Zugegeben, es war keine allzu hohe Hürde. Dennoch hat die Art und Weise, wie die deutschen Fußballer Armenien am Sonntagabend nach dem mauen 2:0-Sieg gegen Liechtenstein besiegt haben, für Erleichterung im Land des längst entthronten Weltmeisters gesorgt. Mit einem 6:0 hat die Mannschaft von Hansi Flick die Kritiker - vorerst - ruhig gestellt und im zweiten Spiel der Post-Löw-Ära die Tabellenführung in der Gruppe J übernommen.

Und auch die österreichischen Fußball-Fans, die sich traditionell eher weniger mit dem DFB freuen, können das diesmal tun. Denn Salzburg-Jungstar Karim Adeyemi gab nicht nur sein Debüt im schwarz-rot-gelben Trikot, er schoss dabei auch das Tor zum Endstand.

Adeyemi "geflasht"

"Ich bin immer noch geflasht", sagte Adeyemi nach seinem Tor im ersten Einsatz. Dieses Kunststück schafften einst auch Größen wie Fritz Walter und Dieter Müller.

Der 19-Jährige war mit der Rückennummer 13 von Gerd Müller für sein Idol Serge Gnabry eingewechselt worden. "Mit Gnabry zu spielen oder ihm zuzuschauen und mit ihm zu reden, ist was Besonderes", berichtete Adeyemi fast ehrfürchtig von seinen ersten Begegnungen beim A-Team mit dem Vorbild.

Beim deutschen Team steht U21-Europameister Adeyemi neben Jamal Musiala (18) und Florian Wirtz (18) für das Erneuerungspotenzial. "Das tut ganz gut und ist für die Mannschaft ein guter Prozess, der da eingeleitet wird", sagte Flick über die Kraft der Jugend.

Der Neo-Coach Flick hatte die Mannschaft auf sechs Positionen umgebaut, nur Niklas Süle, Thilo Kehrer, Joshua Kimmich, Leroy Sane und Timo Werner verblieben von der Liechtenstein-Startelf. Das Spiel lief diesmal wie am Schnürchen, Gnabry mit einem Doppelpack in der ersten Viertelstunde (6., 15.), Marco Reus (35.), Timo Werner (45.) und Jonas Hofmann (52.) trafen für Schwarz-Rot-Gold. Adeyemi durfte ab der 77. Minute erste A-Luft schnuppern und gab in der Nachspielzeit erneut ein großes Zukunftsversprechen ab. Deutschland liegt mit 12 Punkten vor Armenien (10) und Rumänien (9), das Liechtenstein 2:0 besiegte.

Andernorts besiegte der EM-Zweite England Andorra 4:0 (1:0), Spanien fertigte Georgien 5:0 (3:0) ab. Belgien gewann den Schlager von Gruppe E gegen Tschechien 3:0 (2:0). Nur der Europameister musste neuerlich Punkte abgeben: Dem 1:1 in Bulgarien folgte für Italien ein 0:0 in der Schweiz.

Italien 36 Partien ohne Niederlage

Die Schweiz lieferte den Italienern in Basel ein offenes Duell und musste erstmals in der WM-Qualifikation Punkte abgeben. Goalie Yann Sommer parierte in der 53. Minute einen Elfer von Jorginho und war auch ansonsten mehrmals am Posten. Für die Schweiz hatten Manuel Akanji (42.) und Denis Zakaria (85.) die besten Torchancen. Die Eidgenossen haben bei zwei weniger ausgetragenen Partien vier Punkte Rückstand auf Italien, das mit 36 Partien ohne Niederlage in Folge den bisherigen Rekordhalter Brasilien übertraf.

Belgien baute dank der Treffer von Romelu Lukaku (8.), Eden Hazard (41.) und Premierentorschütze Alexis Saelemaekers (65.) mit einem souveränen Erfolg in Brüssel die Tabellenführung aus, liegt mit 13 Punkten klar vor Tschechien (7) und Wales (6).

Bale mit Dreierpack für Wales

Die Waliser wahrten dank eines Dreierpacks inklusive Last-Minute-Siegtreffer (6./Elfer, 69./Elfer, 93.) von Gareth Bale gegen Belarus ihre Qualichancen. Lange waren die stark ersatzgeschwächten Gäste nach Treffern von Wital Lissakowitsch (29./Elfer) und Pawel Sekdo (31.) im Rückstand gelegen. Das Spiel war ins russische Kasan verlegt worden, weil aus der EU beziehungsweise Großbritannien kommende Flugzeuge aufgrund der Sanktionen gegen Belarus dort derzeit nicht landen dürfen.

England wurde gegen Andorra seiner Favoritenrolle aber erst in den Schlussminuten gerecht, denn der 156. der Weltrangliste hielt nach Kräften dagegen. Mit fünf Siegen aus fünf Spielen führen die Three Lions die Gruppe I an, Andorra ist mit drei Punkten Letzter. Gruppengegner Albanien bezwang Ungarn mit 1:0 (0:0) und klettert auf Rang zwei. Englands Jesse Lingard (18., 78.) verbuchte einen Doppelpack, in der 72. Minute verwandelte der eingewechselte Harry Kane vom Elfmeterpunkt souverän, den Schlusspunkt setzte Bukayo Saka (85.). (red/apa)