Das Leiberl mit der Aufschrift "Ici c’est Paris", das sich Lionel Messi kurz vor seiner Ankunft am Pariser Flughafen am Tag davor schnell angezogen hatte, war gegen einen chiquen dunklen Anzug getauscht, der Eiffelturm, von dessen Anmietung für die offizielle Präsentation des Starspielers in den vergangenen Tagen die Rede war, wurde es dann doch nicht. Schließlich mag der das Herz der französischen Hauptstadt sein - das Parc-des-Princes-Stadion aber soll der Nabel der Fußballwelt werden. Zumindest, wenn es nach den Verantwortlichen von Paris Saint-Germain geht. Dort also erschien Messi am Mittwochvormittag zunächst mit seinen Kindern und seiner Frau, dann am Podium neben PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi, der gleich einmal die Devise ausgab: "Es ist ein historischer Tag für den Klub und die Fußballwelt. Es ist aufregend für unsere Fans, aber auch für die Fans weltweit."

Bei jenen des FC Barcelona, von denen sich Messi nach zwei Jahrzehnten erst vor wenigen Tagen tränenreich verabschiedet hatte, mag man das anders sehen. Tatsächlich aber werden die Blicke in dieser Saison noch mehr auf einen Klub gerichtet sein, der zwar noch nie die Champions League und auch nicht unbedingt die Mehrzahl der Herzen der Menschen außerhalb Frankreichs, dafür aber in den vergangenen Jahren etliche Starspieler für sich gewonnen hat.

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Mit einer Truppe rund um den 34-jährigen Messi, Frankreichs Juwel Kylian Mbappé, Brasiliens Starstürmer Neymar, Gigi Donnarumma, den derzeit wohl besten Torhüter der Welt, und etlichen anderen ist die Mannschaft von Trainer Mauricio Pochettino, die im Vorjahr im Champions-League-Halbfinale ausgeschieden und in der Meisterschaft nach Seriensiegen davor nur Zweiter geworden ist, nun erst recht zum Siegen verdammt.

"Wir haben die besten Spieler und einen der besten Trainer der Welt."

Klub-Chef Nasser Al-Khelaifi

"Wir haben hier jemanden sitzen, der schon viele Trophäen gewonnen hat und von dem ich mir sicher bin, dass er mit seinen Teamkollegen noch viele weitere gewinnen wird. Wir haben einen fantastischen Kader, die besten Spieler der Welt und einen der besten, in meinen Augen den besten Trainer", erklärte der Klub-Chef.

Dass es angesichts der Starfülle vor allem im Angriff hierarchische Probleme geben könnte, wies Messi gleich einmal vom Tisch. "Ich erachte es als Glücksfall, mit ihnen zusammenspielen zu können", sagte der Argentinier, der mit Neymar bei Barcelona schon Seite an Seite (und das nicht unerfolgreich) gestürmt ist. Dass Mbappé die Rufe aus Madrid erhören könnte, wiederum stellte Al-Khelaifi in Abrede. "Die ganze Welt weiß, wie seine Zukunft aussehen wird. Die ganze Welt weiß, dass er ein Spieler von Paris Saint-Germain ist."

Aktuell jedenfalls verfügt Paris Saint-Germain damit über den Kader mit dem zweithöchsten Marktwert aller Topklubs hinter Manchester City (1,06 Milliarden Euro). Das Engagement Messis ließ jenen der Franzosen auf 993,75 Millionen Euro in die Höhe schnalzen, wie das Branchenportal transfermarkt.de errechnete.

Das ist insofern bemerkenswert, als die Ligue 1, die 2020 Corona-bedingt als einzige nicht zu Ende gespielt werden konnte, die größten Einnahmeneinbußen aller großen Ligen verzeichnete. Allerdings sprudeln die Ölmillionen der katarischen Scheichs ungebrochen - und immerhin haben die Pariser das Kunststück vollbracht, in diesem Sommer weder für Messi noch für Donnarumma, Georginio Wijnaldum beziehungsweise Sergio Ramos Ablösen ausgeben zu müssen, weil die Verträge der Spieler bei ihren vorherigen Vereinen allesamt ausgelaufen waren.

Die horrenden Ausgaben, die sie seit der Komplettübernahme der katarischen Investoren 2012 verbucht haben, beschäftigen freilich regelmäßig die Wettbewerbshüter der Uefa und der EU-Kommission, und die Millionengagen für Messi und Co. wollen auch erst einmal bezahlt werden. Medienberichten zufolge soll Messi in Paris 35 bis 40 Millionen Euro netto pro Jahr als Fixum verdienen.

"Ich liebe es, Fußball zu spielen, und ich liebe es, zu gewinnen."

Lionel Messi

Der Barcelona-Abschiedsschmerz, von dem er auch am Mittwoch noch sprach ("Es ist erst einen Tag her, seit ich Barcelona verlassen habe, und natürlich war es hart") dürfte dem 34-Jährigen, der einen Zweijahresvertrag mit Option auf ein drittes und die Rückennummer 30 bekommt, damit etwas versüßt werden. Doch darum geht es ihm ohnehin nicht, wie er versicherte. "Ich liebe es, Fußball zu spielen, ich liebe es, zu gewinnen. Und ich werde alles dafür tun, dass uns das gemeinsam gelingt", betonte er. Es sind Worte, die freilich auch Al-Khelaifi und die zehntausenden Fans vor dem Stadion zu hören lieben - wenn auch vielleicht doch nicht "alle Fußball-Fans dieser Welt".