Die Österreicher sind in Italien gern gesehene Gäste - nicht nur auf dem Hausmeisterstrand, sondern auch auf dem Fußballplatz. Denn gegen die Squadra Azzurra hat die ÖFB-Elf bei allen wichtigen Begegnungen bisher keinen Stich gemacht. Der letzte Sieg gegen Italien - 1960 mit 2:1 in Neapel - ist auch eine Fußball-Ewigkeit her. Doch dem nicht genug, kämpft die rot-weiß-rote Auswahl am Samstag (21 Uhr) in Wembley im zweiten EM-Achtelfinale auch gegen eine zweite, wohl relevantere Serie an: Seit 30 Matches sind die Azzurri bereits ungeschlagen, zuletzt gab es elf Siege en suite mit imposanten 32:0-Toren - womit Goalie Gianluigi Donnarumma und Kollegen schon seit 1.055 Minuten ohne Gegentreffer sind. Würde Österreich gewinnen, würde man in die Fußstapfen von Europameister Portugal treten, der die Elf von Roberto Mancini letztmals am 10. September 2018 in der Nations League mit 1:0 bezwingen konnte.

Den österreichischen Fans sind wohl die vier Begegnungen gegen die Italiener bei WM-Endrunden hängengeblieben. Eine bitterer als die andere, wiewohl es immer knapp war...

  • WM 1998 in Frankreich: Nach zwei 1:1-Remis gegen Kamerun und Chile musste just gegen Gruppenfavorit Italien ein Sieg her. Zwar lieferte die Elf von Herbert Prohaska ihr bestes WM-Spiel ab, die Sensation gegen die wie immer schlitzohrige und effiziente Squadra gelang jedoch nicht. Wieder konnte Andreas Herzog (per Elfmeter) erst in der Nachspielzeit zum 1:2 treffen, nachdem zuvor Christian Vieri und Roberto Baggio die Führung herausgeschossen hatten. Für die Italiener war jedoch im Viertelfinale gegen den späteren Weltmeister Frankreich Schluss.
  • WM 1990 in Italien: Die Truppe von Pepi Hickersberger ging hoffnungsfroh in die Auftaktpartie gegen den Gastgeber, der sich in Rom lange schwertat. Doch dann betrat in der 74. Minute ein gewisser Salvatore "Toto" Schillaci das Spielfeld. Und es kam, wie es kommen musste: Die viel zu vorsichtigen Österreicher wurden nur vier Minuten nach Schillacis Einwechslung bestraft - Gianluca Vialli flankt, Schillaci köpfelt, Torhüter Klaus Lindenberger ist geschlagen. Der Anfang vom Ende für Österreich - nach einer weiteren Niederlage gegen die CSFR reicht ein 2:1-Erfolg über die USA als Gruppendritter nicht zum Aufstieg. Senkrechtstarter Schillaci sollte die Squadra zwar nicht zum Titel schießen (Aus im Semifinale gegen Diego Maradonas Argentinien), sich selbst mit sechs Treffern aber zum WM-Torschützenkönig.
  • WM 1978 in Argentinien: Auch 1978 waren die Italiener maßgeblich für das WM-Aus der Österreicher verantwortlich. In die Zwischenrunde war die in der Vorrunde noch so überragende ÖFB-Auswahl schon denkbar schlecht gestartet - 1:5 gegen den späteren Vizeweltmeister Niederlande. Um die Finalchance zu wahren (Semifinale gab es keines) musste in der zweiten Partie schon ein Sieg über Italien her. Doch Hans Krankl und Co. mühten sich vergeblich - Paolo Rossi besorgte in Buenos Aires sehr früh den 1:0-Siegtreffer. Immerhin folgte drei Tage später zum Turnierabschluss der legendäre 3:2-Sieg über Deutschland in Cordoba. Italien wurde WM-Vierter nach einem 1:2 gegen Brasilien im kleinen Finale, Österreich entfachte als WM-Siebenter eine landesweite Euphorie.
  • WM 1934 in Italien. Auch wenn es bald 90 Jahre her ist - die vielleicht schmerzvollste Pleite gegen Italien passierte im WM-Semifinale am 3. Juni 1934 in Mailand. Und zwar unter höchst dubiosen Umständen. Bei der Endrunde galt Österreich als Favorit, verfügte man doch über ein "Wunderteam" - Matthias Sindelar und Co. stießen ins Semifinale vor, wo Gastgeber Italien wartete. Doch dort wurden die Österreicher vom schwedischen Referee Ivan Eklind schwer benachteiligt - so dürfte etwa Goalie Peter Platzer beim entscheidenden Tor mit dem Ball in den Händen von Giuseppe Meazza gefoult worden sein. Italiens damaliger Diktator Benito Mussolini soll im Vorfeld massiv auf den Referee eingewirkt haben, der dann auch beim Finalsieg der Azzurri seine Pfeife im Spiel hatte. Die "Coppa Del Duce" bekam also zum Nachteil Österreichs den richtigen Weltmeister - mit einem Aufstieg Österreichs wäre also etwas Gerechtigkeit wiederhergestellt.