Der Traum von Portugals Nationalteam vom zweiten großen Titel ist vorbei. Der Titelverteidiger musste sich am Sonntagabend im Achtelfinalschlager der paneuropäischen Fußball-Europameisterschaft in Sevilla Belgien mit 0:1 geschlagen geben. Thorgan Hazard erzielte kurz vor der Pause (42.) den Siegestreffer für den Weltranglisten-Ersten, der die Führung im Finish mit Glück über die Zeit brachte. Belgien trifft nun im Viertelfinale am Freitag (21.00 Uhr) in München auf Italien.

Die "Squadra Azzurra" hatte sich am Vortag gegen Österreich mit 2:1 nach Verlängerung durchgesetzt.

Die erste Halbzeit im Duell der zwei EM-Mitfavoriten war von großem gegenseitigem Respekt geprägt. Beide Seiten agierten vorsichtig und ohne schnellem Zug zum Tor, die hochkarätigen Offensivspieler kamen so kaum zur Geltung. Gefährlich wurde in der ersten halben Stunde nur zweimal Portugal. Diogo Jota vergab in der 6. Minute die größte Chance, einen Freistoß von EM-Rekordtorschütze Cristiano Ronaldo entschärfte Torhüter Thibaut Courtois (25.).

Ruben Dias, Portugal, bedankt sich bei den Fans.  
- © APA / AFP / Lluis Gene

Ruben Dias, Portugal, bedankt sich bei den Fans. 

- © APA / AFP / Lluis Gene

Mit ihrer ersten echten Chance gingen die Belgier in Führung. Nach einem der wenigen schnellen Vorstöße zog Thorgan Hazard aus rund 20 Metern ab und traf ins lange Eck, Torhüter Rui Patricio machte dabei nicht die beste Figur.

Die zweite Halbzeit begann für die Belgier mit einem Rückschlag. Kevin de Bruyne, der nach einer Gesichtsverletzung gerade noch rechtzeitig für die EM fit geworden war, musste verletzt vom Feld. Der Spielmacher war kurz vor der Pause von Joao Palhinha gefoult worden, lief zwar wieder ein, konnte aber nicht weiterspielen (48.).

Portugal erhöhte nun das Tempo und setzte Belgien unter Druck. Jota (58.) und Joao Felix (61.) kamen gegen die routinierte Abwehr früh zu guten Möglichkeiten. Im Finish drängten die Portugiesen auf den Ausgleich, doch Ruben Diaz scheiterte mit einem wuchtigen Kopfball an Torhüter Courtois (82.), Raphael Guerreiro traf nur die Stange (83.).

So hat Belgiens Startruppe um De Bruyne, Romelu Lukaku und dem im Finish angeschlagen ausgewechselten Eden Hazard weiter die Chance, doch noch zur goldenen Generation zu werden.

Enttäuschung bei Stefan de Vrij vom Team der Niederlande (rechts) Freude bei Tomas Holes (links) vom tschechischen Team. 
- © APA / Reuters / Bernadett Szabo

Enttäuschung bei Stefan de Vrij vom Team der Niederlande (rechts) Freude bei Tomas Holes (links) vom tschechischen Team.

- © APA / Reuters / Bernadett Szabo

2:0 bringt Tschechien ins Viertelfinale

Für die niederländische Fußball-Nationalmannschaft ist im Achtelfinale der paneuropäischen EM überraschend Endstation gewesen. Der Sieger der Österreich-Gruppe C zog am Sonntag in Budapest gegen Tschechien mit 0:2 (0:0) den Kürzeren. Der Dritte von Pool D setzte sich dank Toren von Tomas Holes (68.) und dem vierfachen Turnier-Torschützen Patrik Schick (80.) durch und profitierte auch von einem Ausschluss von Niederlande-Abwehrspieler Matthijs de Ligt wegen Torraubs (55.).

Viertelfinalgegner der ohne den verletzten Kapitän Vladimir Darida angetretenen Tschechen ist am Samstag (18.00 Uhr) in Baku Dänemark. Die Niederländer mussten sich hingegen vorzeitig vom Traum des EM-Coups wie zuletzt 1988 verabschieden - und das nach einer souveränen Gruppenphase mit drei Siegen. Die Tschechen bleiben ein unangenehmer Gegner, gegen sie verloren sie im zwölften Duell bereits zum sechsten Mal. Wie auch bei der EM 2004, wo die Tschechen dann bis ins Halbfinale vorstießen.

Die Niederländer hatten von Beginn an das erwartete spielerische Übergewicht, die Tschechen konnten in der Anfangsphase nur selten für Entlastung sorgen. De Ligt köpfelte eine Flanke im gegnerischen Strafraum vom Tor weg, anstelle ins Netz (8.). Bei einer Dumfries-Hereingabe konnte Tomas Kalas für seinen schlecht aus dem Tor gekommenen Goalie Tomas Vaclik retten (13.). Nach rund 20 Minuten ließ die Offensivpower der "Oranjes" aber etwas nach, auf der anderen Seite fanden Schick und Co. besser in die Partie. Erstmals im Ansatz gefährlich wurden sie bei einem von Maarten Stekelenburg parierten Schick-Schuss (28.). Auf der anderen Seite blockte Ondrej Celustka einen Malen-Abschluss zur Ecke (31.).

Im Finish der ersten Hälfte gab es jeweils noch eine echte Topchance. De Ligt lenkte einen Barak-Schuss gerade noch über das Tor ab (38.). Tschechiens Vaclik konnte sich mit einer Fußabwehr bei einer Dumfries-Hereingabe auszeichnen (39.). Nach Wiederbeginn verabsäumte es Donyell Malen leichtfertig, die Führung zu erzielen. Er lief alleine auf Vaclik zu, ließ sich beim Versuch, ihn zu umkurven, aber den Ball vom Fuß nehmen (52.). Das rächte sich prompt. Im Gegenzug nahm De Ligt im Duell mit Schick die Hand zur Hilfe und wurde nach Videostudium zurecht wegen Torraubs ausgeschlossen.

Die Partie kippte dadurch in die andere Richtung. Dumfries konnte via Fuß gerade noch einen Kaderabek-Schuss blocken (64.). Vier Minuten später jubelte der Außenseiter aber über den Führungstreffer. Nach einem Eckball und einer Kalas-Kopfball-Verlängerung vollendete Holes ebenfalls per Kopf. Der 28-jährige Slavia-Prag-Akteur war dann auch am 2:0 beteiligt, bediente Goalgetter Schick ideal, der keine Mühe hatte, innerhalb des Strafraums zu vollenden. Die De-Boer-Truppe konnte in Unterzahl nicht mehr zusetzen. Damit ist aus der Österreich-Gruppe nur noch die Ukraine im Bewerb vertreten.

Die Tschechen dürfen weiter von einer ähnlichen Überraschung träumen wie 1996, als man das Turnier als Vize-Europameister beendet hatte.(apa)