Man liebt ihn oder man hasst ihn, aber Rekorde und Tore sind über solche Kategorien erhaben. Beides hat Cristiano Ronaldo am Mittwochabend seiner ohnehin schon beeindruckenden Vita hinzugefügt.

Der Portugiese traf in der WM-Qualifikation beim 2:1 (0:1) gegen Irland in der Schlussphase doppelt. Mit 111 Länderspieltoren ließ der gerade erst zu Manchester United gewechselte Ronaldo den Iraner Ali Daei (109 Treffer/149 Spiele) hinter sich. Ronaldo hat nun 180 Spiele für Portugal bestritten.

"Ich bin so glücklich. Nicht nur, weil ich den Rekord gebrochen habe, sondern über den besonderen Moment, den wir hatten", sagte Ronaldo dem irischen TV-Sender RTE. Zwei Tore am Ende des Spiels seien etwas ganz Besonderes. In der 89. und 94. Minute sorgte er jeweils per Kopf für Jubel in Faro. In der ersten Halbzeit war er beim Stand von 0:0 noch vom Elferpunkt gescheitert, aber über das sprach danach niemand mehr. Nach seinem zweiten Treffer entledigte sich Ronaldo seines Trikots und feierte ausgelassen. Die dafür eingehandelte gelbe Karte nahm er mit einem Lächeln entgegen.

111 Momente und eine Oscar-reife Danksagung

Besonders emotional zeigte er sich danach auch auf Instagram: 111 Länderspieltore für Portugal - diese beeindruckende Bestmarke sei von all seinen Rekorden etwas ganz Besonderes und eine, der ihn "wirklich stolz" mache. "Vor allem, weil 111 Tore für Portugal 111 Momente bedeuten... Momente der weltweiten Vereinigung und des Glücks für Millionen und Abermillionen Portugiesen rund um den Globus. Für sie lohnt sich jedes Opfer", schrieb er.

Er habe gedacht, Daeis Bestmarke einholen zu können. Ronaldo gratulierte Daei, "dass er den Rekord so lange gehalten hat, und vielen Dank, dass er mir jedes Mal, wenn ich ein Tor geschossen habe und seiner herausragenden Zahl immer nähergekommen bin, so viel Respekt entgegengebracht hat".

Zugleich dankte er all seinen Mannschaftskameraden und Gegnern, "die diese Reise so unvergesslich gemacht haben. Lasst uns auch in den kommenden Jahren auf dem Spielfeld zusammenkommen! Ich bin noch nicht am Ende...", schrieb Ronaldo, der von Lobeshymnen nur so überhäuft wurde.

"Eine internationale Ikone"

"Der Supermann hat ein neues Abenteuer geliefert" und einen "mythischen Rekord" aufgestellt, schrieb die portugiesische Sportzeitung "Record" am Donnerstag. "König Ronaldo geht in die Geschichte ein", prophezeite das Boulevardblatt "Correio da Manha" und änderte Ronaldos Spitznamen von "CR7" in "CR111".

Für Ronaldo war es aus Sicht der Fußball-Zeitung "A Bola" "ein weiterer Rekord für das Museum".

Selbstredend gratulierte auch der Weltverband umgehend. "Sie sind nicht nur ein nationaler Held, sondern auch eine internationale Ikone und ein Vorbild für Spieler auf der ganzen Welt geworden. Ihre Fähigkeiten und ihr ständiges Streben nach Verbesserung verdienen weltweite Anerkennung und Bewunderung. Parabens, Cristiano!", erklärte Fifa-Präsident Gianni Infantino in einer Mitteilung des Weltverbandes, die auf Twitter - zusammen mit einem Bild, das Ronaldo auf einer Art Thron sitzend zeigt - veröffentlicht wurde.

Nun, das mag vielleicht etwas viel des Pathos sein - und jene bekräftigen, die den Personenkult um den Portugiesen nicht ganz nachvollziehen können bekräftigen. Doch dass Ronaldo (fast) alles gewonnen hat, was es im Fußball zu gewinnen gibt und zahlreiche persönliche Trophäen abgestaubt hat, kann ihm niemand nehmen: Er war Europameister (2016), ist fünffacher Champions-League-Sieger (2008 mit Manchester United, 2014, 2016 bis 2018 mit Real Madrid), fünffacher Weltfußballer des Jahres - nur Erzrivale Lionel Messi hält bei sechs Titeln - erfolgreichster Champions-League- und EM-Torschütze. Seine nächste Mission ist es, mit seinem neuen, alten Verein Manchester United weitere Titel zu gewinnen.

Es ist ein ehrgeiziges, vielleicht zu ehrgeiziges Ziel für den mittlerweile 36-Jährigen. Auch bei Juventus, wo er die vergangenen drei Jahre tätig war, hatte man Wunderdinge erwartet - die letztlich nicht eintrafen.

Auch Ronaldo ist schließlich nur ein Mensch - und alle Torrekorde hat auch er noch nicht in Händen: Die noch aktive Kanadierin Christine Sinclair (38) hält bei 187 Toren in 304 Länderspielen. Eine Marke, die selbst für Ronaldo wohl unerreichbar ist. (art/apa/dpa)