Mit Red Bull Salzburg ist zu rechnen. Das war dem dänischen Meister Bröndby natürlich schon vor dem Play-off-Rückspiel am Mittwochabend in Kopenhagen klar gewesen. Und dennoch hatte man gehofft, das Wunder zu schaffen und den 1:2-Rückstand vom Hinspiel in der Red-Bull-Arena zu Hause wieder wettzumachen. Stattdessen setzte es eine erneute 1:2-Niederlage - und der Traum von der erstmaligen Teilnahme an einer Champions-League-Gruppenphase seit 22 Jahren ist geplatzt. Zuletzt waren die Dänen in der Saison 1998/99 gemeinsam mit Kalibern wie Bayern München, Barcelona und Manchester United in der Königsklasse gestanden. Einen Trost gibt es dennoch: Den fixen Einzug in die Gruppenphase der Europa League - und Letzterer liegt immerhin auch schon wieder 15 Jahre (damals noch Uefa Cup) zurück.

15 Jahre sind im Fußball eine lange Zeit. Dass sich diese Zeit wie eine kleine Ewigkeit anfühlen kann, hatte auch Meister Salzburg, der jahrelang die Champions-League-Qualifikation verpasste und - dem Spott von Gegnern und Medien ausgesetzt - schon beinahe verzweifelte, anerkennen müssen. Spätestens seit Mittwoch ist aber auch diese Episode Geschichte: Der Klub steht nach elf vergeblichen Anläufen zum dritten Mal hintereinander in der Champions-League-Gruppenphase. Dort soll sich die junge Mannschaft von Neo-Trainer Matthias Jaissle weiterentwickeln - vor allem personell.

Zu beobachten ist etwa, dass die Salzburger in der Saisonpause jünger geworden sind. Das Trainerteam ist neu, mit Patson Daka, Enock Mwepu oder Andre Ramalho haben sich Leistungsträger verabschiedet. Ihre Nachfolger heißen Benjamin Sesko (18 Jahre), Luka Sucic (18), Karim Adeyemi (19) oder Brenden Aaronson (20). "Die Champions-League-Spiele werden für sie richtige Highlights", sagte Jaissle. "Da wird die junge Truppe am meisten dazulernen, das ist ja unser Anspruch." Dementsprechend viel stand daher auch in der Kopenhagener Vorstadt auf dem Spiel. Salzburgs Teenager ließen sich aber auch vom Hexenkessel, den die dänischen Fans bereitet hatten, nicht aus der Ruhe bringen. "Es war schon eine Art Reifeprüfung, die Atmosphäre war gigantisch", sagte Jaissle, von 2017 bis 2019 selbst als Co-Trainer bei Bröndby tätig.

Ein Wunschlos für die Gruppenauslosung hatte Jaissle nicht. Auch eine Zielvorgabe wollte der 33-jährige Deutsche für die Königsklasse noch nicht abgeben, nachdem die Salzburger unter Vorgänger Jesse Marsch zuletzt zweimal als Gruppendritter in die Europa League umgestiegen waren. "Zunächst bin ich total froh, dass wir es geschafft haben, dabei zu sein. Das ist für den FC Salzburg einfach ein großes Erlebnis", betonte Jaissle. Aaronson sprach von einem "Bubentraum", der für ihn in Erfüllung gehe. "Wir sind froh, in der Champions League zu sein. Das ist das, was dieser Klub verdient", meinte der US-Amerikaner, der in beiden Play-off-Partien ein Tor erzielte.

Mit 33 Jahren "Königsklasse"

Die Gruppenphase beginnt am 14. beziehungsweise 15. September. Jaissle wird hier einer der fünf jüngsten Trainer der Champions-League-Geschichte sein. Rekordhalter Julian Nagelsmann war bei seiner Premiere mit 31 Jahren um etwas mehr als zwei Jahre jünger. Dass Jaissle und sein Team Klasse haben, zeigte nicht zuletzt das Rückspiel in Bröndby, als man mit Toren von Sesko (4. Minute) und Aaronson (10.) früh die Weichen stellte. "Wir waren so fokussiert, für eine junge Mannschaft ist das Wahnsinn", meinte etwa Rasmus Kristensen. Am Ende wurde es der 13. Pflichtspielsieg in Folge, der achte im achten Spiel unter Jaissle. "Wir sind einfach super in die Saison gestartet und versuchen jetzt so weiterzumachen", erklärte der Coach. Am Samstag (17 Uhr/Sky) wartet auf den Tabellenführer ein Ligagastspiel bei Hartberg. Ein Wunder dürfte aber auch hier ausbleiben.(rel/apa)