Sie nennen ihn eine "Perle" und "einen der talentiertesten jungen Fußballer der Welt". Und dabei ist die Rede nicht etwa von Pedri, dem 18-jährigen spanischen Nationalspieler, der aus dem Barcelona-Ensemble nicht mehr wegzudenken ist und sich auch bei der EM in Szene setzen konnte, sondern von einem gleichaltrigen Österreicher. Seit Yusuf Demir als Rapid-Leihgabe vor wenigen Wochen zum FC Barcelona gewechselt ist, kommt die katalanische Sportpresse kaum mehr aus dem Schwärmen für den jungen Wiener heraus - und fordert teilweise schon einen Platz in der A-Mannschaft.

Wiewohl deren Trainer Ronald Koeman, der Demir zum Trainingslager nach Deutschland mitgenommen und ihn in den Testspielen schon eingesetzt hat, ebenfalls nur in den höchsten Tönen von ihm spricht, dürfte dem Österreicher in der am 15. August beginnenden Ligasaison wieder der Gang in die zweite Reihe bevorstehen - entweder in die B-Mannschaft oder auf die Ersatzbank. Denn auf jener Position, auf der er zuletzt spielte - rechts am Flügel - ist normalerweise niemand Geringerer als ein gewisser Lionel Messi gesetzt, sollte dieser den angeblich vorliegenden neuen Vertrag unterschreiben. In Salzburg aber können sich die Fans am Mittwoch (19 Uhr/ServusTV) wohl neuerlich ein Bild von Demir machen. Da Messi nach dem Titelgewinn mit Argentinien bei der Copa America noch auf Urlaub weilt, ist Demir, zumal auf österreichischem Boden, ein logischer Fixstarter.

Nicht nur deswegen freut man sich in Salzburg auf das Gastspiel der Katalanen, die zum bisher letzten Mal vor 28 Jahren in Österreich spielten. Damals verabschiedeten sie die Austria nach einem 3:0 im Hinspiel mit einem 2:1-Sieg in Wien aus der Champions League - ein Ferserl-Tor von Andi Ogris blieb unbelohnt. Dass Barcelona diesmal, laut Salzburger Angaben zu einem Schnäppchenpreis von "unter einer Million Euro", zum Testen kommt, zeigt auch die Reputation, die Salzburg mittlerweile genießt.

Laporta mit "süßen Träumen"

Der Respekt beim Gegner ist durchaus groß - auch wenn in der Vorbereitungsphase die Ergebnisse nicht die Hauptrollen spielen würden, die Sergio Busquets sagt. "Natürlich wollen wir auch da gewinnen, aber das Wichtigste ist das Arbeitspensum und dass die Spieler in die beste physische Form kommen. Wir hoffen natürlich, dass es gut läuft gegen einen guten und sehr physischen Gegner." Eindruck dürfte dabei auch das 7:1 des heimischen Serienmeisters gegen die SV Ried im ersten Liga-Heimspiel der neuen Saison gemacht haben. Die Salzburger sind damit schon früh in den Rhythmus gekommen, während die Katalanen noch an der Feinabstimmung arbeiten.

Das allerdings ist zuletzt nicht schlecht gelungen. In den Testspielen gegen Tarragona (4:0), Girona (3:1) und Stuttgart (3:0) bejubelte man Siege und jeweils mindestens drei Tore. Eines davon erzielte auch Demir, wofür es Sonderlob von der Presse gab. Immer, wenn er am Ball sei, könne alles passieren, hieß es.

So oder so ähnlich spricht man freilich auch von Messi, dessen Entscheidung über einen Verbleib in Barcelona sehnsüchtig erwartet wird. Angeblich seien sich die beiden Parteien über einen Fünfjahresvertrag einig, allerdings müssen noch finanzielle Dinge abgeklärt werden, damit das Geschäft auch gemäß den Liga-Regularien abläuft. Dafür müsste Barcelona auch Spieler abgeben. Präsident Joan Laporta, der als Zuckerl bei seiner Wahl zum Nachfolger des umstrittenen (und mit Messi im Clinch befindlichen) Josep Maria Bartomeu die Verlängerung mit seinem Starspieler versprochen hatte, ist zuversichtlich. "Wir tun alles, was wir können, und es geht gut voran. Ich habe jede Nacht süße Träume von Messi, und hoffentlich gehen sie weiter."

Nur am Mittwoch wird Lionel Messi eher ein Randthema sein. Da wird - auch - ein junger Österreicher im Rampenlicht stehen.(art)