Der erste Schritt ist getan, mit dem Achtelfinal-Auftritt gegen Tschechien beginnt für die aufstrebenden Niederländer am Sonntag (18 Uhr) in Budapest die EM erst so richtig. Nach drei Siegen in der Vorrunde, darunter dem 2:0 gegen Österreich, ist das Selbstvertrauen groß. Die Rolle des Favoriten nehmen die Niederlande an, unterschätzen wollen sie den Vize-Europameister von 1996 aber nicht.

Der Turnierbaum mit Tschechien im Achtelfinale und Wales oder Dänemark in einem möglichen Viertelfinale meint es gut mit den Niederländern. Erst im Semifinale könnte dann ein Kracher warten - entweder England oder Deutschland. "Natürlich wollen wir ins Finale", sagte Georginio Wijnaldum, mit drei Treffern einer der prägenden niederländischen Figuren bei dieser EM. Vor allem das Zusammenspiel mit Memphis Depay (zwei EM-Tore) sorgt dafür, dass die Oranje-Fans schon von einer Wiederholung des EM-Coups von 1988 träumen. "Die beiden machen es fantastisch", sagte Bondscoach Frank de Boer. Er, der der Post-88er-Spielergeneration angehörte, gelobte, die Tschechen nicht zu unterschätzen. "Wir müssen eine Topleistung abrufen, um ein gutes Resultat zu bringen. Sie haben ihr Können in der Gruppenphase gezeigt, wir werden hart arbeiten müssen", erklärte der 51-Jährige. Wijnaldum drückte es so aus: "Ohne sie herabsetzen zu wollen, weil sie ein gutes Team sind: Das ist nicht schlecht", meinte der 30-Jährige, der im Sommer von Liverpool zu Paris Saint-Germain wechselt, zum Achtelfinal-Los.

Tschechien hat gegen die Niederlande jedenfalls nichts zu verlieren, kaum jemand wäre von einem Vorrunden-Aus überrascht gewesen. Für ein Weiterkommen muss man sich aber nicht zuletzt im Angriff steigern, der nach dem Auftakt-2:0 über Schottland noch beim 1:1 gegen schwache Kroaten lieferte. Beim abschließenden 0:1 gegen England gab es hingegen nur Magerkost. Die Hoffnungen einer ganzen Fußballnation ruhen auf den Schultern von Leverkusen-Legionär Patrik Schick, der alle drei Treffer erzielt hat. "Es wird ein schwieriges Match. Die Niederländer haben immense Qualität, vor allem vorne. Da sind sie wirklich großartig, und wir müssen richtig aufpassen", meinte Hoffenheim-Legionär Pavel Kaderabek. Immerhin kann sich die Bilanz gegen die Niederlande sehen lassen: 5 Siege und 3 Remis stehen in bisher 11 Partien zu Buche, darunter ein spektakuläres 3:2 bei der EM 2004, als man bis ins Halbfinale vorstieß.

Dänen gegen Waliser Favorit

Der Viertelfinalgegner wird bereits tags davor (Samstag, 18 Uhr) ermittelt. Dabei wartet auf Dänemark eine Premiere: Die Mannschaft von Coach Kasper Hjulmand bekommt es in Amsterdam mit Wales zu tun - und tritt damit erstmals in diesem Turnier nicht im heimischen Parken Stadion an. Dennoch bleibt die Fan-Unterstützung für Danish Dynamite groß - etwa 4.000 Anhänger wollen ihr Team begleiten.

Das bedeutet für die Dänen noch immer eine Art Heimspiel-Atmosphäre, denn aus Wales dürfen aufgrund des dort schon weitverbreiteten Delta-Coronavirus keine Fans anreisen.

Egal, wie viele dänische Unterstützer letztlich in der Arena sitzen werden - Dänemark gilt gegen die Waliser als Favorit, auch wenn Hjulmand im Vorfeld von einer "50:50-Partie" sprach. Nach der vom Kollaps von Christian Eriksen überschatteten 0:1-Niederlage gegen Finnland zeigten die Dänen aber gegen Belgien (1:2) und Russland (4:1) ansprechende Leistungen.

Hjulmand erhielt in den vergangenen Tagen viel Lob dafür, die Mannschaft nach dem Eriksen-Schock wieder in die Spur gebracht zu haben. "Seine Qualitäten als Mensch und als Trainer gehen Hand in Hand", sagte Mittelfeldspieler Thomas Delaney. "Er kümmert sich sehr. Er ist voller Emotionen, ist sehr ehrlich, und du kannst immer zu ihm gehen. Er ist ein sehr moderner Trainer. Es ist für uns Spieler wichtig, gerade in diesen Zeiten jemanden wie ihn zu haben, der das Team auf diese Weise führt."

So wie Hjulmand bei den Dänen gilt auch Wales-Teamchef Rob Page als Erfolgsgarant für seine Mannschaft. Der 46-Jährige mit dem markant-tätowierten rechten Arm spricht nicht über Spielsystem oder Gegenpressing, sondern über Stolz, Teamgeist und die mitfiebernde Nation zu Hause vor dem Fernseher. Page erzählt von Kabinenansprachen, die "von Herzen" kommen, berührt zur Betonung mit der Hand das Drachen-Wappen auf seiner Brust. Beim Team um Topstar Gareth Bale kommt diese emotionale Art offenbar an. Die Waliser stehen bei ihrer erst zweiten EM überhaupt schon wieder im Achtelfinale.