Ich kaufe mir einen Fußballklub - diese Einstellung ist bei privaten Investoren, aber auch Kapitalgesellschaften nicht allzu neu. Das Phänomen hingegen, dass solche nun vermehrt auch ihre Fühler nach Beteiligungen an ganzen Ligen ausstrecken, ist es schon eher. Aktuell hat die spanische Liga ein Angebot von der luxemburgischen Gesellschaft CVC Capital Partners, bekannt auch als früherer Eigentümer der Formel 1, auf dem Tisch liegen. CVC hat im Vorjahr auch Interesse an der italienischen Serie A angemeldet, die Verhandlungen waren aber am Veto von Großklubs wie Juventus und Inter zunächst gescheitert. Auch in Deutschland hat es bereits Gespräche mit potenziellen neuen Partnern gegeben, die aber ebenfalls vorerst zu keinem Ergebnis geführt haben.

Während die deutsche Liga aber wirtschaftlich relativ stabil ist und es sich dreimal überlegen wird, ihr Geschick in Hände außerhalb des Sports zu legen, könnte das Offert in Spanien durchaus auf Interesse stoßen. Die Vereine sind hochverschuldet, alleine bei Barcelona sollen sich die Verbindlichkeiten auf eine Milliarde Euro angehäuft haben. Um sie vor dem wirtschaftlichen Kollaps zu bewahren, hat die Liga den Finanzgürtel für die Klubs enger geschnürt - was nun, nach offiziellen Angaben zumindest, auch dazu geführt hat, dass die geplante Vertragsverlängerung Barcas mit seinem Aushängeschild Lionel Messi nicht zustandekam.

Die Corona-Krise hat die Situation zwar nicht ausgelöst - der Wunsch nach Erfolg um jeden Preis dürfte eher eine Rolle gespielt haben -, sie hat sie aber weiter verschärft, das geht auch aus dem druckfrischen Annual Review of Football Finance der Wirtschaftsprüfungsagentur Deloitte hervor. Demnach war die Saison 2019/20 die erste seit der Finanzkrise 2008, in der die Umsätze im europäischen Fußball zurückgegangen sind (Österreich hat aufgrund der Europacup-Erfolge indessen ein bemerkenswertes Plus von 10 Millionen auf 266 Millionen Euro verbucht).

Die großen fünf Ligen - Finanzkrösus England, die deutsche, die spanische, die italienische und französische Liga - mussten einen Rückgang von 11 Prozent auf 15,1 Milliarden Euro hinnehmen. Die DFL ist an La Liga vorbeigezogen. Zwar ist es noch immer Jammern auf hohem Niveau, die wirklichen Auswirkungen der Corona-Krise wird man aber erst in den kommenden Jahren sehen. Und die nach wie vor horrenden Spielergehälter wollen weiter bezahlt werden, solange die Klubs nicht bereit sind, ihr spielerisches Tafelsilber zu verscherbeln.

"Die Vereinbarung soll den Wandel in der Welt der Unterhaltung forcieren und das Wachstum der Vereine maximieren."

Stellungnahme der Liga

Die finanzielle Situation hat im Frühjahr auch die Pläne der großen Klubs aus England, Spanien und Italien befeuert, eine europäische Superliga mit garantierten Startplätzen und Einnahmen zu gründen. Sie mögen wenige Tage nach dem Bekanntwerden aufgrund der Drohungen der Uefa und der Politik krachend gescheitert sein - vom Tisch sind sie damit aber noch lange nicht.

Erst vor wenigen Tagen haben die Superliga-Befürworter von Real, Barcelona und Juventus angeführten Superliga-Befürworter vor dem Madrider Handelsgericht einen Erfolg in der zweiten Halbzeit gelandet. Das Gericht hat entschieden, dass die Sanktionsdrohungen der Uefa aufgehoben werden müssen - mehr noch: Die Kläger drohen nun ihrerseits dem Europaverband, dessen "Monopolstellung" einer Prüfung durch den Europäischen Gerichtshof unterziehen zu lassen, wie die Klubs in einer gemeinsamen Stellungnahme mitteilten. Auch wenn frühere ähnliche Bemühungen gescheitert sind: Offener kann man eine Kampfansage kaum formulieren.

In dieser Gemengelage ist der Ausgang der Gespräche über die angestrebte 10-Prozent-Beteiligung von CVC unklar, Real-Präsident Florentino Perez zeigte sich zuletzt ablehnend. Dabei könnten die Vereine die 2,7 Milliarden Euro, die die Kapitalgesellschaft zu zahlen bereit ist, gut gebrauchen. Auch die Liga selbst macht kräftig Werbung: "Die Vereinbarung soll den Wandel in der Welt der Unterhaltung forcieren und die Wachstumsmöglichkeiten für die Vereine maximieren", heißt es in der offiziellen Mitteilung. Sie lässt für viele wenig Zweifel daran, dass es weniger um Sport denn mehr um Entertainment geht.

"Die Ereignisse der vergangenen 18 Monate haben den Appetit und die Aktivitäten angeregt, herauszufinden, wie man von solchen Beziehungen profitieren kann."

Deloitte-Partner Dan Brown

Bei Deloitte geht man trotz der vor diesem Hintergrund wohl nicht ganz unbegründeten Skepsis der Fans davon aus, dass solche Vorstöße, die früher aus dem Motorsport bekannt waren und zuletzt nach und nach auf Rugby, Volleyball und Tennis übergeschwappt sind, auch im Fußball Schule machen. "Vor der Covid-Pandemie waren private Investments kein prioritäres Thema für die Top-Fünf-Ligen", erklärt Wirtschaftsexperte Dan Brown. "Aber die Ereignisse der vergangenen 18 Monate haben den Appetit und die Aktivitäten angeregt, herauszufinden, wie man von solchen Beziehungen profitieren kann."

Und das gilt - frei nach dem Motto: "Koste es, was es wolle" - für beide der beiden Seiten. Für große Investorengruppen spielt der Preis eine untergeordnete Rolle, zumal das wirtschaftliche Wachstum - in den vergangenen zehn Jahren haben sich die Umsätze fast verdoppelt - zwar Corona-bedingt gebremst, aber langfristig nicht gestoppt ist. Bei strauchelnden Ligen wiederum steigt die Bereitschaft, alte Pfade zu verlassen, sobald die Einnahmen sinken.

Und zumindest ein prominenter Fußballer hat schließlich auch schon Erfahrung mit solchen Geschäften. Barcelona-Star Gerard Piqué hat sich mit seiner Firma Kosmos vor zwei Jahren schließlich auch gedacht: Ich kauf’ mir einen Daviscup.