Beide Wiener Traditionsklubs haben den Start in die neue Fußball-Bundesliga-Saison gehörig verpatzt. Vizemeister Rapid kassierte am Samstag in der Auftaktrunde im Allianz Stadion gegen den TSV Hartberg vor 12.200 Zuschauern eine 0:2-Niederlage. Die Wiener Austria musste sich in Ried vor 4.680 Fans 1:2 geschlagen geben. Aufsteiger Austria Klagenfurt und der WAC haben sich am Sonntag im ersten Kärntner Derby in der Fußball-Bundesliga seit der Saison 1984/85 mit einem 1:1-Unentschieden getrennt. Auch das Duell WSG Tirol versus Admira endete 1:1. Der LASK hingegen gewann in Altach 1:0, Serienmeister Salzburg hatte bereits am Freitag Sturm Graz 3:1 besiegt und ist damit von Beginn an Tabellenführer.

Für Rapid und die Austria bedeuteten die Niederlagen missglückte Generalproben vor dem Rückspielen in der Champions-League-Qualifikation beziehungsweise in der Conference-League. Während Rapid am Mittwoch bei Sparta Prag immerhin einen 2:1-Sieg aus dem Hinspiel im Gepäck hat, muss die Austria auswärts gegen den isländischen Breidablik auf einem nicht eben souveränen 1:1-Remis aufbauen.

Austria-Tormann Patrick Penz ist geschlagen. Daniel Offenbacher erzielt das 2:0 für Ried.  
- © apa / expa / Roland Hackl

Austria-Tormann Patrick Penz ist geschlagen. Daniel Offenbacher erzielt das 2:0 für Ried. 

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Austria-Ried: Zweite Hälfte war spannender

 

Dem verpatzten Europacup-Auftakt folgte für die Veilchen nun auch ein Fehlstart in der heimischen Bundesliga. Neo-Trainer Manfred Schmid schenkte im Gegensatz zum Auftritt im Hinspiel der zweiten Conference-League-Qualifikationsrunde am Donnerstag drei Sommer-Zugängen von Beginn an das Vertrauen. Neben Rechtsverteidiger Marvin Martins und Offensivspieler Manfred Fischer startete diesmal auch Innenverteidiger Lukas Mühl. Im Ried-Dress waren gleich vier Neue zu sehen - Tin Plavotic, Felix Seiwald, Leo Mikic und Seifedin Chabbi.

Die Wiener waren bemüht, das Spiel in der Josko Arena zu gestalten, kamen aber vorne nicht wirklich durch. Auch die Innviertler konnten kaum für Gefahr sorgen, beide Teams neutralisieren sich größtenteils. So dauerte es bis zur 30. Minute, ehe erstmals ein Treffer in der Luft lag. Nach einem Offenbacher-Freistoß kam Chabbi im Strafraum zum Kopfball, Austria-Tormann Patrick Pentz war auf dem Posten. Chabbi erlitt in der Folge bei einem Zweikampf ein Cut, konnte mit einem Turban aber weiterspielen. Die Gäste hatten in der ersten Hälfte nur eine Halbchance, so fand eine Suttner-Hereingabe keinen Abnehmer (45.).

Nach Wiederbeginn wurde den Fans deutlich mehr geboten, schon nach etwas mehr als 30 Sekunden kam der zur Pause eingewechselte Rieder Philipp Pomer aus 13 Metern zum Abschluss, verfehlte das Gehäuse jedoch knapp. Auf der anderen Seite probierte es Martins mit einem Linksschuss (55.). Quasi im Gegenzug landete der Ball nach schöner Aktion im Tor. Via Kopf von Chabbi und Direktweiterleitung von Stefan Nutz wurde Bajic eingesetzt, der Pentz überlupfte. Die Rettungsaktion von Christian Schoissengeyr auf der Linie blieb erfolglos. Für Bajic war es das nächste Highlight in einer Woche, in der er seinen Vertrag bis 2024 verlängerte.

Danach wollten die Hausherren den Sack zumachen. Chabbi (61.) verpasste noch das 2:0, das Offenbacher dann gelang. Der Ex-Litauen-Legionär versenkte einen über die Mauer getretenen Freistoß aus rund 25 Metern im Kreuzeck. Dass der Rückstand nicht noch höher wurde, hatten die Wiener Georg Teigl zu verdanken, der vor dem einschussbereiten Pomer rettete (70.). Quasi aus dem Nichts heraus, machten die Gäste die Partie aber wieder spannend. Nach Suttner-Flanke stach Pichler als "Joker", traf sehenswert via Flugkopfball.

Suttner selbst hatte in der 87. Minute den Ausgleich auf dem Fuß, dessen Volley konnte der überraschte Sahin-Radlinger glücklich mit dem Knie abwehren (87.). Auch die Schlussoffensive der Schmid-Truppe überstand Ried mit etwas Glück. Die Austria reist damit mit dem nächsten Dämpfer im Gepäck zum Auswärts-Duell mit Breidablik am Donnerstag nach Island.

Ried-Trainer Andreas Heraf zollte vor allem der Laufbereitschaft seiner Mannschaft Respekt. Und er hatte auch kein Problem mit der teils mangelnden Offensivkraft: "Ballbesitz ist mir egal, wenn das Resultat stimmt. Im Fußball kommt es darauf an gut zu verteidigen und gut anzugreifen. Ich fühle mich wohl, wenn wir führen und Beton anrühren, das kennen wir schon von den letzten Spielen, da hat das immer funktioniert, deshalb wird das auch in unserem Repertoire bleiben." Sein Gegenüber zeigte sich natürlich enttäuscht vom Ergebnis: "Wir haben versucht, das Spiel zu verlagern, aber es ist uns leider nicht gelungen. Uns war klar, dass Ried gut organisiert ist und sehr gut verteidigt", stellte Austria-Trainer Manfred Schmid fest. "Es ist nicht mein erstes Jahr bei der Austria, der Druck ist immer da."

Szenen wie früher im Rapid-Stadion. 
- © apa / Hans Punz

Szenen wie früher im Rapid-Stadion.

- © apa / Hans Punz

Rapid fand nie in die Partie

Beim Auswärtssieg der Hartberger gegen Rapid avancierte Dario Tadic mit einem Doppelpack (41., 67./Elfmeter) zum Matchwinner für die Steirer. Kurt Russ durfte sich damit in seiner ersten Meisterschaftspartie als Hartberg-Trainer über einen Sieg freuen. Mit im Dress des TSV jubelte auch Mario Sonnleitner, der vor der Partie noch von seinem ehemaligen Arbeitgeber verabschiedet worden war und dann eine fast fehlerlose Partie ablieferte. Nach zwei Siegen in der vergangenen Saison kassierten die Wiener wieder einmal gegen die Steirer eine Niederlage.

Die Wiener konnten an die Leistung der zweiten Halbzeit gegen Prag nicht anschließen, fanden nicht wirklich in die Partie. Schon in der dritten Minute wurde es erstmals brenzlich, musste Goalie Richard Strebinger bei einem Sturm-Kopfball früh hellwach sein. Nicht besser machte die Sache, dass Srdjan Grahovac nach einem Zusammenstoß mit Tobias Kainz in der 22. Minute mit Verdacht auf Nasenbeinbruch verletzt ausgetauscht werden musste. Ersetzt wurde er durch Lion Schuster.

Am Spiel der Wiener änderte sich vorerst wenig, viele Fehlpässe standen auf der Tagesordnung, nennenswerte Aktionen aus dem Spiel heraus gab es kaum. Wenn es gefährlich wurde, dann nach Standardsituationen. Nach einem Schick-Eckball kam Ercan Kara frei zum Kopfball, setzte diesen aber neben das Tor (39.). Beim TSV passte der Abschluss hingegen. Maximilian Ullmann verlor den Ball an Jürgen Heil und via Marc Andre Schmerböck landete dieser bei Tadic, der im Strafraum souverän vollendete. Rapid versuchte eine Reaktion zu zeigen, eine kurze Drangperiode vor der Pause blieb unbelohnt.

Zur Pause brachte Dietmar Kühbauer Taxiarchis Fountas in die Partie und die Hütteldorfer gaben von Start weg klar das Kommando an. Rene Swete parierte einen Grüll-Freistoß mit der Faust (50.), zudem wurde ein Schuss des Ex-Rieders von David Stec in höchster Not geblockt, nachdem die Wiener zuvor vergeblich wegen eines vermeintlichen Handspiels Elfmeter reklamiert hatten (51.). Doch auch der TSV blieb brandgefährlich, fand im Konter mehr Räume vor. Stümperhaft wurde die Chance auf das 0:2 vergeben. Nach einem Strebinger-Patzer bei einem Schmerböck-Schuss kam der 22-jährige Sturm aus kurzer Distanz zum Abschluss, traf aber zur Überraschung aller nicht ins leere Tor (53.).

Rapid blieb dadurch im Spiel, es fehlte allerdings weiter die Effizienz. Bei einem Kara-Freistoß fehlte nicht viel (56.), Schuster schoss drüber (59.). Auf der anderen Seite konnte Tadic Rapids Strebinger aus etwas spitzem Winkel nicht überwinden (63.). Auf den zweiten Treffer mussten die mitgereisten TSV-Fans aber dann nicht lange warten. Video Assistant Referee Alan Kijas wies Manuel Schüttengruber auf ein Handspiel von Kevin Wimmer im Strafraum hin und dieser entschied nach Studium der TV-Bilder auf Elfmeter. Tadic ließ sich die Chance natürlich entgehen.

"Joker" Kelvin Arase verpasste den Anschlusstreffer mit einem Schuss ins Außennetz (74.), auch die Schlussoffensive brachte nichts mehr ein. Rapid konnte also im Gegensatz zum 2:1 gegen Sparta diesmal keinen Rückstand drehen. Im dritten Pflichtspiel der Saison gab es erstmals keinen Grund zum Jubeln.

Der LASK (links Alexander Schmidt) gewann zum Auftakt souverän gegen Altach. 
- © apa / Dietmar Stiplovsek

Der LASK (links Alexander Schmidt) gewann zum Auftakt souverän gegen Altach.

- © apa / Dietmar Stiplovsek

LASK erfüllte Favoritenrolle mit 1:0-Auswärtssieg in Altach

Der LASK ist erfolgreich in die neue Saison der Fußball-Bundesliga gestartet. Gegen den SCR Altach wurden die Linzer ihrer Favoritenrolle gerecht und gewannen am Samstag auswärts mit 1:0 (1:0). Das Goldtor für die Truppe von Trainer Dominik Thalhammer erzielte Philipp Wiesinger (35.). Die Oberösterreicher reihten sich in der Tabelle damit vorerst an der dritten Stelle ein, punktegleich mit Leader Salzburg und den zweitplatzierten Hartbergern. Altach liegt an Position neun.

Aus taktischer Sicht agierten beide Mannschaften mit einer 3-4-3-Formation. Der zuletzt von einem Kreuzbandriss zurückgekehrte Marko Raguz wurde beim LASK in der 65. Minute eingewechselt. Zuletzt hatte der Mittelstürmer im November 2020 eine Bundesliga-Partie bestritten. Gernot Trauner trat die Reise ins Ländle aufgrund eines bevorstehenden Wechsels zu Feyenoord Rotterdam nicht an.

In einem sehr zweikampfbetonten Spiel kamen die Hausherren zur ersten Topchance. In Minute 17 legte Dominik Reiter nach einem Ball in die Tiefe von Stefan Haudum einen Solosprint hin, schoss den Ball aber links am Tor vorbei. Gute Aktionen waren beim favorisierten LASK trotz mehr Ballbesitz anfangs Mangelware. Und auch personell mussten die Linzer einen Dämpfer hinnehmen: Husein Balic wurde mit einer Oberschenkelverletzung ausgewechselt. Für ihn kam Mamoudou Karamoko ins Spiel (21.).

In der 30. Minute zappelte der Ball dann erstmals im Netz der Vorarlberger. Thomas Goiginger stand vor seinem Abschluss allerdings im Abseits. Der Verdacht des Schiedsrichterassistenten wurde durch den Video Assistant Referee (VAR) bestätigt. Dafür folgte kurz darauf der Führungstreffer des LASK. Wiesinger kam nach einer abgewehrten Einwurf-Hereingabe frei zu Schuss und beförderte den Ball aus etwa 25 Metern Distanz ins Netz. Altach-Keeper Tino Casali dürfte den Schuss wohl erst spät gesehen haben (36.).

Kurz vor der Pause zeichnete sich der Altacher Schlussmann dann aber aus, indem er einen Schuss von Alexander Schmidt aus kurzer Entfernung parierte. Dem war eine gelungene Aktion der Linzer über die linke Seite vorangegangen (44.).

Gleich nach dem Seitenwechsel setzten die Gäste ihre Drangperiode fort. Abschlüsse von Peter Michorl (49.), Karamoko (54.) und Goiginger (67.) verfehlten allerdings ihr Ziel. Die Schlussphase war geprägt von heftigem Regenfall. Kurz nach dem Einsetzen des Starkregens kamen die Altacher in einer Koproduktion zweier eingewechselter Spieler auch zu einer guten Gelegenheit auf den Ausgleich. Eine Hereingabe von Noah Bischof verfehlte Csaba Bukta nur knapp (67.).