Große Freude bei Rapid. Das Allianz-Stadion war seit Februar 2020 nicht mehr so voll wie im Hinspiel der Qualifikation zur Champions League gegen Sparta Prag. Es blieb zunächst die einzige Freude für Mannschaft und Fans, denn die Hoffnungen auf Ruhm, Reichtum und große Abende via Königsklasse zerstoben in der ersten Hälfte. Genau dafür gibt es freilich zwei Hälften, und in den zweiten 45 Minuten machte Rapid aus einem 0:1 ein sehenswertes 2:1. Noch einmal große Freude im Stadion, wobei zu hoffen ist, dass sich nicht auch das Delta-Virus an diesem Abend freute.

Das Spiel begann ungünstig, nämlich quasi mit dem 1:0 durch Ladislav Krejčí, dem Zweiten. In der Mannschaft des tschechischen Vizemeisters gibt es zwei Spieler mit exakt diesem Namen, die Verwirrung in der Rapid-Abwehr bei dem vorangegangenen Freistoß dürfte freilich andere Ursachen gehabt haben. Krejci, der Zweite, war jedenfalls entsetzlich freistehend und traf per Kopf zur Führung nach drei Minuten.

Christoph Knasmüllner mit dem Zaubertor zum 1:1. 
- © apa / Hans Punz

Christoph Knasmüllner mit dem Zaubertor zum 1:1.

- © apa / Hans Punz

Im Stadion blieb es laut, eineinhalb Jahre müssen nachgeholt werden. Die Leistung Rapids blieb aber auch, und im Gegensatz zur Stimmung was das ein Problem. Denn vorne war Rapid langsam, wenig durchschlagskräftig, aber gerade noch akzeptabel für den Saisonstart, in der Defensive jedoch fehlerhaft bis unkoordiniert. Nur ein starker Richard Strebinger verhinderte die Entscheidung bereits vor der Pause. Auf Seiten der Gastgeber war ein Weitschuss von Neuzugang Robert Ljubicic , einem von drei Neuen in der Start-Elf, die einzige Ausbeute.

Zaubertor von Knasmüllner


Zur Pause tauschte Trainer Didi Kühbauer dann seine gesamte Mannschaft aus. Das heißt, nicht physisch, eher metaphysisch. Denn Rapid war auf einmal in allen Bereichen deutlich besser, und zwar nicht nur im Vergleich zur ersten Hälfe, sondern auch im Vergleich zum bis dahin recht souveränen Sparta Prag. Erst prüfte Ercan Kara mit einem smarten Volley Keeper Florin Nita, ehe Christoph Knasmüllner etwas Besonderes zauberte (63.). Einen guten, intensiven Angriff schloss er mit einem Heber vom Strafraum- ins Kreuzeck ab, wie es sonst meist nur bewegungslos gewordene Alt-Internationale in irgendwelchen Legendenspielen wagen.

Knasmüllner, der in seiner Jugend ob seines Talents zu Bayern München und Inter Mailand kam, dort aber den Sprung in den Profikader nicht schaffte, besorgte auch den zweiten Treffer, ebenfalls elegant nach einer Flanke des interessanten Ljubicic. Knasmüllner ließ den Ball ins lange Eck abtropfen (71.). Das einstige Talent ist mittlerweile 29 Jahre alt, vielleicht wird es nun sein Durchbruch.

Auch danach war Rapid bestimmend, auch wenn Sparta noch zu einigen Szenen kam, vor allem im Konter, was dem Verve der Hütteldorfer geschuldet war, die nicht gerade zurückschalteten. Der Gegentreffer übrigens ist seit dieser Saison im Europacup nur halb so ärgerlich wie sonst, da die Uefa die Auswärtstorregel abgeschafft hat. In acht Tagen folgt bereits das Rückspiel in Prag. (sir)