Dieses Wochenende rollt der Fußball in der italienischen Serie A, die sich in eine neue Saison begibt, wieder über den Rasen. Und die Karten sind neu gemischt: Lange ist es her, seit Serienmeister Juventus Turin nicht das gejagte Team war. Heuer ist es Inter Mailand, der Klub ist schließlich noch amtierender Champion. Daheim treffen die Mailänder am Samstagabend auf Genoa, und damit beginnt für den Klub auch die Mission Titelverteidigung. In dieser Saison liegt der Fokus aus österreichischer Sicht auf Marko Arnautovic, der nun für den Bologna FC spielt sowie Venezia, da dort die Legionäre Michael Svoboda und David Schnegg vertreten sind. Venezia nimmt heuer zum ersten Mal seit 20 Jahren in der Serie teil.

Doch wer glaubt, dass sich die Euphorie über Italiens Europameisterschaftstitel diesen Sommer auf die Serie A übertragen hat, liegt falsch. Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen finanziellen Verluste hatten zur Folge, dass Stars wie Romelu Lukaku oder Gianluigi Donnarumma ihre Klubs und somit auch die Liga verlassen haben. Zugleich waren die Vereine in der bisherigen Transferperiode vergleichsweise zurückhaltend. Auf der Trainerbank sieht das Ganze hingegen anders aus: Dort drehte sich das "Wechselkarussel" stetig schneller, schließlich haben zwölf der zwanzig Oberhaus-Klubs nun einen neuen Coach.

Einige Veränderungen bei Inter Mailand

Was sich jedoch nicht verändert hat, ist, dass auch heuer wieder im Kampf um den Scudetto die üblichen Verdächtigen als Favoriten gelten. Obwohl Juventus sich im vergangenen Jahr mit einem vierten Platz zufriedengeben musste, gilt der Klub, bei welchem Cristiano Ronaldo spielt, als der Topfavorit. Dahinter reihen sich die beiden Klubs aus Mailand, Inter und AC ein, SSC Napoli folgt darauf. Aber auch der Vorjahres-Dritte, Atalanta Bergamo, macht sich Hoffnungen auf den Titel, AS Roma könnte mit Neo-Trainer Jose Mourinho für Überraschungen sorgen.

Nach dem überzeugenden Meistertitel vergangene Saison ist bei Inter heuer einiges anders. Antonio Conte wurde von Simone Inzaghi als Cheftrainer abgelöst. Zuvor war Conte mit dem Sparkurs bei den Nerazzurri nicht einverstanden gewesen. Romelu Lukaku verließ Inter, für Inzaghi bedeutet dies, dass er nicht auf den Stürmer-Star zurückgreifen kann. Lukaku ging für 115 Millionen Euro nach England zu Chelsea. Aber er war nicht der Einzige, der den Klub verlassen hat: Auch Außenverteidiger Achraf Hakimi verschlug es mehr in Richtung Norden. Er wechselte zu Paris Saint-Germain nach Frankreich. Ein bitterer Verlust für Inter, haben die beiden Spieler noch in der vergangenen Saison für 31 Tore und 20 Vorlagen gesorgt. Nun gilt es, diese Lücke zu schließen. Dieser Aufgabe sollen sich der Bosnier Edin Dzeko, welcher vom AS Roma geholt wurde, und Denzel Dumfries vom PSV Eindhoven stellen. Ob Christian Eriksen eine Zukunft bei Inter hat, ist währenddessen noch unklar. Eriksen musste bei der EM wiederbelebt werden, nun trägt er einen implantierten Defibrillator. Ein Comeback des Mittelfeldspielers scheint vorerst aber unwahrscheinlich, denn in Italien darf er mit einem Defibrillator nicht spielen. Aber auch Valentino Lazaros Zukunft beim Verein ist ungewiss. Der Vertrag des Österreichers ist nach wie vor gültig, jedoch soll er bis zum Transferschluss am 31. August noch verliehen werden. Spekuliert wird, ob es ihn nicht zum Benfica Lissabon verschlagen wird.

Zu Juventus hat es den früheren Erfolgstrainer Massimiliano Allegri verschlagen. Er löste Andrea Pirlo nach einem Jahr nun ab. Nun soll Allegri dem Klub von Ronaldo zu alter Stärke und zum 37. Meistertitel verhelfen. Dafür holten die Turiner gleich Manuel Locatelli einen weiteren Europameister vom Ligakonkurrenten Sassuolo. Auf Leonardo Bonucci, Giorgio Chiellini und Federico Chiesa setzt Allegri, aber auch auf Ronaldo. "Er wird eine viel größere Verantwortung haben. Er darf nicht nur Torjäger sein, er muss auch die jungen Spieler anführen", sagte der Coach. Am Sonntag erwartet den Klub ein Gastspiel bei Udinese.

Elf Jahre ist es her, seit sich Mourinho von Inter verabschiedet hat. Nun ist er zurück. AS Roma gelang damit eine spektakuläre, wenn nicht sogar die spektakulärste Trainer-Verpflichtung. In der heurigen Saison soll nun mehr als der siebte Platz möglich sein. Mourinho sprach in Interviews von einer weiteren "Mission Impossible". Unmöglich deshalb, "weil die Leute von mir immer erwarten, dass ich gewinne". Helfen könnte dem Portugiesen jedoch Tammy Abraham, welcher für 40 Millionen Euro geholt wurde.

Marko Arnautovic wurde auch nach Italien geholt - sehr zur Freude der Fans vom Bologna FC. Die Freude währte jedoch nicht lange, schließlich schied der Klub überraschend früh aus dem Cup. Nun will Arnautovic dem Verein nach oben verhelfen: "Ich komme nicht hierher, um Urlaub zu machen, sondern um etwas zu gewinnen", hatte er noch bei seiner Ankunft groß verkündet. Bereits beim ersten Spiel schoss Arnautovic ein Tor, nun liegt es an ihm, sich in der Serie A zu beweisen. (apa/jh)