Ein Klassiker a la England vs. Deutschland oder einst Österreich gegen Ungarn ist die Begegnung nicht gerade - dennoch ist das Duell zwischen Italien und Belgien der große Viertelfinalschlager der Fußball-EM (Freitag, 21 Uhr). Erst vier Mal trafen sich die beiden Nationen bei Endrundenturnieren - und noch nie haben die roten Teufel dabei den Platz als Sieger verlassen. Die beiden Vorrundenmatches der Euro 2000 und der Euro 2016 gingen jeweils mit 2:0 an die Squadra Azzurra - vor fünf Jahren durchaus überraschend. Denn schon damals galt der spätere WM-Dritte und aktuell Weltranglistenerste als großer Titelkandidat, fiel aber just in Frankreich in ein Formtief und musste schon nach dem Viertelfinale die Heimreise antreten. Übrigens so wie Italien. Womit schon jetzt klar ist, dass zumindest einer der beiden ein besseres Ergebnis erzielen wird als 2016 - wiewohl für beide diesmal nur der Titel zählt.

Denn Italien vs. Belgien ist auch das Duell der schier Unbezwingbaren: Belgien hat in den vergangenen drei Jahren seit dem Aus im WM-Halbfinale gegen Frankreich bloß zwei Partien verloren. Und die Statistik der Azzurri kennt seit dem Achtelfinal-Thriller gegen die ÖFB-Elf jeder Österreicher - die neue Rekordmarke der Squadra steht bei 31 Matches ohne Niederlage. (Immerhin konnte Sasa Kalajdzic die mehr als 1.100 Stunden währende Torsperre durchbrechen.) Ob es nun in der Münchner Allianz-Arena ein großes Spiel oder eher ein Fall von Rasenschach wird, wird sich weisen. Eine Favoritenrolle ist jedenfalls nicht auszumachen.


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Italien marschierte bei der EM ebenso wie die Belgier mit drei Siegen durch die Gruppenphase. Beim 2:1 n.V. gegen die Foda-Truppe tat sich die Mannschaft von Roberto Mancini aber erstmals schwer. Belgien warf in der ersten K.o.-Runde Titelverteidiger Portugal aus dem Bewerb, agierte beim schnörkellosen 1:0 im Stil einer abgebrühten Elf, Glanz gab es aber keinen. In Italien sah man darob einer Schnittpartie entgegen. "Italien steht am Scheideweg", meinte 2006-Weltmeister und -Weltfußballer Fabio Cannavaro in der "Gazzetta dello Sport". Italiens Medien sahen dabei das hohe Tempo im Angriffsspiel als großes Plus der Squadra. Auf der Gegenseite steht allerdings eine Mannschaft mit deutlich mehr Erfahrung bei Großturnieren: Eden Hazard, Torhüter Thibaut Courtois, Axel Witsel, Kevin De Bruyne und Romelu Lukaku standen schon bei der WM in Brasilien vor sieben Jahren auf dem Feld. Allerdings: Belgiens Hintermannschaft ist auch nicht mehr die jüngste. Federico Chiesa, Ciro Immobile oder Leonardo Spinazzola könnten daher Mancinis Trümpfe werden, vermutete die "Gazzetta".

Belgien setzt mit Romelu Lukaku aber ein gewaltiges Offensivkaliber dagegen: Der Mittelstürmer der roten Teufel hat Inter Mailand in der Serie A mit seinen 24 Treffern zum Titel geführt. Der Respekt des Gegners ist daher groß. Gleichzeitig kenne man Lukaku natürlich bestens, betonte Rechtsverteidiger Giovanni Di Lorenzo. "Er muss unter Kontrolle gehalten werden. Aber Belgien hat viele starke Spieler", meinte der Napoli-Profi. Verstärkung gibt es wieder in dem Abwehrrecken Giorgio Chiellini. Der erfahrene Kapitän (36) ist nach seinen Muskelproblemen wieder im Training und soll zur Verfügung stehen, um Lukaku zu entschärfen.

Bangen um De Bruyne

Bei Belgien drehte sich beinahe alles um die Fitness von Eden Hazard und De Bruyne. Vor allem der am Knöchel verletzte De Bruyne gilt als Schlüsselspieler. Beide fehlten am Donnerstag noch beim Mannschaftstraining im heimischen Tubize. Die Kreise des Stars von ManCity soll wie im Finale der Champions League - als De Bruyne mit einer Gesichtsverletzung vom Feld musste - wieder Chelseas Jorginho stören.

Der gebürtige Brasilianer gibt im italienischen Spiel den Takt vor, konnte aber von den Österreichern nach der Pause entschärft werden. "Er hat eine überdurchschnittliche fußballerische Intelligenz. Es ist sehr schwer, ihn zu stoppen", sagte Jorginho über De Bruyne. Belgiens Coach Roberto Martinez erwartet jedenfalls einen angriffslustigen Gegner. "Italien wird ab der ersten Minute attackieren, sie spielen sehr dynamisch." Nachsatz: "Es ist eine Aufgabe, auf die wir uns sehr freuen." Das gilt wohl auch für die Zuschauer, die einen EM-Klassiker erhoffen dürfen.(may)