Die Ouvertüre haben die Fußballerinnen des SKN St. Pölten abgeliefert, der Hauptakt folgt ab diesem Wochenende. Nachdem die Niederösterreicherinnen in der Qualifikation für die Champions League nach einem fulminanten 7:0 gegen Besiktas Istanbul beim Mini-Turnier in der Ausscheidung doch noch 1:4 an Juventus Turin gescheitert sind, gilt das Hauptaugenmerk nun der Planet Pure Bundesliga, in der die Niederösterreicherinnen als Allesgewinnerinnen der vergangenen Jahre die logischen Favoritinnen sind.

Doch es gibt nicht nur St. Pölten im heimischen Frauenfußball. Auch befeuert von den regelmäßigen starken Leistungen des Nationalteams - für die EM 2022 hat sich die Equipe von Irene Fuhrmann qualifiziert, 2017 erreichte das Team unter ihrem Vorgänger Dominik Thalhammer und ihrer Assistenz das Halbfinale -, den Champions-League-Auftritten des Meisters in der Vorsaison sowie dem international gestiegenen Interesse am Frauenfußball setzt sich auch hierzulande die Erkenntnis durch, dass es sich nicht mehr um ein zu belächelndes Randphänomen handelt.

"Mehr als Sport"

Studien belegen im Gegenteil den gesellschaftlichen und psychosozialen Nutzen, wenn verstärkt auch Mädchen und Frauen in den Sport streben, der zudem selbst in Österreich, das der globalen Entwicklung lange hinterherhinkte (und es bis zu einem gewissen Grad noch immer tut), in den vergangenen Jahren auf immer professionellere Beine gestellt wurde.

Eine Säule dieser Entwicklung war das ÖFB-Strategiepapier "Mehr als Sport", das der ÖFB schon im Herbst 2018 für die folgenden fünf Jahre herausgebracht hat. Der Förderung des Mädchen- und Frauenfußballs wird dabei gleich der erste Punkt gewidmet.


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ÖFB-Strategiepapier

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Vieles wurde bereits umgesetzt, es wurden Marketing- und Social-Media-Kampagnen lanciert, die Zusammenarbeit mit den Landesverbänden wurde verbessert. "Wir sind bestrebt, die darin formulierten Ziele mit Leben zu füllen", sagt Isabel Hochstöger, Bereichsleiterin für Mädchen- und Frauenfußball im ÖFB.

"Vom Mehrwert überzeugen"

Flaggschiff ist und bleibt neben dem Nationalteam aber die Bundesliga, die seit dem Engagement des Vorarlberger Unternehmens Planet Pure 2018 - die Kooperation wurde zuletzt bis 2023 verlängert - auf soliderem Fundament und durch mehr Übertragungen auf ORF Sport+ auch mehr im Fokus steht als noch vor einigen Jahren. Das hat (neben dem gesellschaftspolitischen Anspruch) auch mehr Profi-Klubs der Männer inspiriert, sich intensiver mit der Sparte auseinanderzusetzen.

Neben Sturm Graz, Austria Wien und SKN St. Pölten wird heuer auch ein vierter Admiral-Bundesligist ein Frauen-Team in der obersten Spielklasse stellen: Der SCR Altach tritt in den kommenden drei Saisonen in Kooperation mit dem FFC Vorderland und in der Cashpoint Arena an, danach will man den Klub ganz übernehmen.

Der LASK - wo nun der langjährige Frauen-Teamchef Thalhammer werkt - sowie aus der zweiten Liga der GAK haben erst heuer eine Frauenabteilung gegründet und wollen langfristig ebenfalls im Spitzenbereich eine Rolle spielen.

Bereits dort angekommen ist Aufsteiger Vienna, was das Interesse in der Bundeshauptstadt ebenfalls steigern dürfte. Wermutstropfen ist freilich, dass es aus Salzburg bisher kein, von Rapid noch zu unkonkretes Interesse gibt. Hochstöger sieht das allerdings nicht dramatisch: "Es ist unsere Aufgabe, die Klubs davon zu überzeugen, dass es einen Mehrwert bringt. Davon, jemandem etwas zu oktroyieren, halte ich nichts."

Internationale Entwicklung

Ein Blick über den rot-weiß-roten Tellerrand könnte einen Beitrag zur Bewusstseinsschärfung liefern: Auch im kürzlich erschienen Annual Review of Football Finance des Wirtschaftsberatungsunternehmens Deloitte wird der steigenden Bedeutung des Frauenfußballs Rechnung getragen.

Demnach betreiben 18 der 20 umsatzstärksten Klubs auch ein Frauenteam, das den Vereinen verstärkte Markenwahrnehmung sowie ein breiteres Zielpublikum bringe - und damit auch mehr Attraktivität für Sponsoren und Partner.

Von Zahlen wie in den Topländern ist man in Österreich allerdings noch weit entfernt. Barclay’s zahlt als Sponsor der englischen Super League zehn Millionen Pfund für drei Saisonen, während man in Österreich im Fall von Planet Pure von einem "sechsstelligen Euro-Betrag jährlich" spricht. Der TV-Vertrag mit Sky und BBC wiederum bringt den Engländerinnen rund acht Millionen Pfund - pro Jahr. Und der Schlussakkord dieser Entwicklung ist noch lange nicht erfolgt. In Österreich dauert es wohl sogar noch etwas länger.