Das Trainerkarrusell spielt in der Serie A seit Jahren verrückt. Wöchentlich werden Trainer willkürlich ausgetauscht. Fälle, wie jener von Gennaro Gattuso, der bei Florenz aufgrund eines Streits nach drei Tagen im Amt wieder kündigte, sind mittlerweile Norm. Eine der wenigen Konstanten ist der 63-jährige Gian Piero Gasperini. Seit 2016 betreut er Atalanta Bergamo und führte die Norditaliener in den vergangenen drei Jahren immer direkt in die Champions League. Dort begeisterte "La Dea" mit fulminanten Leistungen und drang 2020 sogar bis ins Viertelfinale vor. Kein Wunder also, dass einige der besten Spieler der diesjährigen Euro aus Bergamo kommen.

Joakim Maehle

Der dänische Rechtsverteidiger kam im Winter aus Belgien zu Atalanta. Dort schlug er auf Anhieb ein und war sofort gesetzt. Bei zwei Torvorlagen in der Liga war allerdings nicht abzusehen, dass Maehle bei der Europameisterschaft für die ansehnlichsten Offensivaktionen des Turniers sorgen würde. Bereits bei der knappen Niederlage Dänemarks in der Gruppenphase gegen Belgien war Maehle einer der besten Spieler am Platz. Ab dem Russland-Spiel, in dem den Dänen nach dem traumatischen Vorfall rund um Christian Eriksen der Knoten platzte, traf er zum vorentscheidenden 3:1 und besiegelte damit noch den Aufstieg in die K.o.-Phase.

Joakim Maehle prägte Dänemarks Erfolgslauf. 
- © pool / Koen van Weel

Joakim Maehle prägte Dänemarks Erfolgslauf.

- © pool / Koen van Weel

Es war der Auftakt eines wahren Höhenflugs, zu dem Maehle einen großen Teil beitrug. Einem Traumtor beim Kantersieg gegen Wales im Achtelfinale ließ er im Viertelfinale gegen Tschechien die wohl schönste Torvorlage des Turniers folgen.

Ausgerechnet das Halbfinale gegen England vermieste Meahle seine perfekte Bilanz. Sein Foul gegen Raheem Sterling, das für viele keines war, führte zum Elfmeter, mit dem Harry Kane England ins Finale schoss. Trotz eines bitteren Abschlusses wird an Maehle in der Elf des Turniers kein Weg vorbeiführen.

Robin Gosens

Ein weiterer Außenverteidiger mit Offensivdrang, diesmal auf Links. An Robin Gosens lag es bestimmt nicht, dass Deutschland ein enttäuschendes Turnier spielte und schon im Achtelfinale die Heimreise antreten musste.

Robin Gosens war Deutschlands Highlight dieser EM. 
- © pool / Matthias Hangst

Robin Gosens war Deutschlands Highlight dieser EM.

- © pool / Matthias Hangst

Im zweiten Gruppenspiel gegen Portugal war Gosens fast der Alleinunterhalter, beim 4:2-Erfolg hatte er neben einem Tor und einer Vorlage auch bei den anderen beiden Toren seine Füße im Spiel. Fast alle gefährlichen Aktionen der Deutschen kamen über seine Seite. Funktionierte diese einmal nicht, bekam die Mannschaft von Joachim Löw keinen Zugriff aufs Spiel.

Gegen England erwischte Gosens nicht seinen besten Tag, und prompt war man aus der EM draußen. Auch auf Vereinsebene ist er ein absoluter Leistungsträger und verblüfft in Bergamo seit Jahren mit seinem Offensivgeist. Ob Atalanta den in Deutschland wohl gefeiertsten Spieler dieser Europameisterschaft halten wird können, ist höchst fraglich.

 

Matteo Pessina

Nicht ganz so im Rampenlicht stehend, aber gnadenlos effektiv, stellt auch Italien einen Spieler aus dem Sensationsteam des eigenen Landes.

Matteo Pessina steht mit Italien am Sonntag im Endspiel. 
- © pool / Laurence Griffiths

Matteo Pessina steht mit Italien am Sonntag im Endspiel.

- © pool / Laurence Griffiths

Hätte Roberto Mancini im Achtelfinal-Thriller gegen Österreich nicht Matteo Pessina gebracht, stände man jetzt wohl nicht im Finale des Turniers. Der 24-jährige düpierte die österreichische Abwehr und traf zum vorentscheidenden 2:0 (Endstand: 2:1).

Schon im Spiel davor war er gegen Wales der Matchwinner und verhalf den Italienern zu einer makellosen Bilanz in ihrer Gruppe. Pessina bekam bis jetzt zwar noch keine Chance von Beginn an, hat aber gezeigt, dass er als gefährlicher Joker den Unterschied machen kann.

 

Neben den drei Gennanten schafften fünf weitere Spieler Atalantas den Einzug ins Achtelfinale. Damit war man in dieser Kategorie unter den zehn erfolgreichsten Teams. Mit Rafael Tolói steht außerdem ein weiterer Bergamo-Akteur im Endspiel gegen England.

Atalanta Bergamo hat in der als konservativ geltenden Serie A frischen Wind entfacht. Gasperinis Offensivfußball hat dafür gesorgt, dass die heimische Liga in den vergangenen Jahren an Attraktivität dazugewonnen hat. Das gilt auch für das Nationalteam, nachdem sich dieses mit bisher unbekannten Offensiv-Tugenden ins Finale gespielt hat. Die Erfolge der Spieler bei der EM brachten dem Provinzklub auf jeden Fall weitere Sympathie und Aufmerksamkeit ein.