Es begann mit der Unterschrift auf einer Serviette, von der damals niemand geahnt hatte, dass sie dereinst musealen Wert haben würde. Und es endete nun mit einer Presseerklärung, die man so ebenso wenig erwartet hatte. Doch wie der FC Barcelona am Donnerstagabend mitteilte, kann Lionel Messi, dessen Vertrag Ende Juni ausgelaufen war, trotz einer grundsätzlichen Einigung und dem Willen beider Seiten wegen der Finanzregeln der spanischen Liga keinen neuen Kontrakt bekommen.

Darüber, ob es wirklich das Ende ist, scheiden sich zwar die Geister - manche meinen, es könne sich auch um einen Bluff Barcas handeln, um die Liga unter Zugzwang zu bringen -, doch dabei ist wohl eher der Wunsch der Vater des Gedankens. "Ich will keine falschen Hoffnungen wecken", sagte Klub-Präsident Joan Laporta am Freitag - und fand gleich einen anderen Schuldigen für die Misere: Aufgrund des "katastrophalen Managements" der früheren Führung habe man nun nicht die finanziellen Möglichkeiten, den sechsfachen Weltfußballer zu halten, sagte Laporta, der im Frühjahr unter anderem mit dem Wahlzuckerl, Messi zu halten, die Nachfolge des sowohl bei diesem als auch bei den Fans ungeliebten Josep Maria Bartomeu angetreten war. Jetzt erklärte Laporta: "Der Klub steht über allem, selbst über dem besten Spieler der Welt."

Stilgerecht lud der Klub aber noch am Donnerstagabend ein Abschiedsvideo auf Youtube hoch, in dem "The Ultimate Best of Messi - The Greatest of All Time" gedacht wird.

Paris SG, Manchester City - oder ganz etwas anderes?

Und der ist damit in der absurden Situation, nach 21 Jahren bei Barcelona, in denen er insgesamt 35 Titel, darunter vier Mal die Champions League, geholt hat, 672 Tore erzielt hat und in 778 Spielen angetreten ist, plötzlich arbeitslos zu sein. Doch während der "Kleine", der einst aus Argentinien auszog, um einer der Größten des Weltfußballs zu werden, die Bühne des Camp Nou verlässt, geht der Vorhang zum sommerlichen Wechseltheater auf. Paris Saint-Germain soll bereits an einem Finanzplan arbeiten - gleichzeitig aber basteln die Pariser an einer Vertragsverlängerung für den nur noch bis Sommer 2022 gebundenen Kylian Mbappé, auf dass man im nächsten Jahr nicht genauso dastehe wie Barcelona nun -, Manchester City wäre eine andere Option.

Für beide Klubs, die aus Katar beziehungsweise Abu Dhabi reichlich alimentiert werden, sprechen zum einen die wirtschaftliche Lage, zum anderen die Verbindungen, die der Mann aus Rosario mit wesentlichen Akteuren hat. Bei den von seinem Landsmann Mauricio Pochettino trainierten Franzosen etwa spielen Ángel di María, ebenfalls ein Argentinier, sowie sein einstiger kongenialer Barca-Sturm-Partner Neymar. Bei den Citizens sitzt Pep Guardiola auf der Trainerbank, unter dem er in Barcelona einige seiner größten Erfolge gefeiert hat.

Schon als blutjunger Spieler hat er in Barcelona Akzente gesetzt - hier im Jahr 2005. - © afp / Jose Luis Roca
Schon als blutjunger Spieler hat er in Barcelona Akzente gesetzt - hier im Jahr 2005. - © afp / Jose Luis Roca

Auch eine Karrierefortsetzung in den USA schwirrte immer wieder zumindest als Option durch den Fußball-Äther, ein -Ausklang bei seinem Kindheitsverein, den Newell’s Old Boys aus Rosario, hätte zwar durchaus seinen Reiz, Träume davon sind aber wohl eher absoluten Fußball-Romantikern vorbehalten. Dabei wären das wohl der einzige Klub und die einzige Stadt, mit denen Messi eine derart symbiotische Beziehung eingehen könnte wie mit dem FC Barcelona und der katalanischen Metropole.

Das Gesicht einer goldenen Ära

Gewiss: Messi kann auch mit seinen 34 Jahren noch Außergewöhnliches leisten, das hat er in der vergangenen Saison oft genug bewiesen. Doch die Bedeutung, die er für Barcelona hatte, lässt sich nicht nur in den für sich genommen schon beeindruckenden Zahlen und Daten ermessen. Vielmehr wurde Messi zum Gesicht einer Ära, die Ihresgleichen im Weltfußball sucht, zur prägenden Figur einer stilprägenden Mannschaft: wendig, schnell, technisch brillant. Fans aus aller Welt pilgerten nach Barcelona, um "Messi schauen" zu kommen; im Internet generierte er dem Verein eine unglaubliche Reichweite.

Geht er zu ManCity? Mit Pep Guardiola holte er unter anderem 2009 (Bild) und 2011 die Champions League. - © afp / Christophe Simon
Geht er zu ManCity? Mit Pep Guardiola holte er unter anderem 2009 (Bild) und 2011 die Champions League. - © afp / Christophe Simon

Was aber vielleicht noch beeindruckender war: Bei all seinen herausragenden ballestrischen Eigenschaften verstand es Messi, sich nie über seine Mitspieler, nie über den Verein zu stellen.

Es war vielleicht seine größte Niederlage, als er im Vorjahr, unzufrieden mit der damaligen Klubführung, Wechselwillen geäußert hatte und ihm dies mancherorten als Egoismus ausgelegt worden war. Alles, was er gesagt und getan habe, sei immer nur in der Absicht geschehen, "den Verein besser zu machen", sagte er damals in ungewohnt emotionalen Interviews. Schließlich sei seine Beziehung zum Klub und zur Stadt stets "eine der Liebe" gewesen, betonte er.

Die Liebe ist auch jetzt nicht erloschen, ein späteres Comeback in anderer Funktion wahrscheinlich. Fürs Erste aber endet die Ära Messis bei Barcelona - wiewohl dieser auch zu massiven Gehaltskürzungen bereit gewesen sei, aus rein wirtschaftlichen Gründen, wie Laporta versicherte. "Wir sind ein furchtbares Erbe angetreten", sagte er noch einmal bezogen auf seine Vorgänger. Das Erbe Messis in Barcelona aber wird bleiben.