Die Eu(ro)phorie mitnehmen und in der WM-Qualifikation noch einmal voll angreifen - das sollte das Motto von Österreichs Fußball-Nationalteam vor dem September-Dreifachschlag für die Titelkämpfe in Katar sein. Allein, Österreichs gestandene EM-Helden werden vor den Duellen in Moldawien (Mittwoch), Israel (Samstag) und gegen Schottland (7. September, jeweils 20.45 Uhr) immer weniger. Von der Anfangsformation des EM-Achtelfinales gegen Italien (1:2 n. V.) fehlt Teamchef Franco Foda fast ein Drittel der Akteure: Nach Außenverteidiger Stefan Lainer mussten am Montag auch die Mittelfeldspieler Xaver Schlager und Marcel Sabitzer verletzt absagen; zuvor hatte schon Italien-Torschütze Sasa Kalajdzic wegen einer Schulterverletzung passen müssen.

Sabitzer-Transfer perfekt

Deutschland-Legionär Schlager zog sich am Sonntag beim 1:0-Erfolg seiner Wolfsburger gegen RB Leipzig, der die Wölfe an die Tabellenspitze hievte, eine Verletzung im rechten Knie (Verdacht auf Kreuzbandriss) zu. Die genaue Diagnose steht zwar noch nicht fest, allerdings sind Einsätze in den kommenden Länderspielen definitiv ausgeschlossen. Bei Sabitzer, der an muskulären Problemen im Adduktorenbereich laboriert, besteht zumindest eine kleine Chance auf einen Einsatz gegen die Schotten. Bis Ende der Woche soll entschieden werden, ob der Steirer nach den Auswärtspartien noch nach Wien zum Team reist. Ganz bestimmt eine Rolle spielte bei der Vorsicht des 27-jährigen Steirers dessen Wechsel zu Rekordmeister Bayern München, der am Montag als perfekt verkündet wurde. Für kolportierte 16 Millionen Euro folgt Sabitzer Trainer Julian Nagelsmann an die Isar nach, der Kontrakt läuft bis 2025. "Schon als Kind war mein Bayern-Trikot mein großer Stolz, jedes Jahr zu Weihnachten bekam ich ein neues", so Sabitzer in einer Bayern-Mitteilung.

Foda nominierte angesichts der Ausfälle Jakob Jantscher (Sturm Graz) und Dejan Ljubicic (1. FC Köln) nach - damit steht Ljubicic erstmals im Kader der A-Auswahl des ÖFB. Zuvor hatte auch Kapitän Julian Baumgartlinger wegen Knieproblemen absagen müssen, er wäre aber mangels Spielpraxis aktuell schwerlich ein Kandidat für die Einserformation gewesen. Am späten Montagnachmittag begrüßte Foda jedenfalls seine verbliebene Elf in der Generali-Arena zum ersten Training seit der EM. Viel Zeit zur Vorbereitung bleibt nicht, denn am Dienstag geht es per Flieger nach Chisinau, wo das Team zuletzt zwar zwei Mal siegte (1:2 EM-Qualifikation 2016; 0:1 WM-Qualifikation 2018), sich dabei aber sehr schwertat. Und an das erste Gastspiel im 2,5-Millionen-Einwohner-Staat mag man sich als rot-weiß-roter Fan am besten gar nicht erinnern, schließlich setzte es für die Elf von Hans Krankl 2003 in der EM-Qualifikation eine peinliche 0:1-Niederlage.

"Mit drei Siegen wieder dabei"

Die ÖFB-Auswahl ist auch diesmal klarer Favorit, allerdings warnte Marko Arnautovic vor einem Selbstläufer - schließlich könne man sich vom gelungenen EM-Abschneiden nun nichts mehr kaufen. "Die guten Leistungen bei der EM sind schön, aber die können wir wieder vergessen. Jetzt kommt die WM-Qualifikation." Nachsatz des Bologna-Legionärs: "Wenn wir die drei Spiele gewinnen, dann sind wir wieder komplett drin." Die angespannte Personalsituation tue zwar weh, aber "jetzt müssen es die, die hier sind, richten".(may)