McDiarmid Park statt Hotspur Stadion oder Old Trafford; Perth in Schottland statt London oder Manchester; kurz: St. Johnstone FC statt Tottenham oder United: War der Linzer ASK in den beiden vergangenen Saisonen im Rahmen der Fußball-Europa-League in zwei der prestigeträchtigsten Stadien Englands gegen zwei der größten Klubs des Landes zu Gast, verschlägt es die Mannschaft von Dominik Thalhammer nun eine Etage tiefer im Conference-League-Play-off geografisch ein Stückchen weiter höher in den Norden nach Schottland.

Doch auch wenn der Gegner keinen so klingenden Namen hat wie die zuerst genannten, ist das Spiel beim Johnstone FC am Donnerstagabend (20 Uhr) für die Linzer das Spiel des Jahres - vorerst zumindest. Dafür, dass es das nicht bleibt, braucht Thalhammers Equipe nach dem 1:1 vom Hinspiel vergangener Woche einen Sieg. Damit stünde sie in der Gruppenphase der erstmals ausgetragenen Conference League, in der immerhin ein Antrittsgeld von 2,94 Millionen Euro wartet.

Ihren Startplatz in einer europäischen Gruppenphase haben Sturm Graz und Rapid, am Donnerstag ebenfalls im Einsatz, bereits sicher. Beide haben nach Siegen gegen NS Mura (3:1) beziehungsweise Luhansk (3:0) gute Chancen auf die Europa League - sollte noch etwas schief gehen, steigt man in die Conference League um.

Diese ist somit das Auffangbecken für ansonsten früh Ausgeschiedene, bietet aber immerhin auch kleinen Vereinen wie Johnstone die Chance auf das internationale Geschäft. Von der Papierform her ist die Mannschaft aus dem einstigen Piktenzentrum, zwischen Edinburgh und Aberdeen gelegen, freilich klarer Außenseiter. Trainer Callum Davidson, einstiger schottischer Teamspieler und Premier-League-Kicker bei Leicester und Blackburn, vertraut in seinem Kader ausschließlich auf Briten, der gesamte Marktwert der Mannschaft beläuft sich nur auf etwas mehr als neun Millionen Euro.

Den Großen ein Bein stellen

Dass St. Johnstone, derzeit Achter der schottischen Premier League, aber durchaus in der Lage sein kann, auch höherklassigen Gegnern ein Bein zu stellen, hat der Klub schon öfters bewiesen, da muss man gar nicht erst in der Vergangenheit kramen, als er 1971/72 sogar den Hamburger SV aus dem Uefa Cup kickte. In der abgelaufenen Saison holte man neben dem fünften Platz in der Meisterschaft das Double aus Cup und Ligapokal, in der Europa-League-Qualifikation rang man Galatasaray im Hinspiel sensationell ein 1:1 ab. Die Geschichte will der kleine, aber stolze Klub abgehakt haben. Seit Tagen wird auf den Social-Media-Kanälen für das LASK-Spiel geworben, das als das "größte der Geschichte" angepriesen wird.

Vor einer Woche taten sich die Linzer schwer mit den hohen Bällen in den Rücken der Verteidigung (standen sich aber auch selbst im Weg), gingen 0:1 in Rückstand, ehe sie - freilich spielerisch überlegen - das Remis aus einem Elfmeter retteten. "Es war richtig eklig, gegen sie zu spielen", befand Thalhammer, und es war wahrscheinlich respektvoll gemeint. Dass seine Mannschaft auch in der Liga mit je einem Sieg und einer Niederlage sowie drei Remis nicht richtig in Schwung gekommen ist, bereitet ihm indessen noch keine allzu großen Sorgen. "Das Potenzial ist da, aber wir lassen es oft brach liegen. Es ist unsere Aufgabe, geduldig zu bleiben und nicht nervös zu werden."

Das gilt auch und vor allem dann, wenn es um den Aufstieg in die Gruppenphase geht. Dass es der McDiarmid Park und halt doch nicht Old Trafford ist, ändert daran nichts. "Es wird ein Hexenkessel werden. Für beide Mannschaften geht es um sehr viel."