Wenn alljährlich Mitte August im Europacup die Play-off-Hinspiele beginnen - das Spiel zwischen Red Bull Salzburg und Bröndby IF aus Dänemark am Dienstagabend endete 2:1 -, ist es für die teilnehmenden Klubs nicht nur Zeit, sich sportlich auf die bevorstehenden Qualifiktionsspiele zu fokussieren, sondern auch ihre (in den meisten Fällen leeren) Tresore zu entstauben. Sich auf dem Rasen zu regen, bringt hier nämlich tatsächlich Geldsegen, lässt doch die Uefa bekanntlich schon mit dem Erreichen der Conference-, Europa- oder Champions-League-Gruppenphase Millionen springen.

Wer aber nun gedacht hat, dass jene Klubs mit kleineren Tresoren benachteiligt würden, den belehrt ein aktuelles Uefa-Rundschreiben vom Dienstag eines Besseren. Anders als zu erwarten gewesen wäre, sind nämlich die Unterschiede zwischen den ausgelobten Beträgen in der Europa League und der zum ersten Mal zur Austragung gelangenden Conference League (mit 184 Teilnehmern) gering. So beläuft sich das Startgeld in der Europa League auf 3,63 Millionen Euro, dazu kommen 630.000 Euro pro Sieg und 210.000 Euro für ein Unentschieden. Der Gruppensieg würde mit 1,1 Millionen Euro belohnt, der zweite Platz mit immerhin 550.000 Euro. In der Conference League wiederum beträgt das Startgeld wohlfeile 2,94 Millionen, pro Sieg gibt es 500.000 Euro Lohn und pro Unentschieden 166.000 Euro. Alle Gruppensieger erhalten zusätzliche 650.000 Euro, die Zweitplatzierten bekommen 325.000 Euro.

Am meisten Geld gibt es freilich in der Champions League abzugreifen. Das Startgeld in der Königsklasse beträgt 15,64 Millionen, ein Ausscheiden im Play-off würde immerhin noch fünf Millionen an Kompensation einbringen. Dazu kämen bei jedem Sieg in der Champions League 2,8 Millionen, für jedes Unentschieden 930.000 Euro. Damit nicht genug, werden beim Überstehen der Gruppenphase noch einmal 9,6 Millionen Euro fällig, in den drei weiteren Runden ab dem Achtelfinale winken noch höhere Beträge. Lediglich der Champions-League-Sieg ist den Uefa-Verantwortlichen bescheidene 4,5 Millionen Euro zusätzlich wert - zumal der Europa-League-Sieger mit vier Millionen Euro fast gleich viel erhält. Dafür ist man mit Blick auf den Gewinner der Conference League weniger spendabel (zwei Millionen).

Sämtliche Zahlen sind freilich nur als Anhaltspunkte zu verstehen, da Variablen wie TV-Verträge teils offen sind und die Uefa nach Saisonende zudem einen Corona-Abschlag abziehen wird. Da die Uefa-Bewerbe aufgrund der Covid-19-Pandemie in der Vorsaison ein Minus von 416,5 Millionen Euro machten, wird der europäische Dachverband genau diesen Betrag in den kommenden fünf Jahren einbehalten.

Erzieherischer Effekt?

Für jene europäischen Klubs, für die bis jetzt die Fleischtöpfe des Europacups unerreichbar gewesen waren, sind das freilich gute Nachrichten. Aber auch Vereine mit Königsklassenerfahrung wie Rapid Wien oder Sturm Graz, die den Sprung in die Europa League im Auge haben, profitieren. Selbst wenn sie am Donnerstagabend gegen Sorja Luhansk (Ukr) beziehungsweise Mura (Slo) verlieren sollten, fände der Europacup in der Conference League nochmals eine Fortsetzung. Auf eine Zubuße aus dem Europacup Hoffnungen machen darf sich auf die Weise auch der LASK, der sein Play-off gegen den schottischen Cupsieger St. Johnstone bestreitet.

Wenn es einen positiven Nebeneffekt gibt, den die Erfindung der Conference League und ihre großzügige Dotierung generieren, so ist das die zusätzliche Motivation für alle kleinen, vor allem ost- und südosteuropäischen Vereine, nicht nur über den Europacup ihre Tresore - sofern sie überhaupt welche haben - etwas anzufüllen, sondern auch ihre Hausaufgaben zu machen. Gut möglich, dass allein die Perspektive, auf europäischer Ebene mitmischen zu dürfen, bei manchen Klubs, die es bis dato mit Finanz- und Lizenzregeln nicht so genau nahmen, zu einem Umdenken führt und die Zahl der nicht zugelassenen Teams im Europacup abnimmt. Die Hoffnung stirbt zuletzt. (rel/apa)