Diesen Tag hat Fußball-Österreich noch nicht vergessen - so auch ÖFB-Teamchef Franco Foda nicht, der an jenem 24. März 2019 seine bitterste Stunde als Nationalcoach erleben musste: aufopfernd kämpfende Israelis, eine aufgepeitschte Menschenmenge, ein rot-weiß-roter Schwimm-Olympionike (Markus Rogan), der als Israel-Betreuer noch mehr Öl in die feurige Atmosphäre gießt. Und dann ist jeder Schuss ein Treffer - während die spielerisch klar über-, aber kämpferisch klar unterlegenen Österreicher in Haifa förmlich zerbrechen. 2:4 heißt es am Ende in der EM-Qualifikation, die der ÖFB-Auswahl (völlig zurecht) ein mediales Donnerwetter bescherte. Und wohl auch eines vom Teamchef. Beides hat jedenfalls gewirkt, denn von diesem Tiefpunkt in Haifa aus hat die Mannschaft sich souverän für die Endrunde qualifiziert und seither vor allem jenen Teamgeist an den Tag gelegt, der für den Erfolg nötig ist.

Das Desaster von Haifa ist vor dem Wiedersehen im Sammy-Ofer-Stadium am Samstagabend (20.45 Uhr/ORF1) im Rahmen der WM-Qualifikation bei den handelnden Akteuren kaum mehr ein Thema. Aus rot-weiß-roter Sicht wohl auch deshalb, weil man die Scharte mit dem 3:1-Sieg in Wien wieder auswetzen konnte. "Es geht nicht um Wiedergutmachung! Die drei Punkte bekommst du nicht wieder", hatte Foda im Vorfeld der Partie im Interview mit der "Wiener Zeitung" erklärt. Und dass die aktuelle Auswahl des EM-Achtelfinalisten ganz genau weiß, was ihr in Haifa blühen könnte, darf als fix angenommen werden.

Hier wie da sind die Protagonisten zudem noch die selben wie anno 2019: Der damalige Israel-Sportdirektor Willi Ruttensteiner avancierte zum Teamchef und folgte damit auf Andreas Herzog; und im Sturm wirbeln nach wie vor die brandgefährlichen Top-Angreifer Eran Zahavi und Munas Dabbur, die damals in Haifa schon alle Tore der Heimelf schossen.

Da die Israelis in der Defensive deutlich schwächer bestückt sind als vorne, und beiden Mannschaften nur ein Sieg weiterhilft, könnte es wie 2019 viele Tore regnen. Denn auch das Gastteam wird voll auf Sieg spielen müssen, wie Foda ankündigte: "Israel und wir rittern um den zweiten Platz, deshalb müssen wir schauen, dass wir drei Punkte holen", so Foda. Bei jedem Punkteverlust wäre die ohnedies schon klein gewordene Chance der ÖFB-Truppe auf den Gruppensieg und das Direkt-Ticket für Katar 2022 wohl dahin, zumal sich Spitzenreiter Dänemark auf den Färöer keine Blöße geben wird. Schon jetzt beträgt der Rückstand auf den EM-Halbfinalisten fünf Punkte - das gilt auch für das punktegleiche Israel.

Für Foda ist klar, dass der Weg zum Erfolg nur über eine sattelfeste Defensive führen kann. "Da gilt es für unsere Abwehr, sehr aufmerksam zu sein. Wir dürfen ihnen keinen Raum lassen und müssen aggressiv sein." Zugleich werde man vorne Chancen bekommen. "Die müssen wir dann aber auch verwerten."

Gegen die Moldawier ließen Marko Arnautovic und Co. am Mittwoch genau diese Kaltschnäuzigkeit noch vermissen. "Wir hätten die Aufgabe einfacher gestalten können, denn wir hätten früher in Führung gehen können. Wir haben zu viele Chancen vergeben und in der letzten Zone oft nicht die richtige Entscheidung getroffen", analysierte Foda.

Mit welcher Elf nun dieses "kleine Finale" um die Verfolgerrolle bestritten wird, war bis zuletzt offen: Zur ohnedies schon langen Verletztenliste gesellten sich weitere Sorgenkinder: Beim lädierten Sprunggelenk von Christoph Baumgartner trat aber offenbar ebenso eine Besserung ein wie bei den Wadenproblemen von Louis Schaub. Bei der Auswechslung von Konrad Laimer gegen den Osteuropäer dürfte es sich zudem um eine reine Vorsichtsmaßnahme gehandelt haben - der Leipzig-Profi dürfte gegen Israel ebenso in der Startformation stehen wie David Alaba, der erst im Finish gebracht wurde.

Letzter Sieg in Israel: 1979

Foda hat seinen Mannen nach dem mauen Auftritt in Chisinau jedenfalls noch einmal ins Gewissen geredet - wohl schon vorsorglich: "Vielleicht hat bei dem einen oder anderen die letzte Ernsthaftigkeit gefehlt, das haben wir intern besprochen." Sein Gegenüber Ruttensteiner, lange Jahre Sportdirektor im ÖFB, sieht die Rollen vor dem Schlüsselspiel klar verteilt: "Sie sind die Favoriten, allein schon aufgrund der Erfolge in den letzten Jahren." Allerdings: Der bisher letzte Sieg einer ÖFB-Elf in Israel gelang anno 1979.