringen. Cakir verhinderte in der zweiten Halbzeit Schlimmeres. Aus dem Nichts fingen sich Xhaka und Co. sogar noch den Anschlusstreffer ein: Kahveci traf nach einer der wenigen vorgetragenen Aktionen ebenso schön mit links ins Kreuzeck. Für die Schweizer sollte es nur ein kurzes Bangen werden. Shaqiri schloss einen Gegenstoß kraftvoll ab. Xhaka wuchtete einen Freistoß danach noch an die Stange (77.). Müldür scheiterte im Finish nach einem Eckball außerdem erneut an Sommer. (apa)