Schweden hat einen neuen König. Im Fußball zumindest. Während Zlatan Ibrahimovic in den vergangenen Jahren meist alles überstrahlte - sei es auf dem Platz oder mit seiner Exzentrik abseits davon -, sind die Tre-Kronor-Fans derzeit im "Foppa-Fieber". "Foppa" ist die liebevolle Abkürzung von "Forsberg", schon Emils Großvater und Vater, beides ehemalige Fußballer, wurden so genannt. Deshalb ist Emil Forsberg nun eben der "Mini-Foppa". Dabei ist er bei dieser EM - und nicht nur erst da - ziemlich groß. Mit drei Treffern hatte er maßgeblichen Anteil daran, dass die Schweden die Vorrundengruppe vor den Spaniern, denen man schon im ersten Spiel den Nerv zog, ins Achtelfinale aufstieg und es dort am Dienstag (21 Uhr/Glasgow) nun mit der Ukraine, einem Gruppendritten also, zu tun bekommt. Schön ist es dabei nicht immer anzusehen, was die Schweden machen. Doch neben der starken Defensive und dem Kollektiv haben sie eben auch Forsberg, der Tore schießt und Akzente setzt.

"Er macht einfach immer weiter und macht für uns den Unterschied", sagt Teamchef Janne Andersson über den 29-jährigen Leipzig-Stürmer. "Er war immer schon ein guter Fußballer, aber er hat sich auch als Typ verbessert. Es ist großartig, dass er für uns der entscheidende Spieler sein kann."

Langfristig gebunden

Dabei ist Forsberg gar nicht der Typ, der im Mittelpunkt stehen muss, fast könnte man ihn einen Anti-Ibrahimovic nennen. Während der seine Verletzungspause, deretwegen er die EM verpasst, vorwiegend dazu nützt, Fotos seines präferierterweise unbekleideten Oberkörpers zu posten, ist auf den meisten Forsberg-Tweets die Mannschaft im Zentrum.

Auch nach seinen beiden Toren zum 3:2-Sieg über Polen, die letztlich den Gruppensieg für die Skandinavier und den Abschied für Robert Lewandowski und Co. bedeuteten, gab er die Lobeshymnen volley weiter. "Jeder verdient großes Lob. Das ganze Team ist großartig."

Während seine Stellung in der Nationalmannschaft, die er schon bei der WM 2018 in Russland ins Viertelfinale schoss, unbestritten ist, war das beim Verein nicht immer so. Erst wenige Wochen vor dem Turnierbeginn wurde der Vertrag Forsbergs in Leipzig langfristig bis 2025 verlängert; vorangegangen waren nicht immer nur positive Begleitumstände. Als er im Vorjahr unter Trainer Julian Nagelsmann oftmals nur als Reservist vorgesehen war, wurden Spekulationen über ein Zerwürfnis mit dem Coach laut, die seine Ehefrau Shanga, selbst Ex-Fußballerin, auf Instagram noch befeuerte. "Niemand hat das Recht, dich wie Scheiße zu behandeln. Vergiss das nicht", schrieb sie.

Und als die von ihm angestrebte Verlängerung seines zuletzt bis 2022 laufenden Vertrages stockte, mutmaßte er öffentlich darüber, dass man ihn wegen seines Alters wohl nicht länger binden wolle. Tatsächlich sind längerfristige Verträge bei Spielern um die 30 bei den Sachsen selten. Doch man weiß, was man an jenem Mann hat, der seit 2015 beim Klub ist, diesen in die Bundesliga geschossen hat und mit seiner "unaufgeregten Art" längst zum Publikumsliebling avanciert ist, wie es in der Aussendung hieß. Und sollte er mit einem EM-Viertelfinaleinzug oder gar mehr heimkommen und sich sein Marktwert von aktuell 20 Millionen dadurch wohl noch erhöhen, wird man das wohl erst recht noch mehr zu schätzen wissen. Für Forsberg zählt das vorerst alles nicht, im Fokus sind die EM und die Ukraine. Aus dem einzigen bisherigen Aufeinandertreffen hat man schließlich noch etwas gutzumachen: 2012 verlor Schweden in der Gruppenphase nach 1:0-Führung noch 1:2. Forsberg war damals noch nicht dabei.(art)