Die Wiener Austria muss in der Qualifikation zur neu geschaffenen Fußball-Conference-League um den Aufstieg bangen. Die Violetten kamen am Donnerstag zu Hause gegen den isländischen Vertreter Breidablik nicht über ein enttäuschendes 1:1 (1:0) hinaus. Ein Tor von Marco Djuricin (32.) war für einen Heimsieg vor etwas mehr als 6.000 Zuschauern zu wenig. Alexander Sigurdarson gelang kurz nach der Pause der Ausgleich (47.).

Die Elf von Neo-Chefcoach Manfred Schmid benötigt im Rückspiel nächsten Donnerstag (21.00 Uhr MESZ) in Kopavogur bei Reykjavik eine Leistungssteigerung, um nicht bereits bei ihrem Einstieg in der zweiten Qualifikationsrunde auszuscheiden. Da die Auswärtstorregel ab dieser Saison wegfällt, ginge es bei einem Unentschieden im Rückspiel in eine Verlängerung. Ob das den nach der Pause müde wirkenden Wienern entgegenkäme, ist fraglich.

Enttäuschung bei den Austrianern

Breidablik-Trainer Oskar Hrafn Thorvaldsson zeigte sich über den Ausgang der Partie hocherfreut: "Es war ein gutes Spiel, ich bin sehr glücklich mit meiner Mannschaft. Wir waren von der ersten Minute an gut im Spiel, haben Pressing gespielt, das Spiel von hinten heraus aufgebaut. Das ist unser Identität." Austria-Trainer Schmid hingegen haderte mit der Leistung seiner Mannen und zollte den Isländern Tribut: "Man hat deutlich gesehen, dass das keine Mannschaft ist, die sich nur hinten hineinstellt. Die sind technisch und läuferisch stark. Wenn wir da nicht totale Laufbereitschaft zeigen und in die Zweikämpfe gehen, wie es sich gehört, dann bekommen wir Probleme - und so war es dann auch. Es war sicher keine gute Leistung."

Torschütze Djuricin zeigte sich enttäuscht: "Ich will nicht zu negativ sein nach dem ersten Spiel, aber das war einfach gar nichts heute. Breidablik war einfach stärker, wir haben es wirklich schwach gespielt." Ihn störte vor allem, dass er erneut in der 60. Minute ausgewechselt worden war, obwohl er wie schon in seinem ersten Spiel für die Austria ein Tor geschossen hatte. "Das passt mir natürlich auch nicht. Ich habe nicht gut gespielt, die Mannschaft auch nicht, aber ich bin immer für ein Tor gut. Das ist für mich nicht in Ordnung." Mit Blick auf den Bundesliga-Auftakt am Sonntag auswärts gegen die SV Ried meinte der Neuzugang vom Karlsruher SC: "Ich hoffe, dass wir am Sonntag ein anderes Gesicht zeigen, sonst werden wir uns sehr wundern."

Sollte der Austria dann nächsten Donnerstag im Rückspiel der Aufstieg in die dritte Qualifikationsrunde der Conference-League gelingen, wäre wohl in der nächsten Runde Aberdeen der Gegner. Der Vorjahresvierte der schottischen Liga hat nämlich das Hinspiel daheim gegen den schwedischen BK Häcken mit 5:1 für sich entschieden und damit die weitaus bessere Ausgangsposition für das Rückspiel in Göteborg am 29. Juli.

Zweites Spiel, zweites Tor für die Austria - umso weniger verstand Marco Djuricin seine erneute Auswechslung in der 60. Minute.  
- © apa / Hans Punz

Zweites Spiel, zweites Tor für die Austria - umso weniger verstand Marco Djuricin seine erneute Auswechslung in der 60. Minute. 

- © apa / Hans Punz

Rückkehr der Fans auf die Ränge

Die Austria hatte vor der Partie die Rückkehr der Fans auf die Ränge ebenso herbeigesehnt wie das internationale Comeback. Schmid hatte Breidablik als Gradmesser für die aktuelle Verfassung seiner Mannschaft bezeichnet. Diese begann wie erwartet mit den Neuzugängen Manfred Fischer und Marvin Martins. Der Rechtsverteidiger aus Luxemburg spürte schon nach wenigen Sekunden die isländische Härte. Insgesamt begannen die im Liga-Betrieb stehenden Gäste alles andere als abwartend. Die Austria offenbarte in der neu zusammengestellten Defensive Abstimmungsprobleme.

Ein solches hätte Breidablik schon nach fünf Minuten fast genutzt. Nach einem Eckball kam Verteidiger Damir Muminovic aus zehn Metern zum Abschluss, Patrick Pentz parierte mit der Hand. Eine weitere Schrecksekunde erlebten die violetten Fans nach einer knappen Viertelstunde. Johannes Handl klärte den Ball schlecht, Gisli Eyjolfsson fiel dann im Strafraum über den ausgestreckten Fuß des Verteidigers. Schiedsrichter Kari Hövdanum von den Färöer winkte jedoch sofort ab.

Kein souveräner Auftritt

Als Aktivposten im Austria-Spiel präsentierte sich Fischer. Der von Altach gekommene Mittelfeldmann versuchte sich zunächst aus der Distanz und rang Breidabliks Torhüter Anton Ari Einarsson per Kopf eine erste Parade ab (17.). Einarsson sollte in Folge vermehrt im Blickpunkt stehen. Der Schlussmann verwehrte Christian Schoissengeyr nach einem Freistoß und der darauffolgenden Ecke binnen einer Minute zweimal einen Treffer.

In der 32. Minute war Einarsson schließlich geschlagen. Nach einem Vorstoß von Fischer fand Dominik Fitz Mittelstürmer Djuricin, der den Ball volley ins Netz bugsierte. Für den 28-Jährigen mag es ein wenig Genugtuung gewesen sein: Djuricin stand er schon 2013 für Sturm Graz am Feld, als die Steirer an Breidablik in der Europa-League-Qualifikation scheiterten. Der Angreifer hätte beinahe noch nachgelegt, Einarsson war erneut mit den Fingerspitzen zur Stelle (35.).

Souverän war die Vorstellung der Austria dennoch nicht. Pentz musste kurz vor der Pause noch einmal abtauchen. Nur 64 Sekunden nach Wiederanpfiff war aber auch er geschlagen. Vesel Demaku unterlief ein Fehler, erneut stand die Abwehr schlecht - Sigurdarson kam nach einem Doppelpass frei zum Abschluss. Breidablik nahm nun das Heft in die Hand, der Austria gelang wenig. Die müde wirkenden Favoritner rangen um Linie im Spiel, während die Isländer mitunter ein Pressing aufzogen.

Schmid reagierte nach einer Stunde mit einem Dreifachtausch. Für Djuricin, Fitz und Teigl kamen Alexander Grünwald, Benedikt Pichler und Aleksandar Jukic. Die Wirkung blieb überschaubar. Grünwald fand noch die beste Chance der Wiener in der zweiten Halbzeit vor. Sein Kopfball (77.) ging aber am Tor vorbei. Vesel Demaku schoss im Finish noch deutlich über das Gehäuse (83.), Austrias dezenter Sturmlauf im Finish brachte nichts mehr ein. (apa)