Von der Debatte um eine in Regenbogenfarben gehüllte Arena überlagert, peilt Deutschland gegen Ungarn den ersten Pflichtspielsieg seit dem "Wunder von Bern" an. 67 Jahre nach dem Erfolg im WM-Finale gegen die Magyaren ist die Ausgangslage für die Hausherren am Mittwochabend (21 Uhr) in München abgesteckt. Für den sicheren Einzug ins Achtelfinale benötigt Deutschland noch einen Punkt. Ungarn helfen nur drei Zähler weiter.

Seit dem 4:2 gegen Portugal sind die Zweifel an Deutschlands Stärke wieder ad acta gelegt. Die Vorstellung gegen den regierenden Europameister ließ wieder jene Stimmen lauter werden, die in der DFB-Auswahl einen ernsthaften Kandidaten auf den Titelgewinn sehen. Bei einem Sieg gegen Ungarn wäre sogar noch der erste Gruppenplatz vor Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal möglich. Jedoch ist auch ein deutsches K.o. noch nicht gänzlich ausgeschlossen, wenn auch höchst unwahrscheinlich.

Auf Rechenspielchen will man sich im Team des DFB aber ohnehin nicht einlassen, betonte Leon Goretzka, volle Konzentration sei daher angesagt. "Wir haben mit Abstand die schwierigste Gruppe, da zählen auch die Ungarn dazu. Sie haben mit viel Leidenschaft verteidigt. Den Abwehrriegel muss man erst einmal knacken", sagte der Mittelfeldspieler von Bayern München. So wie gegen Cristiano Ronaldo und Co. müsse sein Team arbeiten und "den Gegner unter Druck setzen", meinte indes Bundestrainer Joachim Löw. Nach dem Torefest gegen Portugal werde das Match vielleicht ein wenig zäher, "weil Ungarn tiefer steht, mit acht, neun Leuten verteidigt und auf ein paar einzelne Konter hofft".

Torhüter Manuel Neuer wird die Deutschen mit der symbolträchtigen Regenbogen-Schleife am Arm auf den Platz führen. Die Uefa hatte das Tragen genehmigt. Nicht erlaubt ist indessen "wegen des politischen Kontextes" die von München geplant gewesene Beleuchtung der Allianz-Arena in den Regenbogenfarben, wie die Uefa am Dienstag klarstellte. Die Botschaft hätte auf ein in Ungarn verabschiedetes Gesetz abgezielt, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität einschränkt. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban wird laut übereinstimmenden Medienberichten wohl nicht nach Deutschland kommen.