Das 333. Wiener Fußball-Derby ist ohne Sieger zu Ende gegangen. Gastgeber Austria und Rapid trennten sich am Sonntag in der Generali Arena mit 1:1. Lukas Mühl (33.) schoss die weiter sieglosen Favoritner vor der Pause in Führung, Marco Grüll (47.) glückte unmittelbar nach Wiederbeginn der Ausgleich. Rapid schloss in der Tabelle als Vierter mit acht Zählern zum WAC und Klagenfurt auf, die Austria ist vier Zähler dahinter weiter Schlusslicht.

Rapid baute die ungeschlagene Ligaserie gegen den Erzrivalen auf mittlerweile fünf Partien aus, allerdings gab es zuletzt gleich viermal eine Punkteteilung. Dietmar Kühbauer muss damit noch auf seinen 50. Sieg als Rapid-Coach warten. Das ist eine Marke, die vor ihm erst sechs Trainer erreicht hatten. Für dessen Gegenüber Manfred Schmid war es die Derby-Premiere als Cheftrainer. Der erhoffte Befreiungsschlag in Form des ersten Saisonsieges blieb aus. Seine Liga-Ausbeute lautete nun vier Remis und zwei Niederlagen.

Für Kühbauer war Rotation kein Thema, er schickte genau jene Startelf aufs Feld, die am Donnerstag bei Sorja Luhansk im Play-off-Rückspiel mit einem 3:2-Sieg den Einzug in die Europa-League-Gruppenphase fixiert hatte. Dadurch hütete auch weiterhin Paul Gartler für den an der Schulter angeschlagenen Richard Strebinger das Tor. Beim Lokalrivalen gab es auch nur eine Änderung, im Vergleich zum Meisterschafts-2:2 bei Sturm Graz kam im Angriff Noah Ohio zu seinem ersten Einsatz von Beginn an. Benedikt Pichler stand nicht im Kader.

Kalte Dusche für die Austrianer nach der Pause

Die Rapidler waren von Anfang an darauf bedacht, die Hausherren nicht herausspielen zu lassen. Viele lange Bälle waren die Folge. Die spielerische Linie fehlte auf beiden Seiten, vor allem in der entscheidenden Zone mangelte es an den nötigen Ideen. Aufseiten von Rapid blieb in den ersten 45 Minuten ein am Tor vorbeistreichender Ullmann-Weitschuss das Gefährlichste (21.). Die Gastgeber wurden auch nur einmal richtig gefährlich und präsentierten sich da als Meister der Effizienz. Nach einer leicht abgefälschten Martel-Flanke konnte Mühl unbedrängt aus vier Metern direkt vollenden.

Statt den Schwung in die zweite Hälfte mitzunehmen, gab es für die Austrianer nach Wiederbeginn eine kalte Dusche. Nach einer Grahovac-Flanke verlor Georg Teigl bei einem Luftduell Grüll völlig aus den Augen und der Ex-Rieder konnte ins lange Eck einköpfeln. Die Austria versuchte in den Minuten danach postwendend zurückzuschlagen, konnte aus einer leichten Überlegenheit aber kein Kapital schlagen. Nichts änderte sich daran, dass beide Teams weiter Probleme hatten, Topchancen zu kreieren.

Insgesamt war die Austria etwas näher dran am Siegtreffer. Ein Djuricin-Abschluss fiel zu schwach aus (73.), "Joker" Muharem Huskovic scheiterte an Gartler (86.). Einzige Rapid-Ausbeute war ein zu schwacher Abschluss von Grüll (77.). Der Ex-Rieder konnte trotzdem zufrieden sein, gelang ihm doch sein bereits siebenter Pflichtspieltreffer in dieser Saison, der dritte in der Liga. In den jüngsten drei Bewerbsspielen hat er immer getroffen.

In der Derby-Geschichte gab es zum 78. Mal ein Unentschieden bei 136 Rapid-Erfolgen und 119 von der Austria. Nur 11.035 Zuschauer hatten den Weg in die Generali Arena gefunden. Das auch aufgrund der Entscheidung der Austria, Tickets nur für Vereinsmitglieder und Abonnenten anzubieten, somit auf einen freien Verkauf zu verzichten.

Auch Sturm und Admira spielen 1:1

Sturm Graz hat in der Fußball-Bundesliga den Anschluss an Red Bull Salzburg verloren. Der Tabellenzweite musste sich am Sonntag bei der Admira mit einem 1:1 begnügen und liegt damit nach sechs Runden bereits sieben Punkte hinter dem Spitzenreiter. Manprit Sarkaria brachte Sturm in der 36. Minute in Führung, Roman Kerschbaum gelang in der 70. Minute der verdiente Ausgleich.

Das 1:0 der Gäste fiel auf sehenswerte Art und Weise. Kelvin Yeboah setzte sich auf der rechten Seite durch, seinen Stanglpass verwertete Sarkaria direkt mit der Ferse. In den 35 Minuten davor hatte es keine einzige nennenswerte Offensivaktion gegeben.

Dafür wurde die Admira vor der Pause noch einmal gefährlich. Marlon Mustapha tauchte plötzlich allein vor Jörg Siebenhandl auf, aufgrund von technischen Unzulänglichkeiten des Angreifers konnte der Sturm-Goalie allerdings den Ball unter Kontrolle bringen. Nach dem Seitenwechsel musste Siebenhandl bei einem Freistoß von Kerschbaum eingreifen (50.) und danach mitansehen, wie seine Mannschaft immer mehr die Kontrolle über die Partie verlor.

Kein Lucky Punch

Die logische Folge war das 1:1 in der 70. Minute. Leonardo Lukacevic brachte einen Corner zur Mitte, der kurz zuvor eingewechselte Alexander Prass rutschte aus und Kerschbaum hatte freie Bahn, um seinen Kopfball im Tor unterzubringen. Danach entwickelte sich eine offene Partie mit leichten Vorteilen für die Hausherren. Dennoch gelang keinem Team der Lucky Punch, womit die Admira nur zwei Zähler aus den jüngsten neun Bundesliga-Duellen mit Sturm holte.

Immerhin punkteten die Niederösterreicher nach zuletzt drei Niederlagen in Folge wieder. Sturm ging erstmals in dieser Saison in einem Auswärts-Pflichtspiel nicht als Sieger vom Platz.

Bereits vor dem Spiel hatte es Aufregung um Admiras Emanuel Aiwu gegeben. Der ÖFB-U21-Teamspieler hatte Coach Andreas Herzog wenige Stunden vor dem Anpfiff mitgeteilt, dass er nicht in der Lage sei, zu spielen. Der Verteidiger soll Angebote aus dem In- und Ausland vorliegen haben. Herzog zeigte sich von Aiwu im Sky-Interview "enttäuscht".

 

Ried nach Sieg im Oberösterreich-Derby auf Rang 3

Die SV Ried hat das Duell um die aktuelle Nummer eins in Oberösterreicher für sich entschieden. Die Innviertler gewannen am Sonntag das OÖ-Derby in der Fußball-Bundesliga gegen den LASK vor 7.300 Zuschauern in der ausverkauften heimischen Josko-Arena mit 1:0 (1:0) und stehen nach sechs Runden überraschend auf Tabellenplatz drei. Der klar spielbestimmende LASK, der nach dem Auftakterfolg nun schon fünf Ligaspiele sieglos ist, steckt weiter nur auf Rang acht fest.

Die Linzer waren mit dem internationalen Erfolgserlebnis, dem Einzug in die Gruppenphase der Conference League, ins Innviertel gereist. Von Beginn weg bestimmte die Mannschaft von Dominik Thalhammer das Spielgeschehen und hatten früh die ganz große Chance auf die Führung, doch Keito Nakamura setzte unbedrängt einen Kopfball aus sieben Metern neben das Tor (6.).

Nachdem es Thomas Goiginger (7.) und Mamoudou Karamoko (15.) auch nicht besser machten, kam Ried erstmals gefährlich in den LASK-Strafraum - und traf. Constantin Reiner scorte nach einem Eckball per Kopf (17.). Ried schaffte es danach besser, die Linzer Bemühungen früher zu entschärfen, den Rest erledigte Torhüter Samuel Sahin-Radlinger. In einem Konter vergab Seifedin Chabbi sogar die Chance zum 2:0 (41.).

LASK ohne zündende Idee

In der zweiten Hälfte spielte der LASK fast nur auf ein Tor, aber lange ohne zündende Idee, wie das Rieder Abwehrbollwerk geknackt werden könnte. Im Finish wurden die Athletiker aber doch gefährlich. Ein Hong-Kopfball wurde von Reiner auf der Linie für den bereits geschlagenen Sahin-Radlinger abgewehrt (77.), Karamoko schoss über das Tor (79.), Raguz scheiterte ebenfalls (84., 87.). Auf der anderen Seite vergab Marcel Ziegl die einzige Chance in der zweiten Hälfte (85.).

Damit blieben die Linzer nach jeweils nur einem Treffer in den bisherigen fünf Runden erstmals in dieser Saison ohne Torerfolg. Die Rieder schafften kaum mehr Entlastungsangriffe, feierten aber nach zwei 0:3-Niederlagen in der vergangenen Saison ihren ersten Derby-Sieg seit dem Aufstieg. (apa)