Einmal gewinnt der, einmal der andere; einmal jubeln die Azurblauen, einmal die Feurig-Roten; einmal hält dieses Team den Pokal, einmal jenes: Die Rede ist von zwei den Kontinentalfußball prägenden Nationen Italien und Spanien, die am Dienstag (21 Uhr) in Wembley um den ersten Finalplatz der Euro 2020 spielen. Es ist dies nicht nur die Neuauflage eines wahren EM-Klassikers, sondern das Mittelmeer-Derby bildet auch eine der längsten Rivalitäten im europäischen Fußball ab. Denn abgesehen von WM- und EM-Endrunden duellieren sich die beiden Fußball-Großmächte und mehrfachen Titelträger auch seit Jahrzehnten um die Vorherrschaft im Klubfußball wie jener auf Nachwuchsebene in der U21.

Die Bilanz zwischen den Nationalteams könnte ausgeglichener nicht sein: Sowohl Italien als auch Spanien haben 11 der 37 Duelle bisher gewonnen, im Torverhältnis hat die Squadra mit 43:40 knapp die Nase vorne. Was die Fußball-Europameisterschaft betrifft, ist die Partie ein Dauerbrenner, der schon sechs Mal die Massen elektrisiert hat: Vor fünf Jahren in Frankreich konnten sich die Italiener im Achtelfinale überraschend mit 2:0 durchsetzen und damit gleich doppelt Revanche nehmen - für die 0:4-Finalschlappe von Kiew 2012 (zuvor hatte es in der Gruppenphase ein 1:1 gegeben) und die Viertelfinal-Niederlage 2008 in Wien, als man sich als amtierender Weltmeister dem späteren Europameister mit 2:4 im Elfmeterschießen beugen musste. 20 Jahre zuvor hatten die Italiener wiederum in Deutschland dafür gesorgt, dass die iberischen Titelambitionen rasch begraben werden mussten (1:0); die Nullnummer der EM 1980 blieb indes die emotionslose Ausnahme in der Rivalität beider Nationen.


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Rund ging es dafür bei den drei (eigentlich zwei) Begegnungen auf WM-Ebene: 1994 in den USA behielt die Squadra im Viertelfinale mit 2:1 die Oberhand; und beim ersten WM-Titel Italiens 1934 - unter dubiosen Umständen errungen - musste im Viertelfinale, nach einem 1:1 n. V., ein Wiederholungsspiel her, in dem sich die Italiener dann doch mit 1:0 durchsetzten. Apropos WM: Dass diese 2018 ohne Italien stattfand, war auch ein Verdienst der Furia Roja - in der Qualifikationsgruppe G blieb man dank eines 3:0-Sieges und 1:1-Remis vor den Azzurri, die man damit ins Tal der Tränen stürzte. Und schon ist die Revanche für das jetzige EM-Semifinale terminiert: Am 6.Oktober steigt in Mailand das Semifinale der Uefa-Nations-League - vielleicht mit dem neuen Europameister.

Bis dahin ist es freilich noch ein weiter Weg, wenngleich die Italiener als leichter Favorit auf dem heiligen Rasen zu Wembley einlaufen, schließlich konnten sie als einzige Halbfinal-Elf alle ihre fünf bisherigen Turnierspiele gewinnen. Demgegenüber brauchte der spanische Motor lange, bis er in Fahrt kam - nach zwei matten Remis in den ersten Spielen musste die Mannschaft von Luis Enrique dann im Achtel- und Viertelfinale zudem Überstunden einlegen. Noch dazu plagt Spanien ein altbekanntes Problem: Ein Torjäger, wie man ihn zu Hochzeiten der Seleccion immer hatte, ist weit und breit nicht in Sicht. Zwar schoss die Roja im Verlauf des Turniers zwölf Tore - mehr als zwei gelangen aber keinem Akteur. Und das trotz dieser bemerkenswerten Uefa-Statistik: Bisher haben die Spanier bei der EM 365 Angriffe lanciert - das sind 69 mehr als Italien und 235 mehr als England. Effektiv waren diese aber bei weitem nicht. Klarerweise stärkte Enrique seinen Angreifern Gerard Moreno und Alvaro Morata den Rücken. "Sie sind beide meine Spieler, und ich bewundere sie beide."

"Träumen auf dem Boden"

Ob sich die Spanier just gegen die bisher so gut organisierte Abwehr um Kapitän Giorgio Chiellini durchsetzen können, bleibt abzuwarten. Der Ausfall des stürmenden Außenverteidigers Leonardo Spinazzola (Achillessehnenriss) ist jedenfalls schmerzhaft. Squadra-Coach Roberto Mancini weiß: "Je weiter man kommt, desto schwieriger wird es." Nach dem 2:1 über Mitfavorit Belgien hat die Euphorie beim Österreich-Bezwinger jedenfalls neue Fahrt aufgenommen: "Jetzt wartet Spanien auf uns, eine großartige Mannschaft", meinte Leonardo Bonucci. "Aber wir träumen weiter, mit den Füßen auf dem Boden."