Österreichs Fußball-Nationalteam hat den Fokus nach dem zwar verdienten, aber glanzlosen 2:0-Arbeitssieg am Mittwoch in Chisinau gegen Moldawien auf Israel gerichtet. Am Samstag (20.45 Uhr/ORF 1) in Haifa kommt es dabei zu einem "kleinen Gruppenfinale" um die Verfolgerrolle des noch makellosen Leaders Dänemark. Nur der Sieger dieses Duells hat zur Halbzeit der WM-Qualifikation noch eine Chance, die fünf Punkte Rückstand auf den EM-Semifinalisten aufzuholen und sich eventuell das einzige Direkt-Ticket nach Katar zu holen (sowohl Israel als auch Österreich halten bei sieben Zählern). "Es wird der nächste Pflichtsieg für uns. Wir wollen zur WM, deswegen muss man in Israel gewinnen", betonte Verteidiger Martin Hinteregger durchaus selbstbewusst.

Die ÖFB-Abwehrreihe war beim krassen Außenseiter Moldawien nie wirklich gefordert, die wenigen offerierten Halbchancen konnten allesamt entschärft werden. Laut Hinteregger konnte man die direkte Weiterreise nach Israel am Donnerstagnachmittag darob relativ ausgeruht antreten. "Wir nehmen auf alle Fälle mehr Kraft mit. Keiner hat sich so wirklich auspowern müssen, weil der Gegner doch sehr dezent war", erklärte der Eintracht-Frankfurt-Legionär. Allerdings sind die Blessuren im ohnedies ersatzgeschwächten ÖFB-Team wieder mehr geworden: Nach den Ausfällen der Stammkräfte Stefan Lainer, Xaver Schlager, Marcel Sabitzer und Sasa Kalajdzic wurde auch Kapitän David Alaba wegen einer Muskelverhärtung im Oberschenkel geschont und erst im Finish von Franco Foda gebracht. Die beiden auffälligsten rot-weiß-roten Akteure auf dem Feld, Führungstorschütze Christoph Baumgartner (45.) und Offensiv-Aktivposten Louis Schaub, verließen Chisinau indes verletzt. Baumgartner erlitt bei einem harten Einsteigen des Gegners eine Knöchel-Blessur, Schaub vermeldete Wadenprobleme - beide sollen aber (so wie Alaba) im Vorentscheidungs-Duell gegen Israel bereitstehen. Für alle gilt, bis zum zweiten Matchtag bestmöglich zu regenerieren, denn am darauffolgenden Dienstag warten in Wien noch die Schotten - wo erneut ein Sieg her müsste.

Kritik am uninspirierten und mitunter tempoarmen Spiel gegen Moldawien wiesen die ÖFB-Akteure großteils zurück: "Es war ein souveräner Sieg. Es kann auch 7:0 oder 8:0 ausgehen", meinte etwa Hinteregger, der für die Abstimmungsprobleme in der Offensive auch die vielen Ausfälle verantwortlich machte. Ähnlich äußerte sich Schaub: "Wir hatten das Spiel immer unter Kontrolle." Allerdings hätte man den Gegner nicht so lange schnuppern lassen dürfen. "Wir hätten uns das Leben leichter machen können. Vielleicht schaffen wir es in den nächsten Spielen, dass wir aus weniger Chancen mehr Tore machen." Für die Entscheidung sorgte erst Marko Arnautovic in der 94.Minute, nachdem er zuvor einige Sitzer vergeben hatte. Mit 28 Länderspiel-Toren ist er nun die geteilte Nummer vier der ewigen ÖFB-Schützenliste. Der 32-Jährige sah die maue Darbietung ebenfalls nicht so dramatisch: "Wir haben souverän gewonnen, wir haben nur die Chancen nicht reingemacht. Die eine oder andere muss man machen - da bin ich natürlich auch dabei."

Vor dem Anpfiff am Mittwoch kam es gleich zu zwei kuriosen Zwischenfällen: Zunächst gab es Tonprobleme bei der österreichischen Hymne; danach sorgte eine Spielzeug-Drohne eines Buben im Stadion für einen um 30 Minuten verzögerten Spielbeginn. Foda äußerte Mitleid mit dem Buben, der ob der von ihm ausgelösten Turbulenzen im Stadion weinte. Seine Spieler ließen sich von dem Vorfall indes nicht aus der Ruhe bringen. "Das hat uns kaum beeinträchtigt", sagte Hinteregger. "Kurz einmal waren die Erinnerungen an Marcel Hirscher da, als ihm fast die Drohne den Kopf eingeschlagen hätte", so der Kärntner, der an einen Beinahe-Unfall von Österreichs Skistar 2015 in Madonna di Campiglio erinnerte. "Aber die Angst haben wir nicht gehabt."

Angst vor Israel zu haben, wo man im Frühjahr 2019 mit 2:4 unterging, wäre freilich auch ein schlechter Ratgeber zum ersehnten nächsten Pflichtsieg.(may)