Bei diesem Satz wusste man nicht so recht, war er ernst oder doch sarkastisch gemeint: "Der Trainer einer Mannschaft ist immer für ALLES verantwortlich!" Doch die Frage an ÖFB-Teamchef Franco Foda bezog sich auf individuelle Fehler seiner Spieler beim 2:5-Debakel in Haifa, an denen unmöglich auch der Coach auf der Bank schuld sein konnte. War dies also eine Reaktion auf die heftige mediale Kritik nach der Schlappe in der WM-Qualifikation, die weniger auf die Mannschaft, als auf Foda (und sein System, seine Aufstellung etc.) abzielte - und die dieser bei der ÖFB-Abschluss-Pressekonferenz mit einer Mischung aus Sarkasmus und Genervtheit zu parieren versuchte? Faktum ist, dass das Fußballleben nach Haifa weitergeht und heute, Dienstag (20.45 Uhr/ORF 1), das Heimspiel in der WM-Qualifikation gegen Schottland vorsieht. Und das kann man zweifelsohne zum persönlichen Schicksalsspiel des 55-jährigen Deutschen hochstilisieren.

Schließlich kennt auch Foda die unerbittlichen Gesetze des Fußballs, die bei Erfolglosigkeit entsprechende Konsequenzen zeitigen - Nations-League-Gruppen-Sieg hin, EM-Achtelfinaleinzug her. Die Höchststrafe für einen jeden Trainer ist ja nicht, wenn er nach vorangegangenen Erfolgen in eine mitunter unerklärliche Niederlagenserie schlittert, sondern die Erfolglosigkeit daraus resultiert, dass er "die Mannschaft nicht mehr erreicht", wie es so schön heißt. Anzeichen dafür gibt es, wenn man den anonym vorgetragenen Anschuldigungen diverser Teamspieler in diversen Medien glauben schenken will; Anzeigen dagegen gibt es aber ebenso zuhauf, zumal man etwa - wie noch bei der EM medial scharf kritisiert - Foda dessen vorsichtigen Spielstil gegen Israel nun wirklich nicht vorwerfen kann. Er hat offensiv und mutig auf Sieg spielen lassen, weil nur dieser einen Wert in der Gruppenphase gehabt hätte. Dass das letztlich katastrophal in die Hose gegangen ist, weiß er selber wohl am besten. Wenngleich Foda auch zwei Tage nach dem Debakel noch höchst schönfärberisch unterwegs ist, wenn er sagt: "Es waren kleine Details, die wir nicht gut gemacht haben."

Die Rechnung ist nun ziemlich einfach: Rennt, brennt und siegt seine Elf im Prater gegen die Schotten, ist vorerst mal wieder alles gut - und Fußball-Österreich wird sich drauf einstellen können, dass Foda seinen Vertrag bis zum erhofften WM-Play-off im März 2022 erfüllen wird. Setzt es gegen die Bravehearts indes die nächste Pleite, dürften die Tage des Mainzers gezählt sein, schließlich gibt es ja ab 17. Oktober auch einen neuen ÖFB-Präsidenten. Und was für einen besseren Einstand könnte es für diesen geben, als gleich einen neuen Wunderwuzzi in spe aus dem Hut zu zaubern, um völlig neu durchzustarten? Zudem gastiert wenige Tage davor die ÖFB-Auswahl beim De-facto-Gruppensieger Dänemark, womit dann wohl in der Gruppe F endgültig alles geklärt sein könnte.

Präsentiert sich die Mannschaft allerdings bis dahin als Einheit und spielt (halbwegs erfolgreich) für ihren Trainer, wird dieser Österreich wohl auch ins WM-Play-off führen. Denn ein Platz in diesem 12er-Startfeld um drei Last-Minute-Plätze für Katar gilt als fix: Entweder schafft man noch Gruppenrang zwei, oder man holt sich einen der beiden Nations-League-Plätze. Als sechstbeste Nation des vergangenen Herbstes müsste es schon mit dem Teufel zugehen, dass man diesen Joker nicht ziehen könnte: Aus dem starken Quintett Italien, Spanien, Belgien, Frankreich und Wales müssten gleich zwei Nationen in ihren Gruppen nur Endrang drei belegen. Zur Halbzeit der Gruppenphase liegen aber vier dieser fünf Teams locker in den Top Zwei, Wales nach Verlustpunkten detto.

"Unser finales Spiel"

Doch zuvor warten die Schotten, die die ÖFB-Elf bereits auf den vierten Gruppenrang verdrängt haben. Gegen sie wird Robustheit nötig sein, meint Foda: "Das ist eine wuchtige Mannschaft, da geht es um Zweikämpfe und zweite Bälle, darauf müssen wir uns vorbereiten." Und Neo-Kapitän David Alaba betonte am Montag extra das intakte Verhältnis zum Trainer: "Das Verhältnis ist weiterhin gut, und die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist gut." Und dann fiel von Foda noch ein Satz, den man wie eingangs doppeldeutig auslegen könnte: "Wir wissen, das ist für uns ein finales Spiel, das wir unbedingt gewinnen müssen." Ein finales Spiel um Gruppenrang zwei? Oder doch ein ganz persönliches Endspiel um den Teamchefposten?