Am Ende mussten sich die Ukrainer ein wenig vorgekommen sein wie bei "Der Hase und der Igel": Statt der geplanten und allseits erwarteten Schlussoffensive für das rettende Ausgleichstor hieß es allerorten seitens der anscheinend in Überzahl agierenden Österreicher: "Bin schon da!" Den Sturmlauf, wie selbst die deutsche "Bild"-Zeitung anerkennend schrieb, lieferte nämlich einzig und allein die österreichische Nationalmannschaft ab. Weshalb nach dem 1:0-Erfolg von Bukarest und dem verdienten Achtelfinal-Aufstieg daher nicht wie früher von "Dösis" die Rede war, sondern folgender Art getitelt wurde: "Liebe Ösis, willkommen bei den Großen!"

Die Großen, das sind einerseits die 16 besten Nationen, die nun im K.o-System den EM-Titel ausfechten; der "Große" - Gegner nämlich - ist andererseits Italien, auf den die Franco-Foda-Elf am Samstag (21 Uhr) im Londoner Wembley-Stadion im zweiten Achtelfinale trifft. "Chancenlos", hätte es wohl nach dem 0:2 gegen die Niederlande noch geheißen; "Chancen hat man im Fußball immer", lauten nach dem historischen Achtelfinal-Einzug nun die Kommentare. Auch wenn es gegen den viermaligen Weltmeister geht, der seit 30 Spielen ungeschlagen ist, seit 1055 Minuten kein Gegentor erhalten hat und in der Vorrunde in Rom nur so durch die Gruppe A gerauscht ist. Doch nach der Darbietung gegen die hochgehandelten Ukrainer, die als Gruppendritte noch auf den Aufstieg hoffen dürfen, ist Österreich in der Darstellung der Gazetten von einem der schlechtesten EM-Teilnehmer ("inferiore") zu einem gefährlichen Gegner mutiert: "Achtung vor Österreich", heißt es nun unisono.

Und Foda, der sich in der Außenwahrnehmung binnen weniger Stunden vom kritisierten, weil zu vorsichtigen Teamchef zum viel-bejubelten Trainerhelden gewandelt hat, zeigt sich selbstbewusst: "Irgendwann kommt der Tag, wo auch bei Italien etwas nicht funktioniert", meint der Sohn eines Italieners. Nachsatz: "Ich habe schon einen Plan, wie wir gegen sie spielen können." Auch für Goldtorschützen Christoph Baumgartner - per Fußsohle nach Alaba-Corner (21.) - soll die rot-weiß-rote Reise durch Europa noch lange nicht vorbei sein. "Ich glaube, das wird etwas ganz Besonderes. Wir haben jetzt Geschichte geschrieben, aber die Geschichte ist noch nicht vorbei."

Die Brust ist zwar breit, die Müdigkeit allerdings auch gewaltig groß - denn der Sieg gegen die Ukraine war nur über eine enorm aufopfernde Spielweise mit vielen, vielen Wegen möglich. Marko Arnautovic etwa war am Ende stehend K.o.; Laufwunder Konrad Laimer war ebenso platt und musste, auch ausgepowert von der Hitze, vorzeitig vom Platz; Martin Hinteregger plagten schon während der Partie die Adduktoren - ob er in London der Turm in der Schlacht gegen die Azzurri sein kann, war am Dienstag ungewiss. Nach der Rückkehr der EM-Helden ins Team-Camp nach Seefeld war vor allem eines angesagt: regenerieren, regenerieren und noch mal regenerieren.

"Die größte Fußball-Bühne"

Und dabei kann man den Erfolg sacken lassen und sich das Lob des Teamchefs immer und immer wieder anhören: "Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft, wie sie aufgetreten ist. Man hat von der ersten Minute an gespürt, dass wir gewinnen wollen", resümierte Foda. Klar ist, dass man sich gegen die Squadra keine so fahrlässige Chancenverwertung erlauben wird können wie gegen die Ukrainer. "Wir hätten schon in der ersten Hälfte mehr Tore erzielen müssen. Und in der zweiten Hälfte haben wir die Kontersituationen nicht gut zu Ende gespielt." Doch als Kritik wollte Foda dies in der allgemeinen Feierlaune nicht gewertet wissen, viel lieber wiederholte er lobende Worte, die man seit Jahrzehnten nicht mehr von einem österreichischen Teamchef bei einem Endrundenturnier gehört hat. Der Auftritt sei "beeindruckend" und "eine Top-Leistung zum richtigen Zeitpunkt" gewesen. Als Belohnung gibt es Wembley: "Es gibt keine größere Fußball-Bühne als das Wembley-Stadion in London", weiß Team-Goalie und England-Legionär Daniel Bachmann.